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Buchmesse Direktor sieht keine Handhabe gegen Neonazis

Buchmessen-Direktor Juergen Boos plädiert „absolut für Meinungsfreiheit“. Außerdem gebe es keine juristische Handhabe gegen neonazistische Verlagsunternehmen.

Frankfurter Buchmesse
Wer darf auf der Buchmesse ausstellen? Foto: Michael Schick

Die Frankfurter Buchmesse rechnet in diesem Jahr mit der Präsenz von Neonazis auf dem Gelände. Direktor Juergen Boos sagte am Dienstag bei einem Pressegespräch auf Frage der FR, die Messe könne „keinen Aussteller aus politischen Gründen ausschließen“. Die Buchmesse, die vom 11. bis 15. Oktober geplant ist, stehe „absolut für Meinungsfreiheit“, erklärte der 56-jährige Manager vor Journalisten.

Auf diese Linie hat sich Boos nach eigenen Worten auch mit den Direktoren anderer Buchmessen verständigt. Es gebe auch an anderen Orten mit Neonazis „ein massives Problem“. Als Beispiel nannte er die Frühjahrsbuchmesse in Leipzig und die schwedische Hauptbuchmesse in Göteborg.

Buchmessen-Sprecherin Katja Böhne sagte, es werde in diesem Jahr aber „keine Neonazi-Veranstaltungen“ auf dem Messegelände geben. Bisher existierten nur „Ankündigungen“ und „Wunschlisten“ von rechtsextremer Seite. Um bei der Buchmesse überhaupt Veranstaltungen organisieren zu können, müsse man einen Stand gemietet haben. Diese Voraussetzungen liegen allerdings beim rechten Antaios-Verlag vor.

Auch Böhne betonte, „solange nicht gegen deutsches Recht verstoßen wird“, gebe es keine juristische Handhabe gegen neonazistische Verlagsunternehmen. Rechte bis extrem rechte Literatur hat bereits seit langem ihren Platz auf der größten Bücherschau der Welt. Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“, die inzwischen als eine Art inoffizielle Parteizeitung der AfD gilt und in der regelmäßig Autoren aus dem Umfeld der sogenannten Neuen Rechten veröffentlichen, präsentiert sich bereits seit den 90ern auf der Frankfurter Buchmesse. Ebenfalls schon lange dabei ist der österreichische Leopold-Stocker-Verlag, der in einem Tochterunternehmen – dem Ares-Verlag – vor allem neurechte Theoretiker wie Alain de Benoist verlegt.

Das publizistische Flaggschiff der Neuen Rechten in Deutschland, der Antaios-Verlag, wird – wie die FR bereits Ende August berichtete – erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder mit einem eigenen Stand vertreten sein. Der Verlag hatte zuletzt mit der Textsammlung „Finis Germania“ aus dem Nachlass des Historikers Rolf Peter Sieferle einen Bestseller gelandet, nachdem diese von einem „Spiegel“-Redakteur auf die Liste der Sachbücher des Monats von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ gehoben worden war.

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