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Bauhaus Dessau Feine Sahne Fischfilet hält an Auftritt im Bauhaus fest

Weil das Bauhaus Dessau rechte Proteste fürchtet, untersagt es den Auftritt der Punkband Feine Sahne Fischfilet. Kritiker sehen die Kunstfreiheit in Gefahr. Die Band will dennoch in der Stadt auftreten.

21.10.2018 12:01
Dessau
Feine Sahne Fischfilet will trotz der Absage von Bauhaus Dessau vor Ort auftreten. Foto: dpa

Die linke Punkband Feine Sahne Fischfilet will trotz der Absage im Bauhaus Dessau an einem Konzert in der Stadt festhalten. „Es ist doch wohl klar, dass wir am 6.11. in Dessau spielen werden“, schrieben die Musiker am Wochenende auf ihrer Facebook-Seite. Man werde sich nicht einschüchtern lassen und „einfach unser Ding“ durchziehen, hieß es weiter. Wo der Auftritt stattfinden soll, ist aber noch unklar.

Eigentlich sollte es ein Konzert vor überschaubarem Publikum auf der historischen Bühne des Bauhauses werden. Das ZDF lädt regelmäßig Künstler für seine Konzertreihe zdf@bauhaus nach Dessau ein. Doch am Donnerstag zog die Stiftung Bauhaus die Notbremse. Weil rechte Gruppierungen im Internet zum Protest gegen den Auftritt der linken Musiker aufriefen, machte die Stiftung von ihrem Hausrecht Gebrauch und untersagte das Konzert.

Feine Sahne Fischfilet bei Konzert gegen rechts

Man wolle kein Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden, hieß es. Auch Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra verteidigte die Absage. Eine politische Konfrontation sei mit dem Bauhaus nicht vereinbar, sagte der CDU-Politiker dem Radiosender MDR Kultur.

Feine Sahne Fischfilet war vor einigen Jahren wegen Gewaltaufrufen gegen Polizisten im Verfassungsschutzbericht von Mecklenburg-Vorpommern genannt worden. Zuletzt spielten die Rostocker Musiker bei einem Konzert gegen Rechtsextremismus in Chemnitz. Im Verfassungsschutzbericht taucht der Name der Band seit einigen Jahren nicht mehr auf.

Die Kritik an der Absage des Konzerts riss auch am Wochenende nicht ab. Vor allem die Kunstfreiheit wurde als Argument angeführt. „Es darf niemals der Eindruck entstehen, dass der Druck der rechtsextremistischen Szene ausreicht, ein Konzert zu verhindern“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

Die Absage ist ein falsches Signal

Die Kunstfreiheit genieße in Deutschland hohen Verfassungsrang. Dieser Stellenwert sei die Lehre aus der deutschen Geschichte mit dem Angriff auf die Demokratie von rechten und linken Antidemokraten. Die Verantwortung der Künstler zur Verteidigung dieser Freiheit sei unverzichtbar, sagte Grütters.

Der diesjährige Vorsitzende des Bauhaus Verbundes, Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), schrieb in einem Brief an die Mitglieder des Museumsverbandes, er widerspreche entschieden den Äußerungen der Stiftung Bauhaus Dessau, das Bauhaus sei ein „bewusst unpolitischer Ort“. Die Kunstschule fordere nach ihren eigenen Erfahrungen in der Nazi-Zeit und der DDR zu einer klaren Haltung gegen alle Einschüchterungsversuche auf. Vom Deutschen Kulturrat hieß es, die Absage sei ein falsches Signal und verhöhne die Geschichte des Bauhauses.

Auch die Band selbst kritisierte die Absage scharf. Das Bauhaus sei vor der rechten Szene eingeknickt, schrieben die Musiker. Das setze „neue Maßstäbe in Sachen Erbärmlichkeit“, hieß es weiter. Zudem kritisierte die Band die Absage als Eingriff in die Programmentscheidung des ZDF.

Die Band will in Dessau auftreten

Die Band betonte, man werde in Dessau auftreten. „Wenn wir und viele andere Menschen bei jeder kleinen Einschüchterung sich gleich wegducken und jedes Konzert absagen würden, welches die Nazis zur Weißglut bringt, dann würde hier nahezu gar nix mehr gehen.“ Das ZDF sucht derzeit nach einem neuen Ort für das Konzert.

Die Band konnte der Diskussion um ihren Auftritt auch etwas Positives abgewinnen und bedankte sich mit einem Augenzwinkern für die Unterstützung. „Als Erstes gibt‘s natürlich erstmal noch ein Dankeschön für die kostenlose Promo“, schrieben die Musiker auf Facebook.

Die Stiftung Bauhaus hatte die Absage verteidigt. „Dies steht auch im Kontext jener polarisierten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, die in den vergangenen Monaten das Bild Ostdeutschlands geprägt haben“, hieß es in einer Mitteilung. Man habe annehmen müssen, dass das Bauhaus Ziel von extremistischen Angriffen geworden wäre. Kulturminister Robra betonte zudem, die Direktorin des Bauhauses sei in die Überlegungen des ZDF nicht eingebunden gewesen und habe erst am Mittwoch von der Einladung der Band erfahren. (dpa)

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