Lade Inhalte...

Bandnamen Deichkind und das Plural-Verb

Immer häufiger - selbst in dieser Zeitung hier - kommt es regelmäßig zum abscheulichen Plural-Missbrauch. Pussy Riot wollen keine Gnade. Oasis haben dies, Deep Purple machen jenes, Deichkind sind dort. Nicht die Deichkinder, nein: Das Deichkind und das Plural-Verb. Muss das sein?

Thomas Stillbauer

Wie lang wollen wir eigentlich noch tatenlos dem Leid von Singular und Plural zusehen, wenn’s um Musik geht? Jeden Tag die verzweifelten Dialoge: „Mein Gott, Plural, das ist doch mein Fall!“ – „Ich weiß, Singular, aber die Leute benutzen immer mich!“ „Dabei hast du sowieso immer viel zu tun, Pluri.“ – „Mit der Meinung stehst du nicht allein da, Single.“

Die Lage scheint aussichtslos. Früher sagte der Mensch ganz richtig: Sweet hat eine neue Platte rausgebracht. Heute sagt der Mensch: Silbermond kehren zurück. In beiden Fällen handelt sich um jeweils eine Musikgruppe. Merken Sie was?

Und so formulieren ja nicht nur die da draußen. So formulieren sogar die Kulturjournalisten. Selbst in dieser Zeitung hier soll es regelmäßig zum abscheulichen Plural-Missbrauch gekommen sein. Pussy Riot wollen keine Gnade. Oasis haben dies, Deep Purple machen jenes, Pink Floyd spielten da, Deichkind sind dort. Nicht die Deichkinder, nein: Das Deichkind und das Plural-Verb.

Die Regionalzeitung von nebenan trieb es kürzlich auf die Spitze. Da stand: „Die Band blieben bei ihrem Auftritt etwas schuldig.“ Kein Witz.

Woher kommt das bloß? Das kommt garantiert aus Englisch-sprech-Land. Da heißt es ja auch „Police have arrested him“ (die Polizei haben ihn eingesperrt), selbst wenn es sich nicht um die Musikgruppe handelt. Müssen wir deshalb auch in Frankfurt, Oldenburg und Wasserbilligerbrück sagen: Rammstein sind wieder auf Tour? Oder: Ein Einsamer Indianer rockten das Haus? Oder: Der Moderne Man (eine 80er-Jahre-Combo) wurden vom Publikum eklig bespuckt?

Nein, müssen wir nicht. Wir haben nämlich persönlich bei der Duden-Sprachberatung nachgefragt, ätschi, und da haben wir erfahren: „Bei singularischen Bandnamen ist man mit dem Singular des Verbs auf der sicheren (grammatischen) Seite.“

Danke, Duden. Dann können wir endlich mit dem Unsinn aufhören. Oder wir sagen in Zukunft auch: Bauknecht wissen, was Frauen wünschen. Neckermann machen’s möglich. Carglass reparieren’s, Carglass tauschen’s aus. Am besten, wir erlauben nur noch Bandnamen im Plural. Zum Beispiel: Die Berechtigten Zweifel.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen