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Bad Hersfeld Holk Freytag Machtkampf in der Stiftsruine

Eskalierender Streit ums Geld: Bad Hersfeld feuert den Festspielintendanten Holk Freytag. Vorläufiges Ende eines weiteren Trauerspiels um das Theater in der Stiftsruine.

Holk Freytag, der geschasste Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, hier beim Probenbeginn im Mai. Foto: dpa

Intrigen. Machtkämpfe. Verrat. Damit kennt man sich aus in Bad Hersfeld: Bei den diesjährigen Festspielen gehört eine viel gepriesene Inszenierung von Schillers „Maria Stuart“ zu den Höhepunkten. Auch am heutigen Abend wird das Rivalitätendrama über die Freilichtbühne in der Stiftsruine gehen. Ganz so, als wäre nichts.

Doch es ist was. Denn das eigentliche Trauerspiel findet abseits der Bühne statt. Am Montagabend beschloss der Magistrat der nordhessischen Kreisstadt, Intendant Holk Freytag zu feuern. Wenn am Sonntag die Festspiele 2014 enden, soll der 70-Jährige seinen Schreibtisch räumen. Eigentlich lief der Vertrag des renommierten Theatermachers noch bis 2016. Doch das hielt der Magistrat jetzt für „nicht mehr zumutbar“, wie die Stadt am Dienstag mitteilte. Der Intendant habe „seine Gesamtverantwortung nicht ausreichend wahrgenommen und gegen wesentliche vertragliche Regelungen verstoßen“.

Die Kündigung ist die finale Eskalation eines Machtkampfs, den sich Bürgermeister Thomas Fehling (FDP) seit einem Jahr mit Freytag liefert. Ein Konflikt, dem es an Schiller’scher Größe allerdings etwas gebricht: Er dreht sich ausschließlich und schnöde ums Geld. Die durchaus erfolgreichen Bemühungen des Intendanten, die Qualität der traditionsreichen Festspiele zu verbessern, die guten Kritiken, der Publikumszuspruch: alles egal. Dem Rathauschef ist das Festival zu teuer. Und der Intendant nicht willfährig genug.

Nach zähem Ringen hatte die Stadt für die Festspiele in diesem Jahr knapp 1,1 Millionen Euro zur Verfügung gestellt – zum Unwillen des Bürgermeisters. Dass das am Ende wohl nicht reichen wird und noch weitere rund 300 000 Euro bewilligt werden müssen, war Wasser auf seine Mühlen. Für die Spielzeit 2015 wurde das Budget um 400 000 Euro gekürzt. Trotzdem legte Freytag kürzlich zunächst einen Spielplan vor, der diese Sparvorgabe nur zur Hälfte erfüllte. Für den Rest schlug er die Suche nach Sponsoren vor. Was der Intendant eine „Diskussionsgrundlage“ nennt, verstand der Magistrat als Affront – und nahm es als Anlass für die Kündigung.

„Der Vorwurf ist absurd“, sagte Freytag der Frankfurter Rundschau. Kurz vor der montäglichen Magistratssitzung habe er einen zweiten Spielplanentwurf nachgereicht, der mit 400 000 Euro weniger auskommen würde. Auch um zu zeigen, was das bedeuten würde. „So etwas geht nicht ohne Einschnitte in Quantität und Qualität.“ Seine fristlose Entlassung konnte Freytag damit jedoch nicht mehr abwenden.

Intendanten gingen im Zorn

Ob er gegen die Kündigung vor Gericht ziehen wird, hat der Intendant noch nicht entschieden. Aber er gibt sich kämpferisch: „Einfach hinnehmen kann ich das nicht“, sagte er. „Man darf diesen Leuten nicht das Feld überlassen.“ Mit „diesen Leuten“ meint er das nicht eben kleine Lager in Lokalpolitik und Stadt, das auch mit künstlerisch weniger ambitionierten Festspielen sehr gut leben könnte. Und das auch schon sämtlichen seiner Vorgänger zugesetzt hatte. „Hier ist jeder Intendant im Zorn gegangen“, sagte Freytag. „Darüber müssen die auch mal nachdenken – das waren doch nicht alles Idioten auf diesem Stuhl!“

Rückendeckung bekam der geschasste Festspielleiter vom Vorsitzenden des städtischen Kulturausschusses: Thomas Handke (SPD) nannte die Kündigung im hr-Hörfunk eine „Fehlentscheidung, die Bad Hersfeld als Festspielstandort ungemein zurückwirft“. Von einer „Provinzposse“ sprach Intendantenkollege Thomas Bockelmann: „Holk Freytag ist der integerste Theatermensch, den man sich vorstellen kann“, sagte der Chef des Kasseler Staatstheaters. „Dass man ihn jetzt vier Tage vor Ende des Festivals wie einen Hund vom Hof jagt, ist auch stilistisch von solcher Geschmacklosigkeit, dass man gar nicht so viel essen kann, wie man kotzen möchte.“

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