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„Babylon Berlin“ Späte Ehrenrettung des deutschen Fernsehens

„Babylon Berlin“, die bis heute teuerste deutsche Serie, will viel und es gelingt ihr auch. Sie schickt sich an, das deutsche Fernsehen zu verändern.

Moka Efti
Oben die luxuriöse Party auf der Tanzfläche, unten die Vergnügung im Keller-Separee. Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017

Es ist das Jahr des New Yorker Börsencrashs, das Ende der Goldenen Zwanziger und der Beginn einer Weltwirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes. 1929 ist das Jahr der als „Blutmai“ bekannten Unruhen in Berlin, bei denen die Polizei auf der Jagd nach Kommunisten mehr als 30 Menschen tötet und Hunderte verletzt.

Auch ist es das Jahr, in dem Alfred Döblins Großstadtroman „Berlin Alexanderplatz“ erscheint, der die damals fünftgrößte Metropole der Welt wenig schmeichelhaft aber nach dem uralten, alttestamentarischen Verdikt als „große Hure Babylon“ bezeichnet.

„Tatort“ ist nicht mehr genug

Dennoch hat die Zeit des radikalen Umbruchs und der kurzen Blütezeit der Demokratie zwischen den beiden Weltkriegen bislang kaum eine Rolle gespielt im deutschen Fernsehen – mal abgesehen von der vierzehnteiligen Fassbinder-Verfilmung von „Berlin Alexanderplatz“, deren Erstausstrahlung mittlerweile in das Jahr 1980 zurückreicht. Das soll sich am 13. Oktober ändern, wenn die „große Hure“ im TV-Epos „Babylon Berlin“ ihr großes Comeback im deutschen Fernsehen feiert.

Das Projekt hätte gerne auch etwas früher kommen dürfen, denn hierzulande droht man seit einigen Jahren den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren. In Zeiten von Netflix und Amazon Prime und einem Überangebot an komplexen Qualitätsserien aus aller Welt ist der allsonntägliche „Tatort“ vor allem für die jüngere Generation nicht mehr genug. Doch in den Sendeanstalten fehlte bislang nicht nur der Mut zur Veränderung, sondern auch das Geld.

Vor diesem Hintergrund wirkt das Mammutprojekt „Babylon Berlin“, mit rund 40 Millionen Produktionskosten die bis heute teuerste deutsche Serie und das erste Kooperationsprojekt zwischen der öffentlichen-rechtlichen ARD und dem Bezahlsender Sky, wie eine gemeinsame Kraftanstrengung zur späten Ehrenrettung des deutschen Fernsehens. Entsprechend aufgeregt geben sich Teile der Medien seit der Weltpremiere in der Hauptstadt. Die „FAZ“ schreibt von der „zur nationalen Aufgabe stilisierte[n] Serie“, der „Spiegel“ urteilt: „Wir sind wieder wer, wir Weltmeister der Angst.“ Eine Serie über das Ende der Goldenen Zwanziger soll also das vielbeschworene goldene Zeitalter des Qualitätsfernsehens endlich auch in Deutschland einläuten. Kann das gutgehen?

Die Erwartungen sind jedenfalls hoch, seit „Babylon Berlin“ 2013 zum ersten Mal angekündigt wurde. Zumal neben Achim von Borries und Henk Handloegten auch Tom Tykwer Regie geführt hat, dessen Namen man auch in den USA schon mal gehört hat. Die Serienmacher wissen um die große Aufregung, haben sie teilweise selbst geschürt, und bitten trotzdem schon in der ersten Szene darum, sich unvoreingenommen auf das Fernseherlebnis einzulassen: „Versuchen Sie nicht, Ihre Gedanken zu ordnen. Lassen Sie sie einfach los“, sagt der Hypnotiseur zum Protagonisten. „Und wenn ich nun ‚Jetzt‘ sage, dann werden Sie die Augen öffnen. Jetzt.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Serien

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