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Ausstellung zu Pius XII "Er hat nicht geschwiegen"

Jahrzehntelang hat die Öffentlichkeit Papst Pius XII. immer wieder Gleichgültigkeit gegenüber dem Nationalsozialismus vorgeworfen. Nun will eine Ausstellung in Berlin das Gegenteil beweisen.

21.01.2009 18:01
Jahrzehntelang hat die Öffentlichkeit Papst Pius XII. immer wieder Gleichgültigkeit gegenüber dem Nationalsozialismus vorgeworfen. Nun will eine Ausstellung in Berlin das Gegenteil beweisen. Foto: dpa

Berlin. Jahrzehnte galt er als "der Papst, der geschwiegen hat" - in der Öffentlichkeit ist Pius XII. immer wieder Gleichgültigkeit gegenüber dem Nationalsozialismus vorgeworfen worden. In seinem Theaterstück "Der Stellvertreter" zeichnete Autor Rolf Hochhuth den Italiener Eugenio Pacelli (1876-1958) als Mitwisser der Ermordung der Juden Europas, der seine Stimme nicht dagegen erhoben habe. Eine Ausstellung des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften will von diesem Freitag an (bis 7. März) im Berliner Schloss Charlottenburg mit neuen Dokumenten belegen, dass Pius XII. sich doch lautstark gegen den Holocaust geäußert habe, wie die Initiatoren am Mittwoch betonten.

So habe der Papst immer wieder gegen die Deportation von Juden aus Frankreich und Italien Stellung bezogen, wie aus den ausgestellten Briefen und Zeitungsartikeln hervorgehe. Im letzten der sieben Räume wird die Radio-Botschaft zu Weihnachten 1942 vorgestellt, in der Pius die Verfolgung "aus Gründen der Nationalität oder Rasse" anprangerte. "Er hat nicht geschwiegen", betonte der Potsdamer Kirchenhistoriker Thomas Brechenmacher. Durch päpstliche Intervention hätten die Nationalsozialisten die Deportation ungarischer Juden in die Konzentrationslager zeitweise unterbrochen.

Brechenmacher widersprach Vorwürfen, Pius XII. habe von der sogenannten "Rattenline" gewusst, über die NS-Verbrecher nach 1945 vor allem nach Lateinamerika geflüchtet seien. In die Aktion seien allerdings hochrangige Funktionsträger im Vatikan verwickelt gewesen, über das Mitwissen des Papstes gebe es aber keine Belege.

Die Ausstellung, die bereits in Rom präsentiert und später nach München ziehen soll, sei auf Wunsch von Papst Benedikt XVI. zustande gekommen, sagte der "Chefhistoriker" des Vatikans, Walter Brandmüller. Pius XII. sei seinem Wahlspruch "Opus Justitiae Pax" (Das Werk der Gerechtigkeit ist der Frieden), den er für seine Bischofsweihe 1917 wählte, immer treugeblieben. "Was für Menschen, die ihr Wissen über diesen Papst aus Rolf Hochhuths Drama "Der Stellvertreter" beziehen, wie eine Provokation klingt, ist im Lichte der historischen Forschung nichts als die Wahrheit", betonten die Ausstellungsmacher.

Für die Neubewertung von Pius XII. spiele die Freigabe von Dokumenten aus dem Vatikanischen Geheimarchiv für die Zeit von 1922 bis 1939eine Schlüsselrolle. Mehr als 16 Millionen Dokumente zu Pius XII. aus den Jahren 1939 bis 1958 seien aber noch gesperrt und könnten frühestens in sechs bis sieben Jahren erschlossen werden, sagte der Kirchenhistoriker Karl-Joseph Hummel.

Prägend für die Haltung Pacellis zum Nationalsozialismus sei seine Erfahrung als Apostolischer Nuntius in München und Berlin von 1917 bis 1929 gewesen, sagte Hummel. Briefe und interne Vermerke belegten, dass Pacelli als Vatikanbotschafter sehr früh die Bedrohung durch Adolf Hitler erkannt habe. "Dieser Mensch ist völlig von sich selbst besessen", schrieb er zu seinem Abschied aus Berlin, er könne nicht begreifen, dass so viele Menschen das nicht sähen. Später habe Pacelli Hitler eine "grundsätzlich böse Person" genannt. Pacelli war Papst von 1939 bis zu seinem Tod 1958.

In seinem Katalogbeitrag widerspricht Hummel der Annahme, das von Pacelli als vatikanischer Staatssekretär 1933 ausgehandelte Reichskonkordat habe die Position der deutschen Katholiken gegenüber Hitler geschwächt. Pacelli habe sich vielmehr den Wünschen der deutschen Bischöfe für eine Unterzeichnung des Abkommens zwischen Berlin und dem Vatikan gebeugt. Deutschlands Katholiken hätten sich mehr Freiräume im "Dritten Reich" versprochen. Um eine einzige Seele zu retten, müsse man den Mut aufbringen, sich selbst mit dem Teufel an einen Tisch zu setzen. Das sei Pacellis Maxime gewesen, betonte Hummel. (dpa)

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