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AfD Björn Höcke und die gute alte BRD

Bemerkenswert, aber kaum bemerkt: Wie sich Björn Höcke einmal nicht versprochen hat, von seiner AfD-Anhängerschar aber ignoriert wurde.

Björn Höcke
Jüngst in Arnstadt sagt Björn Höcke, er wolle „seine alte Bundesrepublik zurück“. Das AfD-Volk jubelt trotzdem. Foto: dpa

Jüngst in Arnstadt hat der mit einem knapp verfehlten SED-Ergebnis zum thüringischen AfD-Spitzenkandidaten gekrönte Björn Höcke einen bemerkenswerten, aber wenig bemerkten Spruch getan. Er hat nicht nur die bekannte Platte von der „Flutung des Landes mit Millionen Kulturfremder“ abgenudelt, sondern sich auch zu der Aussage verstiegen, er wolle „seine alte Bundesrepublik zurück“. Ich traute meinen Ohren nicht: Da verkündet ein Wessi, er wolle das Ancien Regime zurück und entlässt die ihm ergeben zujubelnden Ossis quasi in die alte DDR, die bekanntlich nicht zur guten BRD gehörte.

Die braven AfDler haben es offenbar überhört, nicht verstanden, beflissen ignoriert, dass der Exponent des rechten „Flügels“ gar nicht die konservative Revolution anstrebt, sondern das „rot-grün versiffte Multikulti“ betrauert, das sein Parteifreund Jörg Meuthen zu attackieren pflegt, diesen Hort der verhassten 68er! Der vaterlandsvergessenen Konsumbürger, denen Mailand und London näher lag als Leipzig und Schwerin!

Meint Höcke die Verächter der Wiedervereinigung, die (wie Alexander Gauland) gegen die Bundeshauptstadt Berlin eiferten, diese Ossi-Witze-Reißer zwischen Freiburg und Flensburg, die auch nach 1990 keinen Fuß in die ungeliebten neuen Länder setzen mochten? Feierte er etwa die Bonner Republik, die eine strikte Quarantäne gegen alles „rechts von der Union“ verordnet hatte?

Höckes „ich will meine alter Bundesrepublik zurück“ war kein geschichtsvergessener Lapsus im Eifer der tumultuösen Kür zum künftigen Oberhaupt des Freistaats Thüringen, er bezeugt – wie soll man es sonst deuten – die tiefe Verachtung, die ein beurlaubter hessischer Geschichtslehrer seiner Klientel entgegenbringt. Und die ihre eigene Nostalgie pflegt: die Sehnsucht nach der schön geordneten, kreuz-autoritären und so gut wie ausländerfreien DDR. Das galt ja auch für einen guten Teil der SED-PDS und stützt die ostdeutsche Regionalpartei bis heute.

Illusionäre Rückkehrfantasien in Ost und West

Höckes Fehlleistung hat also einen wahren Kern. Die Attraktivität der AfD in den neuen Ländern beruht nicht unwesentlich auf illusionären Rückkehrfantasien in Ost und West und zeigt eine immer noch unvollendete Einheit an, ja eine vertiefte Spaltung.

Früher war alles besser: für die östliche Seite, weil sie sich nicht jenem kulturellen Pluralismus aussetzen will, der zwar schon die alte Multikulti-Bundesrepublik ausgezeichnet hatte, den sie aber in DM-nationalistischer Illusion übersieht; für die andere Seite, weil sie die Splendid Isolation der Kalten Kriegs-Ära weiterpflegen möchte, in der „Massenflucht“, Währungsunion und IS-Terror unbekannt waren und man gar nicht aussprechen musste, worauf das AfD-Programm hinausläuft: Lasst uns mit der Welt in Ruhe, sterbt draußen!

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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