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9. Satellitenmesse Berliner Liste Gereifter Satellit

Die 9. Satellitenmesse Berliner Liste zeigt sich gereift. Die Veranstalter nutzen die historische 7000-Quadratmeter-Fläche ausgiebig. Unter neuer Leitung wird hier von 124 Ausstellern aus 26 Ländern Kunst zum Kauf geboten, der Schwerpunkt liegt auf Berliner Arbeiten.

14.09.2012 15:09
Irmgard Berner
Besucher des Berlin Festivals gehen am Freitag (07.09.2012) in Berlin auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof im "Art Vilage" durch einen mit Luft gefüllten blauen Ring. Foto: dpa

Öl auf gefundener Malerei“, steht es in der ersten Koje der Berliner Satelliten-Messe Liste neben den Bildern der Kanadierin Nava Massas Waxman geschrieben. Man hält inne, will sich den Vogel genauer ansehen, der aus nebligen Pinselstrichen auftaucht und hexengleich auf einem Zweig reitet.

Doch ist es ratsam, den Treppenaufgang anzupeilen, denn der Blick von oben durch die alte Trafo-Halle ist ein Fang. Ungehindert kann er durch die kathedralenhafte Betonsäulenarchitektur über die Aussteller streifen. Er kann im Erdgeschoss über Kojen internationaler und Berliner Künstler, in der oberen Etage durch die Stände der Galerien und Projekträume zoomen. Berlin wird mit diesem kolossalen Industriezweckbau, dem ehemaligen Trafo in Mitte, seinem Ruf als coolem Kunststandort gerecht. Kann die Kunst dagegen ankommen? Oder strahlt die Aura des Ortes auf so manches weniger starke Stück sogar ab?

Schwerpunkt Berliner Kunstproduktion

Jedenfalls nutzen die Veranstalter die historische 7000-Quadratmeter-Fläche ausgiebig. Unter neuer Leitung wird hier von 124 Ausstellern aus 26 Ländern Kunst zum Kauf geboten, der Schwerpunkt liegt auf der Berliner Kunstproduktion. Verstärkt setzen die Liste-Macher auf Entdeckungen. Das ist nicht zu unterschätzen, können die Galerien das Kunstaufkommen mit offiziell 5000 fleißig produzierenden Künstlern vermarktungstechnisch nicht mehr bewältigen.

So ist auch das farbensprudelnde Riesengemälde „Colourado“ von Michael Luther mit 13 Metern Länge und über drei Metern Höhe nicht einfach auszustellen. Der Berliner Maler, 48, wird mit der Hängung seines Monumentalwerks von der Liste Jahr gefördert. Auf der abgerissenen Betonstruktur der Hallenstirnseite ist es gut eingepasst, wirkt fast schüchtern, zeigt aber seine hohe Qualität. Die ist bei der Menge oft nicht ganz frischer Flachware mitunter fraglich, dennoch zu finden. Aufgefallen sind feine Bleistiftzeichnungen von Köpfen und Körperfragmenten, gepaart mit plastischen Figurenteilen aus rotem Ton auf Tischen von MP & MP Rosado. Hinter den Kürzeln verbirgt sich ein spanisches Zwillingskünstlerpaar, 41, das seine doppelte Identität hinterfragt. Zu Recht wird auch dem ungarischen Künstler László Fehér, 60, hier viel Raum für seine großen runden Gemälde, zumeist schwarzer Grund mit Figuren aus weißen Linien, eingeräumt. Alltagskritisch sind seine Motive, für seine Heimat ist der Venedig-Biennaleteilnehmer zu progressiv und hierzulande wenig bekannt.

Viel realistische Malerei fächert sich durch die Kojen, mitunter Kitsch, wie bei der Galerie Böhner. Yumachi Gallery zeigt Drachenbilder des Chinesen Liu Zhong Hua, der sein Serienmotiv aus geknüllter Goldfolie bricht, indem er sie dekorativ auf rohe Leinwand neben chinesische Texte in lateinischer Schrift pinselt. Die Satellitenmesse Berliner Liste, zum neunten Mal dabei, zeigt sich weniger frech, als Marke aber gereift für die Aufnahme in den Kreis der Art Week-Messen.

Liste, MUMA-Kraftwerk (TRAFO)-Mitte. Bis 16.9. 12–18 Uhr.

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