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125. Geburtstag des Architekten Ernst May Experiment May-Siedlung

Mit Säcken wurde in Frankfurt-Praunheim ermittelt, wie viel Zimmerdecken tragen. Hier entstanden in der May-Siedlung in den Zwanzigern die ersten Reihenhäuser in Plattenbauweise. Ein neuaufgelegtes Buch gibt Infos zu dieser experimentierfreudigen Zeit.

27.07.2011 16:24
Von Laura Wagner
Nach vielen Experimenten unter Baudezernent Ernst May entworfen: Siedlung in Praunheim. Foto: Christoph Boeckheler

Stolz präsentieren Fred Illenberger und Hartmut Preßler vom Siedlerverein Praunheim das Ergebnis ihrer mühevollen Arbeit des vergangenen halben Jahres. Pünktlich zum 125. Geburtstag des Stadtrats und Baudezernenten Ernst May haben sie die Neuauflage ihres Buches über die May-Siedlung Praunheim vollendet.

Als sie an der Erstauflage arbeiteten, hätte das niemand für möglich gehalten. „Wir hatten Angst, darauf sitzen zu bleiben“, erinnert sich Preßler. Doch das Interesse an der ersten May-Siedlung in Frankfurt ist groß, das Buch war schnell vergriffen.

Neuauflage mit 1500 Exemplaren

Die Mitglieder des Vereins kramten in ihren Kellern und Dachböden und förderten einiges zutage. Etwa das Tagebuch des Wiederaufbaus des Hauses Pützerstraße 2 oder die Protokolle der Mitgliederversammlung des Siedlervereins von 1927 bis 1934, die ein Anwohner beim Aufräumen gefunden hat. „Es tauchten so viele neue Fakten und Bilder in den vergangenen zehn Jahren auf, da entschlossen wir uns, keinen Nachdruck, sondern eine Neuauflage von 1500 Exemplaren herauszubringen“, so Preßler. In dieser sind alle bisherigen Beiträge überarbeitet, aktualisiert und teilweise mit neuen Bildern versehen worden. Außerdem wurden 32 zusätzliche Seiten eingefügt, auf denen vorher unbekannte Einzelheiten vom Bau und über die Architektur der Siedlung beschrieben sind. „Wir haben erstaunliche Entdeckungen gemacht“, so Preßler und schlägt eine Seite auf, die ein eingestürztes Häuschen zeigt. Kein Unglück, sondern Dokumente von Versuchsreihen, die Ernst May vor dem Bau der Reihenhäuser durchführen ließ. „Die Plattenbauweise wurde hier erstmals erprobt“, so Preßler. Doch das Statikwissen war damals noch nicht so umfangreich. „Um herauszufinden, wie viel Last ein Haus trägt, haben die Architekten mit Sand und Kies gefüllte Säcke auf die Decken gelegt, bis sie einstürzten“, weiß Illenberger.

Nach dem ersten Weltkrieg herrschte in Frankfurt Wohnungsnot. Oberbürgermeister Ludwig Landmann berief Ernst May als Stadtbaurat, um sich des Problems anzunehmen. 996 Eigentumshäuser entstanden in drei Bauabschnitten zwischen 1926 und 1929. „Das besondere an der Siedlung ist ihr experimenteller Charakter, hier finden sich eine Vielzahl an Farben und Formen“, so Autor Dietrich Wilhelm Dreysse, der dafür plädiert, die gesamte Siedlung unter Denkmalschutz zu stellen. Bisher trifft das nur auf einzelne Teile zu. Mit den Häusern entstand auch der Siedlerverein, der heute rund 680 Mitglieder hat. Damals war er Ansprechpartner der Stadt, heute berät er die Bewohner.

Das Buch kostet 25 Euro und kann auf der Homepage des Siedlervereins unter www.siedlerverein.de bestellt werden.

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