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Bad Vilbel Wortschlachten im Gewölbekeller

Vier glänzende Darsteller liefern sich in der großartigen Inszenierung von „Der Gott des Gemetzels“ der Burgfestspiele Bad Vilbel ein bösartig-amüsantes Gefecht.

Der Gott des Gemetzels
Der Gott des Gemetzels von Jasmina Reza läuft in der Inszenierung von Ulrich Cyran bei den Burgfestspielen Bad Vilbel, im Bild: Susanne Buchenberger (als Véronique Houillé), Mathias Kopetzki (als Michel Houillé), Marianne Thies (als Annette Reille), Harald Schwaiger (als Alain Reille), (v.l.), Foto: Michael Schick

Mit der Komödie „Der Gott des Gemetzels“, die am Samstagabend im Burgkeller Premiere feierte, gehen die Burgfestspiele Bad Vilbel durchaus ein Risiko ein: Das 2008 uraufgeführte Stück der französischen Autorin Yasmina Reza gehört aktuell wohl zu den meistgespielten überhaupt, zudem gibt es seit 2011 eine prominent besetzte Verfilmung des Kammerspiels, potenzielle Zuschauer sind also verwöhnt.

Regisseur Ulrich Cyran hat sich auf das Wagnis eingelassen, ein so prominentes Stück zu inszenieren – und dieses Wagnis ist es auch dank der vier wirklich exzellenten Darsteller Susanne Buchenberger und Mathias Kopetzki als Ehepaar Veronique und Michel Houillé und Marianne Thies und Harald Schwaiger als Anette und Alain Reille absolut wert gewesen. Die vier geben alles – das sagt man so schnell, aber hier ist es ein wirklich hervorragend aufeinander abgestimmtes Ensemble.

Die Inszenierung in dem kleinen, intimen Burgkeller mit seinen nur knapp 80 Plätzen gewinnt eine gradezu sagenhafte Intimität in dem nüchternen Bühnenbild von Dorothea Mines, das doch voller witziger Einfälle steckt. Da hängt beispielsweise der Computerdrucker, auf dem die beiden Paare eine Vereinbarung festhalten an der Decke, und die Blätter flattern herab, oder die beiden metallenen Sitzgruppen bieten sich zum Liegen, Sitzen, Fläzen oder darauf Herumtanzen an.

Rezas flottes und auch nicht besonders langes Stück ist von brillanter Boshaftigkeit, Regisseur Cyran hat es sogar noch einmal auf rund 65 atemlose Minuten verdichtet, in denen gedroht und geschäkert, gewitzelt, getobt und geflucht wird – und auch das Telefon beziehungsweise Handy klingelt recht oft und störend.

Dabei ist die Ausgangssituation eigentlich recht banal. Zwei Ehepaare treffen sich nach einer Keilerei der beiden elfjährigen Söhne, ein Zahn ging zu Bruch, es geht nun um Schuld und Sühne. Man ist aus wohlhabenden Verhältnissen, und das ganze sollte sich ja unkompliziert lösen lassen.

Doch aus dem Wortgeplänkel wird handfester Streit, auch der Paare untereinander. Koalitionen bilden sich, brechen auf. Die Masken fallen. Man säuselt und schimpft, dass es für die Zuschauer eine (Schaden-)Freude ist, aber manchmal auch so schmerzhaft, dass es tief unter die Haut geht. Das hat man so oder ähnlich wahrscheinlich selbst schon beobachtet oder erlebt, die großen Ansprüche, der banale Alltag, die kleinen Sünden...

Cyran hat seinen Darstellern sehr unterschiedliche Gesten und Körperhaltungen verpasst und ihnen ein wildes, freies Spiel erlaubt. Hervorragend ist Mathias Kopetzki als Michel Houillé, dessen Wutausbruch fast schon Angst macht und für den er spontanen Szenenapplaus erhält.

So etwas kann man eben nur im Theater erleben, und im Burgkeller ist man den vier Akteuren manchmal beklemmend nah. Allein schon die Emotionen, die in einer stillen Umarmung des Ehepaars Reille sichtbar werden, sind tief beeindruckend – und natürlich wird auch diese intime Szene fast augenblicklich von einem klingelnden Telefon gestört.

Der Gott des Gemetzels von Yasmina Reza läuft im Burgkeller der Bad Vilbeler Wasserburg läuft am Freitag, 29. Juni und Samstag, 30. Juni, jeweils um 23 Uhr, am Sonntag, 1. Juli, um 15 und 21 Uhr, am Freitag, 20., und Samstag, 21. Juli, um 23 Uhr, am Sonntag, 22. Juli, um 21 Uhr, am Freitag, 27., und Samstag, 28. Juli, um 23 Uhr, am Sonntag, 29. Juli, um 15 Uhr, am Freitag, 17.und Samstag, 18. August, jeweils um 23 Uhr, am Sonntag, 19. August, um 21 Uhr, am Freitag, 24., und Samstag, 25. August, jeweils um 23 Uhr und letztmals am Sonntag, 26. August, um 15 Uhr.  Karten gibt es unter Tel. 069 /13 40 400 oder im Kartenbüro Bad Vilbel, Klaus-Havenstein-Weg 1, Tel. 0 61 01/55 94 55, tickets@bad-vilbel.de sowie in allen bekannten Vorverkaufsstellen. Sie kosten 18 bis 25 Euro, im Vorverkauf 22 bis 15 Euro.

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