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Wahlprognosen Mierscheids Gesetz gilt

Die Formel klingt absonderlich, bringt aber präzisere Ergebnisse hervor: Um gut elf Zähler sackte die Herstellung von Rohstahl im Krisenjahr 2009 ab. Elf Punkte Verlust - so erging es auch der SPD bei der Bundestagswahl. Von Pitt von Bebenburg

Foto: FR-Infografik

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Jakob Maria Mierscheid lag schon wieder richtig. Wie sein Büro jetzt in Berlin bekanntgab, hat sich bei der Bundestagswahl 2009 sein legendäres Mierscheid-Gesetz erneut bewahrheitet, das absonderlich klingt, aber präzisere Ergebnisse hervorbringt als viele andere demoskopische Modelle. Es lautet: "Der Stimmenanteil der SPD bei Bundestagswahlen richtet sich nach dem Index der deutschen Rohstahlproduktion in den alten Ländern, gemessen in Millionen Tonnen."

Wie schon bei sämtlichen Bundestagswahlen seit 1961 kam das Mierscheid-Gesetz auch 2009 der Wirklichkeit sehr nahe. Das lässt sich jetzt feststellen, weil die Statistiker inzwischen die Rohstahlproduktion für das Gesamtjahr ausgewertet haben.

Um gut elf Zähler sackte die Herstellung von Rohstahl im Krisenjahr 2009 ab, von 38,4 auf 27,6 Millionen Tonnen in den alten Bundesländern. Elf Punkte Verlust - genau so erging es auch der SPD bei der Bundestagswahl. Sie rutschte von 34,2 Prozent (2005) auf 23,0 Prozent (2009) ab. Das ist der mit Abstand niedrigste Wert der Rohstahlproduktion im Westen der Republik seit Jahrzehnten - und die bei weitem geringste Zustimmung für die SPD bundesweit.

Noch exakter war die Vorhersage im Jahr 2002. Damals gaben 38,5 Prozent der Deutschen ihre Stimme an die SPD, während 38,6 Millionen Tonnen Rohstahl im Westen hergestellt wurden.

Mierscheid leitet aus den neuesten Zahlen Hoffnung für seine Sozialdemokraten ab. "Die Rohstahlproduktion steigt seit der zweiten Jahreshälfte 2009 wieder deutlich an", ließ der Schneider aus dem Hunsrück die Welt wissen.

Jakob Maria Mierscheid wird seit 1979 als Abgeordneter geführt. Seine Biografie steht auf der Bundestags-Homepage, nur bei Debatten wird er nie gesehen. Vielleicht liegt es daran, dass er eine fiktive Figur ist, die vor Jahrzehnten den vom Kölsch benebelten Köpfen damaliger SPD-Abgeordneter entsprungen sein soll. Umso bemerkenswerter ist, dass sich sein Mierscheid-Gesetz erneut bestätigt.

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