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Vergütungen Was Gewerkschafts-Chefs verdienen

Die Gehälter der Gewerkschafts-Bosse werden inzwischen offengelegt. Mitglieder des DGB führen ihre Aufsichtsrats-Vergütungen zum Großteil an die Hans-Böckler-Stiftung ab. Von Eva Roth

Bsirske ruft mit Flug auf Lufthansa-Kosten Ruecktrittsforderungen hervor
Verdi-Chef Frank Bsirske verdient derzeit 175.500 Euro im Jahr. (Archivbild) Foto: ddp

Die Chefs der großen Gewerkschaften verraten inzwischen, was sie in ihrem Hauptberuf verdienen. Bei ihren Nebeneinkünften ist ihre Informationsfreude unterschiedlich. Klar ist eins: Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat müssen einen Großteil ihrer Tantiemen an die gemeinnützige Hans-Böckler-Stiftung abführen. Dies gilt für jeden, der Mitglied einer DGB-Gewerkschaft ist.

Für ein einfaches Aufsichtsratsmitglied hat der DGB folgende Regel beschlossen: Erhält er im Jahr 3500 Euro, darf er den Großteil behalten, nämlich 3150 Euro. Ist die Vergütung höher, muss er 90 Prozent davon an die Böckler-Stiftung überweisen.

Die Einzelgewerkschaften kontrollieren, ob ihre Aufsichtsräte dies auch tun. Die IG Metall veröffentlicht zum Beispiel jedes Jahr eine Liste der Tantiemensünder. Wer danach immer noch mogelt, wird auch schon mal verklagt. Das geht, weil die Mitglieder bei ihrer Kandidatur die Abführungsregelung unterschreiben müssen.

Rund 95 Prozent der IG-Metaller sind ehrlich, bei Verdi sind es nur 77 Prozent. Dort ist alles noch nicht so recht eingespielt, weil Verdi 2001 aus der Fusion von fünf Gewerkschaften entstand.

Bsirske zahlt Aufsichtsratgehälter an die Böckler-Stiftung

Sein Gehalt hat Verdi-Chef Frank Bsirske schon vor langer Zeit offengelegt: Er verdient zurzeit 175.500 Euro im Jahr. Auch Bsirskes Vergütungen als Aufsichtsrat bei der Lufthansa und RWE legt ein Sprecher offen: Insgesamt zahlen die Konzerne demnach 427.000 Euro im Jahr. Der Großteil davon gehe an die Böckler-Stiftung, 50.900 Euro behalte der Verdi-Chef. Die Tantiemen für sein drittes Aufsichtsrats-Mandat bei IBM führe er komplett ab.

IG-Metall-Boss Berthold Huber hat als Chef der größten Gewerkschaft mit 218.000 Euro ein höhere Jahresgehalt. Als Siemens-Aufsichtsrat verdiene er 133.000 Euro, verriet er kürzlich, davon bleiben ihm etwa 16.000 Euro. Was er als Audi-Aufsichtsrat erhält, konnte ein Sprecher zunächst nicht sagen. Hubertus Schmoldt, Chef der drittgrößten Gewerkschaft IG BCE, bekommt 128.000 Euro im Jahr. Über Vergütungen und Vergünstigungen als Aufsichtsrat bei Bayer, Eon, BP, RAG und Dow Chemical sagte sein Sprecher nichts.

IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel hat nach langem Schweigen jetzt sein Gehalt verraten. Es seien rund 127.500 Euro im Jahr, sagt sein Sprecher. Wiesehügel ist Aufsichtsrat bei Hochtief, dort erhielt er nach Konzernangaben im vorigen Jahr 118.000 Euro. Den Großteil führe er an die Böckler-Stiftung ab, zusätzlich zahle er zwölf Prozent an IG-Bau-Stiftungen.

Und nutzen die Gewerkschaftschefs irgendwelche Vergünstigungen, die ihnen als Aufsichtsrat zustehen? Nein, heißt es bei IG Metall und IG Bau. Ein Verdi-Sprecher sagte, ihm sei außer den Lufthansa-Freiflügen nichts bekannt. Und die Kosten für den umstrittenen Urlaubstrip will Bsirske ja jetzt doch selbst zahlen.

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