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SED-Gedenkmedaille Muster ohne Wertung

Eine Medaille zur DDR-Gründung gab es schon. Jetzt zieht die Deutsche Post eine Gedenkmedaille zur Erinnerung an die SED-Gründung vor 60 Jahren zurück. Unter anderem die SPD Sachsen beschwerte sich.

Die Deutsche Post zieht eine Gedenkmedaille zur Erinnerung an die SED-Gründung vor 60 Jahren zurück, die Porträts von Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck (Bild: Briefmarke der DDR), Vertreter der damals vereinten Parteien SPD und KPD, zeigen sollte. Foto: wp/gemeinfrei

Die Berliner Luftbrücke. Der Marshall-Plan. Die Unterzeichnung des Grundgesetzes. Und die Gründung der SED: lauter Anlässe zum Feiern - oder? Die Sammlerabteilung der Deutschen Post, die Post Collection, vertreibt Gedenkmedaillen. Die jüngste Silberprägung im Abonnement "60 Deutsche Jahre" erinnert an die Gründung der Sozialistischen Einheitspartei.

Der 22. April 1946 stehe für "Neubeginn und Parteien-Einheit", heißt es im Begleitschreiben zur Medaille mit den Porträts Otto Grotewohls und Wilhelm Piecks, Vertreter der damals vereinten Parteien SPD und KPD. Immerhin räumt das Anschreiben ein, es habe 1946 "keine Chancengleichheit" bestanden. (DDR-Briefmarken zum Thema waren einst natürlich ohne solche Hinweise ausgeliefert worden.)

Es war die Militäradministration der sowjetischen Besatzungszone, die damals auf Befehl Stalins die Fusion erzwang. Zuvor war es der Gruppe um Walter Ulbricht, aus Moskau zwecks Aufbau der ostdeutschen Verwaltung in die Zone geschickt, nicht hinreichend gelungen, die Kommunen kommunistisch zu unterwandern ("es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben"). Deshalb erzwangen die Sowjets durch Druck, Bestechung und Täuschung die Fusion. Widerständige in der SPD wurden als "Reaktionäre" oder "Sozialfaschisten" beschimpft.

Unter anderem die SPD Sachsen beschwerte sich bei der Deutschen Post, die das Angebot nun zurückzog. "Wir wollten mit der Reihe an historische Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern", sagt Sprecher Uwe Bensien, "ohne Wertung". Weil aber Münzen und Medaillen meistens Ereignisse und Personen feiern, "fragt sich, ob die Themenauswahl so sensibel war". In diesem Licht wolle man sich nun auch das künftige Programm der Reihe anschauen.

Was Post Collection noch so in petto hat, verrät Bensien nicht. Es lassen sich etliche Momente vorstellen, an die polierte Platten erinnern könnten: die Niederschlagung der Konterrevolution in der CSSR durch die Bruderarmeen des Warschauer Pakts. Oder die Einrichtung des Ministeriums für Staatssicherheit, Schwert und Schild der Partei. Eine Medaille zur DDR-Gründung gab's schon.

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