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Russland Noch ein Zar im Angebot

Das Zarenhaus will nach Russland zurückkehren: Die Romanows, seit 1917 im Exil, möchten wieder eine gesellschaftliche Rolle in ihrer alten Heimat spielen. Von Stefan Scholl

Die undatierte Archivaufnahme zeigt den letzten russischen Zaren aus der Romanow-Dynastie, Nikolaus II. (geboren 1868), der gemeinsam mit seiner Familie in der Nacht zum 17.7.1918 von Bolschewiken ermordet worden ist. Foto: dpa

Moskau. Das Zarenhaus will nach Russland zurückkehren. Wie die Zeitung Kommersant meldete, möchten die Romanows dort ihre Dynastie als "gesellschaftliches Institut" gesetzlich verankern. Alexander Sakatow, Kanzleileiter der Familie, sagte, man versuche damit keineswegs, die russische Verfassungsordnung zu ändern. Auch wollten die Nachfahren des letzten russischen Imperators Alexander II. ihren Wohnsitz nicht unbedingt in die Heimat zurückverlegen. "Das Zarenhaus befindet sich seit 1917 im Exil", erklärte der Anwalt der Familie, German Lukjanow, dem Kommersant. "Aber wenn man seine einzigartige historische und kulturelle Rolle betrachtet, könnte seine Teilnahme am Leben der russischen Gesellschaft größer sein." Man wolle eine ähnliche Rolle wie die Orthodoxe Kirche spielen.

Die Familie Romanow beherrschte Russland von 1613 bis 1917. Dann wurde Nikolaj II. gestürzt und 1918 zusammen mit seiner Frau und seinen fünf Kindern von bolschewistischen Revolutionären erschossen. Als amtierende Thronerbin gilt die Großfürstin Maria Wladimirowna Romanowa, 55. Sie lebt in Madrid, besucht Russland aber regelmäßig. Und ihr Sohn Georgij, der in Brüssel wohnt, arbeitet als Berater des sibirischen Konzerns Norilskij Nikel.

Duma-Abgeordnete der Kremlpartei "Einiges Russland" und der kommunistischen Opposition äußerten Unverständnis. "Die Romanows werden es bestenfalls zu einem Sitz im Gesellschaftsrat bringen", sagt auch der liberale Historiker Maxim Nowikow der FR. "Mit Putin haben wir schon einen Monarchen. Wozu brauchen wir einen zweiten?"

Zwar war Nikolaj 2002 von der Russisch-Orthodoxen Kirche als Märtyrer selig gesprochen wurde. Und bei der Staatsfernsehshow "Russlands Name", 2008 die größte historische Persönlichkeit des Landes ermittelte, überflügelte er in der Zuschauergunst zwischenzeitlich den führenden Stalin. Aber dann gewann der mittelalterliche Kriegsheld Alexander Newskij, der Schutzheilige des Staatssicherheitsdienstes FSB. Sein heftigster Fürsprecher war der heutige Patriarch Kirill. Sowohl was geistige wie weltliche Führung angeht, scheint für die Romanows in Russland kaum noch Platz zu sein.

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