Lade Inhalte...

Hall of Fame Die Superhasen

In der Literatur, in Comics und Filmen zeigen Hasen und Kaninchen seit jeher, dass sie sehr viel mehr können, als nur im Heu rumsitzen und Löwenzahn mümmeln. Eine kleine "Hall of Fame" zu Ostern. Von Angela Breitkopf

11.04.2009 08:04
Angela Breitkopf
Bugs Bunny

Bugs Bunny

"Wer eine schöne Stunde verschenkt, weil er an Ärger von gestern denkt oder an Sorgen von morgen, der tut mir leid. Mein Name ist Hase, ich weiß Bescheid." So souverän eröffnet der Warner-Bros.-Hase seit fast 70 Jahren "die große, bunte Bunny-Schau" mit Zeichentrick-Kollegen wie Daffy Duck, dem Roadrunner, Tweety und Sylvester.

Im Cartoon klebt an seinen Fersen meist Jäger Elmer Fudd, der versucht, das fixe graue Langohr beim Möhrenklau zu erwischen. Natürlich stets erfolglos. Und wenn Elmer ganz viel Pech hat, schlägt Bugs Bunny zurück - mit feuchten Schlabberküssen.

Peter Rabbit

In der deutschen Übersetzung trägt er den Nachnamen "Hase", doch eigentlich ist Peter ein Kaninchen - ein vorwitziger kleiner Rammler mit blauem Jäckchen, rosa Schuhen und einem Haufen Geschwister.

Seine Schöpferin Beatrix Potter erzählte Peters Abenteuer ursprünglich dem fünfjährigen Sohn ihrer Gouvernante am Krankenbett. 1901 ließ sie 250 Mini-Bände mit selbst gezeichneten Peter-Rabbit-Geschichten auf eigene Kosten drucken - ursprünglich zum Verschenken. Doch daraus wurde der erste große Kinderbuchbestseller des 20. Jahrhunderts, fast vergleichbar mit einem anderen Potter-Phänomen hundert Jahre später.

Roger Rabbit

Der Held des oscarprämierten Films "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" von 1988, einer Mischung aus Real- und Trickfilm, lebt als "Toon" - also als Zeichentrickfigur - in einer Welt, in der Menschen und gezeichnete Wesen mehr oder weniger friedlich koexistieren.

Roger ist ein spindeldürrer Hektiker, hat nur einen Hasenzahn und trägt Latzhosen in Übergröße. Deshalb erstaunt es umso mehr, dass ausgerechnet Roger die Toon-Sexbombe Jessica (ein gezeichneter Männertraum irgendwo zwischen Rita Hayworth und der Monroe) heiraten durfte. Doch als er unter Mordverdacht gerät, fragt sich auch Jessica irgendwann: Ist Roger ein falscher Hase?

Fiver, Hazel & die Sippe "Unten am Fluß"

Der Roman "Unten am Fluss" (engl. "Watership Down") von Richard Adams aus dem Jahr 1972 wurde bis dato über 50 Millionen Mal gedruckt. Bemerkenswert an dieser Hasen-Saga ist, dass Adams seine Hauptfiguren nur sehr wenig vermenschlicht und ihnen ihr tierhaft-instinktives Wesen lässt.

Wie viele Abenteuerromane handelt auch "Unten am Fluss" von einer schicksalhaften Reise: Als der junge Rammler Fiver eine verstörende Zukunftsvision von der Zerstörung des gemeinsamen Kaninchenbaus hat, überredet er seinen Bruder Hazel und einige weitere Sippenmitglieder, mit ihm zu fliehen und eine neue Heimat zu suchen.

Playboy-Bunny

Ein "Playboy-Bunny" ist kein Tier, sondern das Logo des Männermagazins "Playboy" und die Bezeichnung für jene jungen, möglichst vollbusigen Blondinen, die von Anfang der 1960er bis Mitte der 1980er Jahre in den "Playboy-Clubs" des Magazinherausgebers und Clubchefs Hugh Hefner kellnerten.

Das Bunny-Dress bestand aus einem Käppi mit Hasenohren, einem Stummelschwänzchen aus Plüsch, einer Fliege, Manschetten für die Handgelenke und sonst nicht viel mehr. Warum es mit den Clubs irgendwann bergab ging und der letzte 1988 dichtmachte? Vielleicht fragt einer mal die Belegschaft.

Jochen Gummibär

Jochen Gummibär ist das kleinste, aber auch das mutigste aller Hasenkinder in den Geschichten des berühmten Kinderbuchautors Janosch, der eigentlich Horst Eckert heißt und seit 25 Jahren auf Teneriffa lebt.

Anders als seine Geschwister "Bobbo, Bubbi, Babba und Bibbelchen" hört Jochen Gummibär nicht auf die hasenherzigen Ratschläge seines Vaters, sondern "geht auf Abenteuer aus", foppt Jäger und Fuchs, kämpft "mit blanken Fäusten" gegen gewaltige Hirschkäfer und wird auf diese Weise glücklich alt und grau, ohne dass ihn je einer erwischt.

Klopfer

Klopfer ist ein graues Kaninchenkind und der beste Freund von Junghirsch "Bambi" in Walt Disneys berühmtem Film von 1942. Klopfer hat disneytypische Kulleraugen, Mümmelbacken und kann derart herzerweichend seine Lauscher anlegen, dass er Bambi in vielen Szenen die Show stiehlt. Den Namen trägt er wegen seiner Angewohnheit, mit dem Hinterlauf auf den Boden zu trommeln.

Klopfer wurde im Film von dem damals vierjährigen Peter Behn gesprochen. Als dieser in einer Szene seinen Text vergaß, murmelte er stattdessen "Wenn man nichts Nettes zu sagen hat…dann soll man gar nichts sagen." Das gefiel den Machern so gut, dass dieser Satz eine Extra-Szene bekam. In dem Film "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" (1988) heißt es, Klopfer sei Roger Rabbits Onkel.

Die Harakiri-Häschen

Sie sind klein, weiß und flauschig - und sie haben die Nase voll vom Leben. Sie wollen Schluss machen, für immer, und dafür tun sie einiges. Die "Suicide Bunnies" des Drehbuchautors und Cartoonisten Andy Riley, auf Deutsch "Harakiri-Häschen", scheuen weder Kosten noch Mühen, um sich selbst auf möglichst phantasievolle Weise das Lebenslicht auszublasen.

Das Ergebnis: Ein Haufen sehr toter Hasen, bereits mehrere Comicbände und Suicide-Bunny-Kalender und eine stetig wachsende Fangemeinde auf der ganzen Welt. Tiefschwarzer Humor für Kenner.

Hase (und Igel)

"Ein vornehmer Herr und grausam hochfahrend noch dazu", so gibt sich der Buxtehuder Hase, der sich in dem Grimmschen Märchen "Hase und Igel" von 1843 auf einen verhängnisvollen Wettlauf mit dem Igel einlässt. Dieser hat zwar krumme Beine, aber Grips - und eine Frau, die ihm zum Verwechseln ähnlich sieht.

Durch norddeutsche Ackerfurchen geht das Rennen, und 73 Mal sieht der abgehetzte Hase am Ende der Furche einen Igel stehen, der ihn anlacht und sagt: "Ick bün all hier!". Bei der 74sten Runde fällt der Hase tot um. Der Satz und das Rennen vom Hasen und Igel wurden sprichwörtlich und werden seitdem gerne in Politik, Wirtschaft und Sport zitiert.

Der "lustische Glückshase"

Als "lustischer Glückshase" wird Peter Schlönzke vom Pausenclown zum Favoriten der Unterhaltungsshow "Witzischkeit kennt keine Grenzen" - und mit dem Wutausbruch des plötzlich gar nicht mehr lustigen Plüschhasen schafft Hape Kerkeling in seiner Fernsehsatire "Kein Pardon" (1993) einen Comedyklassiker.

Wie Kerkeling verschwitzt, entnervt und wahrhaft (plüsch)-kopflos seinen kongenialen Sketchpartner Heinz Schenk anschreit und der irritiert zurückhesselt "Ja, wo is denn des Briiefsche?" - das ist urkomisch und große Kunst.

Der Kleinohrhase

Wenn er keine Ohren hat, ist er kein Hase? Quatsch, wissen Ludo und Anna in der romantischen Komödie "Keinohrhasen" mit Til Schweiger, in der ein Hallodri beim Sozialdienst im Kinderhort die wahre Liebe findet. Der sogenannte "Keinohrhase" braucht nämlich gar keine Ohren, er hört durch die Nase.

Offen bleibt in dieser Schlüsselszene des Films allerdings, ob das von Schweiger mit so viel Mühe zusammengebastelte Häschen auch durch die Nase sieht - denn neben den fehlenden Lauschern schielt das Stofftier ganz furchtbar.

Herr Hase

"Herr Hase" (im französischen Original schlicht "Lapinot") ist ein netter junger Hasenmann und der anthropomorphe Held einer Comicserie des Zeichners Lewis Trondheim. "Die haarsträubenden Abenteuer des Herrn Hase", so der vollständige Titel, erscheinen seit 1992 und Herr Hase wird dabei von einer Riege liebenswert schräger Freunde begleitet:

Da ist zuerst sein Kumpel Richard Kater, ein feliner Tunichtgut, den man entweder hasst oder liebt, dann Thierry "Titi" Bäcker, ein Hund und großer Womanizer, der Computerfreak Felix Gimpel und natürlich Hases Freundin Nadia Cassayrane, eine Maus.

Das weiße Kaninchen

Ein "weißes Kaninchen mit roten Augen" lockt die neugierige Alice dort unbeabsichtigt ins Wunderland, als es vorbeihastet und mit Blick auf seine Taschenuhr murmelt "Ojemine! Ich komme bestimmt zu spät!" Carrolls Märchen wurde seither dutzende Male verfilmt und inspiriert bis heute Künstler und Wissenschaftler:

So kennt die Medizin das "Alice-im-Wunderland-Syndrom", das daran Erkrankte wähnen lässt, sie seien sehr viel kleiner oder größer als ihre Umwelt, Rocksongs wie "White Rabbit" von Jefferson Airplane spielen mit den surrealen Elementen der Geschichte - und auch Neo, die Hauptfigur des Kultfilms "Matrix", hört den Ruf: "Folge dem weißen Kaninchen ..."

Hasenhans & Hasengretchen

Was "Peter Rabbit " für den angelsächsischen Raum, ist "Die Häschenschule" für Deutschland. 1924 erschien das Bilderbuch zum ersten Mal - die Verse dazu schrieb der Realschullehrer Albert Sixtus in einer einzigen Nacht, die Illustrationen stammen von Fritz Koch-Gotha. Seitdem wurde "Die Häschenschule" immer wieder neu aufgelegt.

Die Handlung ist schlicht, begeistert aber bis heute Kinder jeden Alters: Hasenhans und Hasengretchen erleben ihren ersten Schultag und lernen dort alles, was angehende Osterhasen können müssen: Hakenschlagen, den Fuchs fürchten, Tiergeschichte, Pflanzenkunde, Musik, Gärtnern und Eier bemalen.

Das Witz-Häschen

"Hattu Möhrchen?" lautet meistens die Einstiegsfrage des Häschens in unzähligen Häschen-Witzen, die vor allem in den 1970er/1980er Jahren auf Schulhöfen und in Kantinen kursierten. Dabei steht der nervige Nager meist in einem von Menschen betriebenen Geschäft, zum Beispiel einer Apotheke oder Bäckerei.

Nach der Einstiegsfrage und der (meist abschlägigen, manchmal auch schlagkräftigen) Antwort des Geschäftsinhabers folgt, wenn der Zuhörer Glück hat, die Pointe auf der Basis eines Wortspiels. Es geht aber auch ohne.

Das Killerkaninchen von Caerbannog

König Arthur und seine Tafelritter in Monty Pythons "Ritter der Kokosnuss" (1974) sind ratlos: Wie sollen sie bei ihrer Gralssuche nur an dem blutrünstigen "Killerkaninchen von Caerbannog" vorbeikommen? Dem "bösartigsten und jähzornigsten Nagetier, das euch je unter die Augen gekommen ist"? Ritter Bors zückt sein Schwert und versucht sein Glück.

Da hopst ihm das nur faustgroße weiße Karnickel jäh an die Kehle - und Bors fällt kopflos zu Boden. Ein weiterer Großangriff aller Ritter endet in einem Blutbad und bleibt ebenso ohne Erfolg. Erst "die heilige Handgranate von Antiochia" bringt Rettung und macht dem monströsen Mümmler den Garaus.

"Kaninchen"

Das Kaninchen in A. A. Milnes "Pu der Bär" ist, anders als die meisten anderen Figuren des Kinderbuches, kein beseeltes Stofftier des kleinen Christopher Robin, sondern ein echtes Wildkaninchen.

Kaninchen ist ein Macher-Typ. Es geht das Leben pragmatisch an und ist stets sehr beschäftigt, weshalb es manchmal ein wenig streng und selbstgerecht wirkt - doch wenn es darauf ankommt, zeigt Kaninchen, dass unter seiner rauen Schale ein butterweicher Kern steckt.

Mein Freund Harvey

Ein weißes Riesenkaninchen als Theaterstar ? Das geht auch! Am 1. November 1944 am New Yorker Broadway uraufgeführt, wird "Mein Freund Harvey", die Komödie rund um einen imaginären Zwei-Meter-Hasen, prompt zum Dauerbrenner auf amerikanischen Theaterbühnen.

Spätestens durch die Verfilmung im Jahr 1950 mit James Stewart in der Hauptrolle des bezaubernd schrulligen Elwood P. Down erlangt "Harvey" dann auch internationale Berühmtheit.

Hase Cäsar

Ganze Kindergenerationen haben mit dem "Hasen Cäsar" die hart verhandelte Nachmittagsstunde vor dem Fernseher verbracht. Das moderierende Schlappohr mit den abgeknickten Nagezähnen, das immer so aussah, als hätte man es in der Requisite schnell aus einem alten Frotteehandtuch zusammengenäht, führte ab 1964 über zwanzig Jahre lang durch diverse Kindersendungen der ARD.

Meistens dabei: Co-Moderator Arno Görke, der geduldig die altklugen Sprüche Cäsars ertrug und auch dessen keckes "Biddeschööön!" vor jedem neuen Einspieler. Soviel Bildschirmpräsenz zahlt sich aus: Seit 1972 trägt der alte TV-Hase einen Ehrendoktortitel - es heißt jetzt, bitteschön, also "Dr. h. c. Cäsar".

Victor von Hase

Dieser Hase ist gar kein Hase, sondern ein Mensch. Und doch stammt von ihm einer der bekanntesten deutschen Sprüche in Sachen "Hase". Und so hat es sich anno 1855 zugetragen:

Der Heidelberger Jurastudent Victor von Hase wurde vor Gericht geladen, weil man ihn verdächtigte, einem Kommilitonen zur Flucht nach Frankreich verholfen zu haben, der einen anderen Studenten im Duell getötet hatte. Dazu vor Gericht befragt, antwortete Victor von Hase nur: "Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts." Der Satz machte bald die Runde durch die Universitäten und wurde so zur Redensart.

Halloween-Hase "Frank"

Kalifornien, 1988: Auf den ersten Blick ist "Donnie Darko", der Held des gleichnamigen Kultfilms, ein ganz normaler Teenager. Aber Donnie hat seelische Probleme, er schlafwandelt und ist in Therapie. Eines Nachts erscheint ihm ein Wesen mit silbern schimmernder Hasenmaske, das sich "Frank" nennt und ihm das Ende der Welt voraussagt, in knapp 26 Tagen.

Diesen Frank kann niemand außer Donnie sehen und er belässt es nicht bei düsteren Prophezeiungen, sondern überredet Donnie auch zu immer heikleren Aktionen. Wer ist Frank - ein Weltenretter? Das Böse in Hasenform? Oder doch nur ein Hirngespinst Donnies? Klar und eindeutig: Frank ist der unheimlichste "Superhase" von allen.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen