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Frankfurt Der miese Stadionsound

Die Commerzbank-Arena hat nach der kurzfristigen Absage des Eintrachtspiels Freitagabend ein sportliches Problem. Aber auch als Ort des Musik-Events steht sie am Pranger. Von Jutta Ochs

12.09.2008 00:09
JUTTA OCHS

Bis zu 200 Euro hatten ganz normale Fans ausgegeben, um Madonna im Frankfurter WM-Stadion auf "Sticky & Sweet"-Tour zu sehen. Übersetzt heißt das süß, klebrig-schwül; "schlechter Sound" möchte Konzertbesucher Jonas K. noch dranhängen. Er gehört zu den Besuchern unter den mehr als 40.000, die sich massiv über den "unterirdisch schlechten" Klang am Konzertabend (9. September) beschwert haben.

Die Liste der Beschwerdeführer ist lang: "Schepperndes Hallen", "Tonbrei", lauten die häufigsten Kommentare zur Soundqualität. Jonas K. war auf einem Stehplatz, "ziemlich hinten". Klaus S., ein weiterer ärgerlicher Besucher, hatte auf der Osttribüne Platz genommen und spricht von miserabler Akustik, jeder einzelne Ton sei mindestens drei Mal zu hören gewesen. Es gibt aber auch andere Stimmen, darunter Michael F., der auf der Gegentribüne, 30, saß und findet, dass "der Sound top war". Er ist nicht alleine. Die Beschwerden über das Eintracht-Stadion aber wiederholen sich in schöner Regelmäßigkeit. Nach dem Bon Jovi-Konzert hagelte es Proteste. Jon Bon Jovi soll sogar selbst geäußert haben: "This building sounds like shit!"

Nach ihm kam Celine Dion, die äußerte sich nicht so drastisch, dafür aber einige Besucher ihres Konzerts. In allen Fällen war das Dach der Arena geschlossen und nach Ansicht von Experten ist dies der entscheidende Grund für die mangelhafte Klangqualität.

Holger Schader ist der Audioexperte des Konzertdienstleisters "Sirius" für Schall und Licht, hat selbst als Tonmeister in Hallen und Arenen gearbeitet, und erklärt die Mängel so: Zuhörer, die in den Zonen des "Direktschalls" säßen, seien mit der Akustik zufrieden. Das Dach aber reflektiere mächtig den Schall. In bestimmten Zonen hämmere der Direktschall und der reflektierte Schall auf die Zuhörer ein. Das führe dann zu dem Empfinden "Klangbrei" und der "Wiederholung" der Töne.

Schader sagt, dass dies ein "Grundproblem" in solchen Arenen mit "Cabriodach" seien. Nur mit einem "unglaublichen technischen Aufwand" seien diese Reflexionen auszusteuern. Auf einer Tour könne man diesen Aufwand unmöglich betreiben. Schader gibt die Meinung vieler aus der Branche wieder: Die so genannten Multifunktions-Arenen seien in den allermeisten Fällen "für den Fußball richtig gut", nicht aber für Konzertbedürfnisse.

Der erfahrene Frankfurter Konzertveranstalter Marek Lieberberg verteidigt die Eintracht-Arena dagegen mit ganzer Kraft. Sie sei, was die Akustik betrifft, "deutlich besser als viele andere in Deutschland". Bei ihm seien nur "begeisterte Reaktionen" auf das Madonna-Konzert eingegangen. Lieberberg hält es für möglich, dass der akustische "Ausdruck", den Madonna für ihr Live-Konzert gewählt habe, dem ein oder anderen nicht gefallen habe. Der sei etwas abgewichen von den Versionen auf CD und im Internet. Und grundsätzlich gebe es bei solchen Großveranstaltungen immer ein paar unzufriedene Zuhörer, sagt Marek Lieberberg.

Ähnlich äußerten sich die Betreiber der Arena zur Kritik am Klang. Das Dach sei "auf Wunsch der Produktion geschlossen gewesen", sagt Geschäftsführer Patrik Meyer. Er war an "mehreren Orten im Stadion während des Konzerts" und kann die Kritik "nicht verstehen. Da war alles normal". Madonna-Konzertbesucher Klaus S. hält es aber nicht für normal, dass er "raten musste, welchen Song Madonna gerade singt."

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