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Elite-Internat Birklehof Vorwürfe gegen ehemaligen Schularzt

Der Missbrauchsskandal zieht immer weitere Kreise. Auch am Elite-Internat Birklehof geht man nun Hinweisen nach. Der ehemalige Schularzt soll sich an Kindern vergriffen haben. Von Jörg Schindler

09.04.2010 20:04
Jörg Schindler
Der Eingang zum Lesesaal des Internats Birklehof. Foto: Theodor Barth/laif

Mitte März, als die Meldungen aus der Odenwaldschule sich überschlugen, beschloss die Leitung des Birklehofs, in die Offensive zu gehen. Ohne konkrete Hinweise auf Verfehlungen früherer Mitarbeiter zu haben, setzte das Elite-Internat im Schwarzwald einen Brief an alle aktuellen und früheren Schüler auf. Zugleich engagierte die Schule eine Freiburger Anwältin - für alle Fälle. Es war, wie sich nun herausstellt, eine weise Entscheidung. Denn auch im idyllischen Birklehof gibt es Hinweise auf sexuellen Missbrauch von Schülern. Nach der Odenwaldschule und Schloss Salem gerät damit die nächste Vorzeige-Einrichtung der Reformpädagogik in Erklärungszwang.

Bereits vor Ostern, so Schulleiter Christof Laumont, sei er das erste Mal darüber informiert worden, dass ein örtlicher Allgemeinmediziner des sexuellen Missbrauchs von Birklehof-Schülern bezichtigt werde. Dieser Arzt war über mehrere Jahrzehnte regelmäßig an der Schule, er hielt in der dortigen Krankenstation ein- bis zweimal die Woche eine Sprechstunde ab. Der Fall, von dem er gehört habe, liege "schon Jahrzehnte zurück", so Laumont. Nach FR-Informationen soll es jedoch auch noch Ende der 90er Jahre sexuelle Übergriffe gegeben haben.

Die Staatsanwaltschaft prüft

Ein Altschüler bezeugt, dass 1996 in der Schülervertretung des Birklehofs offen über den Allgemeinmediziner gesprochen worden sei. "Dass der Mädchen und Jungen angetatscht hat, war bekannt", so der Ehemalige. "Wer davon wusste, hat versucht, Arztbesuche zu meiden." Die Krankenstation sei von der Frau des damaligen Schulleiters betreut worden. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr nichts zu Ohren gekommen ist." Der beschuldigte Mediziner zeigte sich am Freitag völlig überrascht von den Vorwürfen. Der FR sagte er: "Ich weiß überhaupt nicht, um was es da gehen soll." Die Staatsanwaltschaft Freiburg prüft aktuell, ob es strafrechtlich noch nicht verjährte Vorfälle gab.

Darüber hinaus erhielten die Ermittler Hinweise von Altschülern, die Lehrkräfte der schweren körperlichen Misshandlung bezichtigen. Dem Südwestrundfunk liegt nach eigenen Angaben die eidesstattliche Versicherung eines Birklehof-Abgängers vor, der seinen Ex-Englischlehrer bezichtigt, Schüler so brutal geschlagen zu haben, dass sie bluteten und ihre Gesichter anschwollen. Auf entsprechende Meldungen hätten die Verantwortlichen der Schule seinerzeit nicht reagiert. Der beschuldigte Lehrer bestreitet die Vorwürfe.

In ihrem Bemühen um Aufklärung ist die Birklehof-Leitung zudem auf Fälle aus den 50er Jahren gestoßen. In den drei Fällen sollen sich Lehrer einem Schüler, einer Schülerin und einer jungen Hauswirtschafts-Mitarbeiterin "angenähert" haben. Alle drei Pädagogen seien daraufhin entlassen worden.

Was genau ihnen damals vorgeworfen wurde, konnte bislang nicht zweifelsfrei geklärt werden, heißt es in einer Erklärung der Schule: "Schriftliche Dokumente, z.B. Personalakten, konnten hierzu am Birklehof nicht gefunden werden."

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