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Deutscher Weiterbildungspreis "Appetit auf mehr machen"

Der Leiter des Hauses der Technik Ulrich Brill über die Bedeutung der ersten Ausgabe des Deutschen Weiterbildungspreises.

03.02.2010 13:02
Weiterbildung ist keine persönliche Selbstverwirklichung, sondern für viele Unternehmen zukunftsweisend und erfolgsentscheidend. Foto: HDT

Herr Professor Brill, das Haus der Technik hat einen ersten Deutschen Weiterbildungspreis ins Leben gerufen. Was bezwecken Sie damit?

Wir haben den Eindruck, dass das Bekenntnis zur Notwendigkeit der Weiterbildung häufig nur ein Lippenbekenntnis ist; aus diesem Grunde möchten wir erfolgreiche Weiterbildungsideen und -projekte einer breiten Öffentlichkeit vorstellen, um gewissermaßen "Appetit auf mehr" zu machen und zur Nachahmung anzuregen. Mit dem Preis ist darüber hinaus die Zielsetzung verbunden, den allgemeinen Stellenwert derWeiterbildung in allen Bereichen noch stärker zu verdeutlichen und die kontinuierliche Arbeit an der Qualität der Lehre zu fördern. Wichtig ist es uns auch zu zeigen, dass Weiterbildung nicht einfach für persönliche innere "Selbstverwirklichung" von Einzelnen steht, sondern viel mehr für Unternehmen im nationalen und internationalen Wettbewerb zukunftsweisend und erfolgsentscheidend ist.

Sie möchten künftig jedes Jahr innovative und zukunftsweisende Konzepte auszeichnen und so stärker auf die zentrale Rolle der Weiterbildung hinweisen. Braucht die Weiterbildung diese Förderung?

Weiterbildung braucht Förderung, da ihre Wirkung häufig nicht wahrgenommen wird und der Erfolg vonWeiterbildung zum Teil schlecht quantifizierbar ist. Wo er es aber doch ist, wird er in der Regel nicht abgefragt.

Wie zeigt sich das?

Einer Studie des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2007 zu Folge fragen beispielsweise 74,6 Prozent der Unternehmen die Weiterbildungsergebnisse überhaupt nicht ab. Dies muss sich in jedem Fall ändern,weil auf dieseWeise kein Fortschritt in der Qualität der Weiterbildung möglich ist. Schließlich sindWeiterbildungsinstitute auf eine Rückkopplung angewiesen, um ihre Programme den Bedürfnissen der Teilnehmer besser anpassen zu können.

Weiterbildung ist keine neue Erfindung. Welchen Stellenwert nimmt sie heutzutage ein?

Der Stellenwert der Weiterbildung ist heute höher denn je - dies liegt daran, dass die Belegschaften zunehmend älter werden und auch deren Ausbildungswissen als veraltet betrachtetwerden muss. Zudem sind schlechtere schulische Voraussetzungen bei den Nachwuchskräften vorhanden, wie etwa die Pisa-Studien zeigen. Darüber hinaus hat sich der technisch-wissenschaftliche Fortschritt mittlerweile stark beschleunigt: In der heutigen Zeit verdoppelt sich das Wissen alle fünf Jahre. Um Innovationen innerhalb eines Unternehmen zu produzieren, ist es daher notwendig, permanent mitdemaktuellen Niveau und Know-how der Wirtschaft vertraut zu sein.

Die Bundesagentur für Arbeit wirbt mit dem Slogan "Qualifizieren statt entlassen". Sehen auch Sie entsprechende Möglichkeiten, die eine berufliche Weiterbildung bringen kann?

Ja, natürlich. Der Gedanke liegt auch nahe. Aber - wie so häufig im Leben - scheitern solche Ideen in der Regel an der praktischen Ausführbarkeit. Wie sollen zum Beispiel Unternehmen in der Kurzarbeit Mitarbeiter für eineweitere Beschäftigung sinnvoll qualifizieren, wenn sie selbst in wirtschaftlich guten Zeiten keine Personalentwicklungspläne hatten oder noch nicht einmal ein Weiterbildungsangebot. Dies gilt laut des Statistischen Bundesamtes beispielsweise für circa 40 Prozent aller Unternehmen mit zehn bis 19 Beschäftigten. Eine Qualifizierung, die in der Krise einsetzt, kommt spät - oft zu spät. Man kann nicht schwimmen lernen, wenn man bereits am Ertrinken ist.

Was fordern Sie?

Weiterbildung ist ein kontinuierlicher Prozess, der entsprechend der unternehmensinternen Personalentwicklung das aktuelle berufliche Bildungsniveau mit dem beruflich erforderlichen oder möglichen Bildungspotenzial des einzelnen Mitarbeiters idealerweise zum Abgleich bringt. Dies muss ein kontinuierlicher Prozess sein, da sich sowohl die Mitarbeiterqualifikation als auch die Unternehmensziele dynamisch ändern.

Gibt es Ihrer Erfahrung nach Berufe, in denenWeiterbildung nur wenig Sinn macht?

Eine interessante Frage - ein Berufsbild, das ohne Bildung auskommt, ist allerdings nur schwer vorstellbar. Sinnvoll wäre innerhalb der einzelnen Branchen zu überlegen, wie man Weiterbildung in das Berufsleben integrieren kann und wo es Chancen für gezielte Förderungsmöglichkeiten gibt, die einerseits dem Unternehmen und andererseits dem Arbeitnehmer nutzen. Ich bin mir sicher, dass man auf dieseWeise für jeden eine passende und attraktive Fortbildungsmöglichkeit

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