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CDU singt Wehrmachtslied Mein lieber Herr Gesangverein

Die CDU Baden-Württemberg hat sich wieder blamiert. In ihrem Partei-Liederbuch stehen Wehrmachts-Gassenhauer - wie auf Seite 86: das "Panzerlied". Von Gabriele Renz und Volker Schmidt

03.04.2009 00:04
GABRIELE RENZ UND VOLKER SCHMIDT
Landserromantik will die Südwest-CDU dann doch nicht im Liederbuch haben. Foto: getty

Stuttgart. "Wir können alles außer Geschichte": So spotten viele in Anlehnung an die Imagekampagne Baden-Württembergs ("alles außer Hochdeutsch"), seit Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) seinen Vorvorvorgänger Hans Filbinger, einen NS-Marinerichter, als "Gegner des Naziregimes" bezeichnete. Und dann war da ja auch noch der Landespresseball am 9. November, Jahrestag der Pogromnacht.

Melodie eines SS-Gassenhausers

Jetzt hat sich die Südwest-CDU wieder blamiert. Im Superwahljahr stattete die Parteispitze Wahlkämpfer mit einem Büchlein in CDU-Orange namens "Lied.Gut" aus. Auf Seite 86: das "Panzerlied", verfasst 1933 von Wehrmachts-Oberleutnant Kurt Wiehle nach der Melodie des SS-Gassenhauers "Es steht an der Grenze die eiserne Schar zum Kampfe in die Freiheit gegen Judengefahr".

Sangesfreude hat Tradition in der Südwest-CDU. Ein "Mädel ruck, ruck, ruck" oder "Schwarzbraun ist die Haselnuss" haben Landeschef Oettinger und sein Generalsekretär Thomas Strobl auch spätnachts fehlerfrei im Repertoire. Mancher Abgeordnete verteilte schon früher eigene Liederbücher am Info-Stand. So entstand die Idee zum Büchle mit dem Untertitel: "Volkslieder und Schlager für fröhliche Stunden".

Drin stehen dann eben auch diese Zeilen: "Mit donnerndem Motor, so schnell wie der Blitz, dem Feinde entgegen im Panzergeschütz. Voraus die Kameraden, im Kampf sind wir allein, so stoßen wir tief in die feindlichen Reih'n". Im Bundeswehr-Liederbuch "Kameraden, singt!" steht der forsche Song auch, seit 1991 in einer überarbeiteten Form, unter anderem verkürzt um zwei besonders martialische Strophen ("für unsres Reiches Heer, für Deutschland zu sterben ist uns höchste Ehr").

Der Rest sei in einem Liederbuch "von Soldaten, für Soldaten" vertretbar, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Auch für CDU-Wahlkämpfer? Der Unmut in Baden-Württemberg ist übersichtlich; man ist viel gewohnt von der Oettinger-CDU. Wenn dort Konservatismus und Nationalismus ineinanderflössen, analysiert die SPD-Opposition, habe dies immer "seltsamste Feststellungen" zur Folge. "Wir sind eine Partei und kein Gesangverein", findet ein CDU-Bundestagsabgeordneter.

Generalsekretär Strobl, der mit Oettinger als Herausgeber des Buches firmiert, sagte, er habe nicht alle Lieder durchgeschaut. Bis Freitag hatte die Landesspitze der CDU das nachgeholt: "Ein solches Lied hat in keinem Liederbuch etwas verloren, schon gar nicht in einem der CDU", teilte Oettinger mit. Er habe die Landesgeschäftsstelle am Donnerstag angewiesen, das Buch einzustampfen.

Strobl hatte zunächst angekündigt, das "Panzerlied" erst in der nächsten Auflage zu streichen: "Wir lehnen Bücherverbrennungen ab." Man kann auch diesen Satz für einen Beleg halten, dass die Ländle-CDU so manches kann - aber Geschichte sicher nicht.

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