Lade Inhalte...

"Bewegung Morgenlicht" Arbeitsloser Akademiker handelte aus Frust

Er protestierte gegen Dumping-Löhne und schickte Roland Koch nach seiner Hartz-IV-Schelte eine Bombenattrappe. Nicht zufällig: Der Mann, der hinter der Frankfurter "Bewegung Morgenlicht" steckt, ist hochqualifiziert - aber arbeitslos. Von Peter Rutkowski

Anonyme Bekennerschreiben spielte die Gruppe auch der Frankfurter Rundschau zu. Foto: Boris Roessler/dpa

Frankfurt/Main. Die "Bewegung Morgenlicht" ist aufgeflogen. Das "revolutionäre Kommando", das sich zu sieben Brandanschlägen bekannt hat und auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch eine Bombendrohung schickte, entpuppt sich als alleinstehender 49-jähriger Ein-Euro-Jobber aus Bockenheim, vermutlich mit akademischer Bildung. Die Polizei konnte den Mann am Montagnachmittag auf offener Straße widerstandslos festnehmen.

Videos von zwei Tatorten und aus einem Internet-Café, von dem eines der vier Bekennerschreiben abgesetzt worden war, brachte die Polizei auf die Spur des Mannes. Laut Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu besaß man auch schon länger ein "relativ klares" Täterprofil, das auf den 49-Jährigen passte. Die Video-Bilder wurden an alle Reviere gegeben, "und eine Streife des 13. hat ihn erkannt", berichtet die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Behörden gehen davon aus, dass hinter der "Bewegung" ein Alleintäter steckt. Im vierten seiner Bekennerschreiben maßregelte er zwar diejenigen, die einen Brand in der Deutsche-Bank-Filiale an der Leipziger Straße entfachten, weshalb einige Menschen aus dem Haus evakuiert worden waren, aber auf Mittäter gebe es keine Hinweise, so Möller-Scheu.

"Morgenlicht" (auch "Kommando Makeda", Äthiopisch für "die Schöne") war aktiv vom 31. Oktober 2009 bis zum 5. Februar 2010. Ziele der Anschläge waren Banken auf der Fressgass´ und in Bockenheim, eine Schlecker-Filiale und die Zeitarbeitsfirma Randstad. Auch drei Autos wurden abgefackelt im Namen "Antikapitalistischer Zellen".

In Briefen kritisierte der Tatverdächtige Dumping-Löhne und forderte neun Euro Mindestlohn. Roland Koch erhielt nach seinen Äußerungen über arbeitsunwillige Hartz-IV-Empfänger eine Bombenattrappe.

Koch erhielt die Rohrbombenattrappe Ende Januar nach Äußerungen über arbeitsunwillige Hartz-IV-Empfänger. Sie sei ein Protest gegen Kochs Forderung nach einer Arbeitspflicht von Hartz-IV-Empfängern, hieß es in dem Brief. Der Absender warnte Koch, sollte er seine Äußerungen wiederholen, werde eine scharfe Bombe gezündet.

Die Anschläge verursachten 130.000 Euro Schaden. Weil der Mann soziale Probleme als Anlass für die Anschläge nannte, geht das Gericht von Wiederholungsgefahr aus und hat Haftbefehl erlassen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen