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Auf dem Weg in die digitale Klinik

Innovative Simulationstechnik berechnet optimale Abläufe im Operationssaal

04.05.2010 00:05
Klinikum Fulda - Desinfizierte Betten
Durch optimale Ablaufprozesse können Kliniken mehr Patienten operieren. Foto: dpa

Der Operationstrakt gehört zu den sensibelsten und komplexesten Arbeitsgebieten in einem Krankenhaus. Viele unterschiedliche Berufsgruppen treffen dort aufeinander. Und damit auch viele Wünsche und Bedürfnisse. Zahlreiche Interessen müssen deshalb unter einen Hut gebracht werden. Darüber hinaus gehören die Operationen mit Abstand zu den teuersten Prozessen und Leistungen in einer Klinik. Bestmögliche Qualität für die Patienten, reibungslose Abläufe und effizienter Einsatz von Personal und Material, stehen ganz oben auf der Anforderungsliste. OP-Management ist deshalb eine zentrale Aufgabe in modernen Kliniken - auch unter Kostenaspekten.

Wie sieht der ideale OP-Ablauf aus? Denn gerade bei den Operationen "verbrennen" die Kliniken immer noch viel Geld, weil die Prozesse nicht optimal abgestimmt sind. Für dieses Problem hatte das Unternehmen Unity eine zündende Idee. Es entlehnte bewährte Instrumente aus der Industrie und adaptierte sie für die Krankenhauswelt. Für sein innovatives Simulations-Programm zur OP-Optimierung hat die Unity AG deshalb den "Zukunftspreis Gesundheitswirtschaft 2009" des Clubs der Gesundheitswirtschaft gewonnen, einem Business Club der Entscheidungsträger in der Gesundheitswirtschaft. Aufgabe und Ziel des Programms ist es, erklärt Unity-Vorstandschef Tomas Pfänder, die bestehenden Operationsabläufe der vorhandenen OP-Einheiten zu analysieren und zu verbessern.

Mit Hilfe der Simulationstechnik ermittelt Unity optimale Ablaufprozesse, die es den Kliniken ermöglichen, mehr Patienten zu operieren. Damit werden Arbeitszeiten und Ressourcen besser genutzt, und die Einnahmen steigen. In die Praxis hat die Simulation mittlerweile mehrfach Einzug gehalten. An einem Krankenhaus konnte damit die Wartezeit zwischen den Operationen um bis zu 66 Prozent im Maximum reduziert werden. Mehreinnahmen von mehreren Millionen Euro pro Jahr können so hochgerechnet in die Kassen der Kliniken fließen.

Die Simulationstechnik der Unity, einem technologieorientierten Unternehmen aus Paderborn, hat sich deshalb in kurzer Zeit zu einem nachgefragten Beratungswerkzeug in der Gesundheitswirtschaft entwickelt. Ganz allgemein gesprochen, ist die Simulation ein digitales Hilfsmittel, um komplexe Prozesse aus der Realität virtuell abzubilden.

Das Unternehmen, sagt Pfänder, nimmt dazu sämtliche zur Verfügung stehenden Daten und die dafür benötigten Ressourcen aller Prozesse auf und gibt sie in den Computer ein. Das kann vom Chirurg und seinem Skalpell und der Reinigungskraft mit ihren Putzmitteln bis hin zu den zurückgelegten Wegstrecken jedes Mitarbeiters reichen. Mit der Simulation wird dann eine "Digitale Fabrik" oder eben eine "Digitale Klinik" im Rechner abgebildet. Ziel des Ganzen: Mit wenigen Klicks können die verschiedenen Parameter des Modells abgeändert und die Simulation sofort neu berechnet werden - bis die Variablen so zusammenspielen, dass sie ein optimales Gesamt-Ergebnis liefern. Meistens wird dabei der Ablauf für ein komplettes Jahr simuliert.

Die wichtigste Stellschraube im neuen Model heißt "Wechselzeitreduzierung". Ein ganz heikler Punkt in der Organisation des Operationsbetriebs ist der Wechsel von einem bereits operierten zu einem noch zu operierenden Patienten. Diese so genannten Wechselzeiten sind mitentscheidend für die Einhaltung des OP-Plans. Einmal sind zu lange Wechselzeiten schlecht für die Finanzen. Und wenn auch die ohnehin verbesserungswürdigen Vorgaben nicht erreicht werden, verschieben sich Operationen zeitlich immer weiter nach hinten; der Plan gerät in Verzug - was im Extremfall bis zu einer Absage eines geplanten Eingriffs führen könnte.

Deshalb wird die Übergabe schon im Vorfeld bestmöglich organisiert und abgestimmt. Ziel eines jeden OP-Teams ist es, diese Wechselzeiten so niedrig wie möglich zu halten. Alle Beteiligten müssen dabei mitspielen. Im Grunde soll der Wechsel wie die Übergabe beim Staffellauf "Hand-in-Hand" funktionieren. Die Organisation beginnt deshalb nicht erst an der Schleuse zum Operationsaal. Ihren Anfang nimmt die Planung nämlich bereits auf der Station, wo die Patienten für den Eingriff aufgenommen und vorbereitet werden. Damit der OP-Plan nicht an der Praxis scheitert, müssen alle Untersuchungen vorgenommen, Einverständniserklärungen für Narkose und Operation eingeholt sein. Dann kommt der Patientenbegleitdienst ins Spiel. Er bringt die Patienten zur OP-Abteilung. Um Verzögerungen zu vermeiden, ist das richtige Timing notwendig.

Dass dies alles in der Praxis auch funktionieren kann, organisiert der OP-Manager. Er ist noch eine recht junge Institution - und auch bei weitem noch nicht in allen Kliniken etabliert. Aber gerade größere Häuser setzen auf diese Organisationsschnittstelle. Denn eine zentrale Koordination der vielfältigen OP-Abläufe ist am besten in der Lage, den komplexen OP-Bereich zu dirigieren und den Gesamtüberblick zu haben.

Zu den wichtigsten Aufgaben eines OP-Managers gehört es, die Interessen miteinander zu vereinbaren: die selbstverständlichen Erwartungen der Patienten, pünktlich, professionell und qualitativ hochwertig behandelt zu werden. Dazu zählen die Anforderungen der Chirurgen, die Operationssäle in ihrem Sinne bestmöglich nutzen zu können. Außerdem gibt es die Interessen der Betreiber der Operationssäle. Das sind die Anästhesisten und die Funktionsdienste OP und Anästhesie, die die Voraussetzungen für die Nutzung der Operationssäle schaffen und einen kontinuierlichen Betrieb sicherstellen. Und es gibt die Vorgaben von Geschäftsführung und Krankenkassen, die wirtschaftlichen Aspekte nicht aus den Augen zu verlieren. In der "digitalen Klinik" können dafür die Grundlagen gelegt werden.

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