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Ein Zuhause als Lichtblick

Franziskanerin Sigrid Ehrlich sucht Spender

Schwester Sigrid hilft Obdachlosen. Foto: FR

Sankt Martin, die Heilige Elisabeth und Sankt Nikolaus, "der als Schokoladenmännchen verniedlicht wird, liebten die Armen", sagt Schwester Sigrid. Allzu oft dächten die Leute heutzutage nicht mehr an den Kern der christlichen Botschaft, die Nächstenliebe, setzt die Franziskanerin hinzu. Für sie ist Nächstenliebe hingegen eine Lebensaufgabe: Die Ordensschwester kümmert sich um kranke Obdachlose und gibt ihnen ein Zuhause.

Allerdings platzt ihr Haus an der Eschersheimer Landstraße inzwischen aus allen Nähten: 30 ehemalige Obdachlose haben dort Mietverträge auf Lebenszeit - für mehr Hilfsbedürftige gäbe es keinen Platz. Deshalb setzt Sigrid Ehrlich Himmel und Erde in Bewegung, damit das Haus durch einen Erweiterungsbau weitere 35 Pflegebedürftige aufnehmen kann.

Jeden Tag rechnet die Franziskanerin mit einem positiven Bescheid für den Bauantrag. Das ehemalige Kasernengebäude soll um zwei Etagen aufgestockt werden. Seitlich soll Platz für zwei neue Räume geschaffen und der Speisesaal soll vergrößert werden.

Auf drei Millionen Euro schätzt Schwester Sigrid die Kosten. Die Hälfte habe sie schon beisammen. Doch "es müsste schon ein kleines Wunder geschehen", um die fehlenden 1,5 Millionen Euro mittels Spenden aufbringen zu können. Zur Not müsse ein Darlehen aufgenommen werden.

Schwester Sigrid vermittelte bisher mehr als 300 Obdachlosen eine Wohnung. Am heutigen Samstag feiert sie ihren 70. Geburtstag. 1989 hatte ihr Orden sie nach Frankfurt geschickt, damit sie bei der Essensausgabe für Obdachlose hilft. "Das habe ich mir anfangs gar nicht zugetraut", berichtet sie. Doch schon bald erkannte die gelernte Krankenpflegerin, dass "es zu wenig ist", Obdachlosen nur Essen zu geben.

Was ist mit denen, "die es nicht schaffen, zu uns zu kommen?", fragte sie sich damals. Dass Obdachlose mit Maden in den Beinen nicht behandelt wurden, erschreckte sie zutiefst. Kurzerhand packte sie Verbandsmaterial ein, machte sich auf den Weg in Bahnhöfe, Parks, öffentliche Toiletten und die B-Ebene. Sie wisse genau "den Geruch von Fäkalien von dem der Verwesung zu unterscheiden", sagt die Nonne. Aber häufig fehlte ihr eine Badewanne, um die Obdachlosen zu waschen. Die Schwerkranken, erkannte sie, benötigten ein Dach über dem Kopf.

Weil nicht alle Obdachlosen in der Lage waren, selbstständig zu wohnen wurde die Idee geboren, ein Haus für pflegebedürftige Obdachlose aufzubauen. Schwester Sigrid ging in die Chefetagen der Wohnungsbaugesellschaften, um Wohnraum zu beschaffen.

1991 war es dann soweit: Im Dornbusch konnte sie das erste Haus für Obdachlose eröffnen. Ein Jahr später zogen sie nach Bergen-Enkheim in ein größeres Haus für zehn Personen.

Seit dieser Zeit wird ihr Projekt von der FR-Altenhilfe unterstützt. "Bei Inkontinenz brauchen wir viele Hygieneartikel , die sonst nirgends finanziert werden", sagt die Nonne.

1995 gründete Sigrid Ehrlich den Verein "Lichtblick aktiv Schwester Sigrid". Als Antwort auf die Kampagne der Anliegergemeinschaft "Zeil-aktiv", bei der versucht worden sei, "Obdachlose von der Zeil und der Hauptwache wegzukriegen". Als Leitspruch beruft sie sich auf den Propheten Jesaja: "Schafft den Ausgegrenzten Lebensraum. Helft, wo Hilfe not tut. So wachst ihr über euch selbst hinaus und ihr werdet ein Lichtblick sein."

Nach intensiven Verhandlungen konnte der Verein schließlich das ehemalige Kasernengebäude an der Eschersheimer Landstraße kaufen und sanieren. 1997 zogen die ersten Obdachlosen in das Haus Lichtblick ein. Der 52-jährige Richard (Name von der Redaktion geändert) hat dort seit acht Jahren ein Zimmer. "Das ist mein wunderbares Zuhause", sagt er.

Viermal am Tag erhalten Richard und die anderen Bewohner eine Mahlzeit. Morgens um 7 Uhr frühstücken sie gemeinsam, um 13 Uhr gibt es Mittagessen, später Kaffee und Kuchen. Richard bringt ab und zu Leckereien mit - Blutwurst, Eierlikör oder Schinken - obwohl er nur eine geringe Rente bekommt. "Das ist ein Zeichen, dass er sich bei uns wohlfühlt", sagt Schwester Sigrid. Richard ist psychisch krank, kann sich schwer ausdrücken. "Gesundheitlich geht es mir nicht gut", sagt er. 1984 verließ er Ostdeutschland. Acht Jahre lebte er in verschiedenen Städten auf der Straße, bevor er in den Lichtblick kam.

Regeln gibt es im Haus wenige. Alkoholkranken wird das Trinken nicht verboten: "Das würde nichts nützen und eine Atmosphäre des Misstrauens schaffen", sagt die Hausleiterin. Dennoch mäßigten sich einige Alkoholiker von selbst.

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