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Zweitausendeins Überleben in der Nische

Die Konkurrenz großer Konzerne wie Amazon macht dem 1974 in Frankfurt gegründeten Medien-Handel Zweitausendeins zu schaffen. Zahlreiche Niederlassungen stehen vor der Schließung. Robert Egelhofer und Konrad Künkel wollen den Frankfurter Zweitausendeins-Laden am Kornmarkt retten.

Robert Egelhofer (l.) und Conny Künkel wollen den Frankfurter Zweitausendundeins-Laden retten. Foto: Andreas Arnold

Sie bewegen sich so lässig zwischen CD-Regalen und Verkaufstresen, dass man sie in ihrer Wohnung vermuten würde. Tatsächlich sind diese 120 Quadratmeter Fläche am Kornmarkt, direkt gegenüber vom Café Wacker, seit Jahrzehnten die zweite Heimat von Konrad „Konny“ Künkel und Robert Egelhofer. Zwei Männer von 58 Jahren. Der eine, Egelhofer, stieg 1977 in Freiburg „als Schüleraushilfe“ im dortigen Zweitausendeins-Laden ein. Der andere begann 1980 im Lager des Kult-Versandhandels.

Und jetzt versuchen die beiden Freunde zu retten, was zu retten ist vom Mythos Zweitausendeins. Seit 1. Juli haben sie den Frankfurter Stammladen übernommen, „als wahre Alternative zur Arbeitslosigkeit“ (Künkel). Ein Dutzend Dependancen, von Hamburg bis Köln, von Leipzig bis Stuttgart, steht vor der Schließung. Viele Faktoren, glauben die beiden, haben zum Niedergang des 1974 gegründeten Medien-Handels beigetragen, vor allem das Internet und die Konkurrenz großer Konzerne wie Amazon. Egelhofer will sich damit nicht abfinden: „Es gibt noch genug Menschen, die etwas anfassen wollen, bevor sie es kaufen.“

An diesem Sommermorgen, der nicht mehr so drückend schwül ist wie das Wochenende, stöbern freilich nur wenige in den aufgereihten CDs und DVDs. „Ferien“ sagt Egelhofer lapidar. Die, die kommen, sind oft per Du mit den Inhabern. „Gut, dass ihr noch da seid“, sagt einer. Ein anderer bringt tatsächlich eine Tasse Kaffee vom Wacker mit.

Schwatzen, Lachen, Fachsimpeln über Filme und Musik. Egelhofer ist bekennender „Greatful Dead“-Fan („Denen bin ich schon hinterhergereist“), Künkel spielt selbst Gitarre und singt in seiner Band „Septembersong“, ein Trio „in der Art von Crosby, Stills, Nash und Young“ – er ist aber auch härter an der Seite des Blues-Gitarristen Manfred Häder zu hören.

Etwa 3000 Medien bieten sie an in ihrem Laden, dazu natürlich weiter das komplette Programm des Versandhandels Zweitausendeins. Und vom 6. August an ist ihr Geschäft ein „offener Buchladen“, in dem alle in Deutschland lieferbaren Bücher zu bestellen sind. „Wir glauben, dass wir in der Nische überleben werden.“

Ur-Unternehmen feiert nächstes Jahr Jubiläum

Dazu wollen die beiden auch mit lokalen Musikproduzenten zusammenarbeiten. Da steht zum Beispiel die Box mit den CDs des Frankfurter Labels „Peacelounge“. Aber erst einmal haben sie ihre eigene Firma gegründet für den Laden – mit einem beziehungsreichen Namen: HAL Medien GmbH. HAL: So hieß der Computer mit der sanften Stimme in Stanley Kubricks meisterlichem Film „2001 – Odyssee im Weltraum“.

Im nächsten Jahr feiert Zweitausendeins, das Ur-Unternehmen, sein 40-jähriges Bestehen. Dann soll es den Laden am Kornmarkt in Frankfurt auf jeden Fall noch geben. Egelhofer hegt weitere Pläne. „Es gibt zwei weitere Filialen von Zweitausendeins, an denen ich interessiert wäre.“ Einmal in Berlin, die an der Kantstraße in Charlottenburg, also in bester Lage. Und dann die Niederlassung in Mannheim.

Jetzt, gegen Mittag, füllt sich der Laden langsam. Die Leute schauen offenkundig in der Mittagspause vorbei. „Wir sind fast schon ein sozialer Treffpunkt“, freut sich Künkel. Die beiden Inhaber träumen von regelmäßigen Konzerten, „drei bis vier Events im Jahr“, auf der Freifläche vor dem Laden. Mit dem Besitzer des Hauses, der städtischen Frankfurter Aufbau AG (FAAG), haben sie sich auf einen neuen Mietvertrag mit günstigen Konditionen geeinigt. Das ist die Basis für alles. „Drei Jahre Laufzeit, mit Option auf Verlängerung.“

Draußen posieren sie lachend für den Fotografen vor dem Zweitausendeins-Schild. Dreieindrittel Stellen bietet ihr kleines Unternehmen derzeit, vier Personen einschließlich der beiden Inhaber leben davon. „Richtung Weihnachten“, wenn das Geschäft sich belebt, könnten es mehr werden. Sie sind stolz darauf, dass die Übernahme des Ladens „ohne Schulden“ geklappt hat. Schließlich ist das hier der Stammsitz, wo Zweitausendeins mal anfing. „Back to the roots“, ruft Künkel.

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