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Zukunft des Buchmarkts Weniger Menschen lesen Bücher

Der Umsatz bleibt stabil, doch die Käufer schwinden - zeigt eine Diskussion zur Zukunft des Buchmarkts in Frankfurt.

Diskussion zur Zukunft des Buchmarktes
Martin Lüdke, Heinrich Riethmüller, Siv Bublitz, Jörg Sundermeier, Claus-Jürgen Göpfert (v. l.) diskutieren. Foto: Christoph Boeckheler

Das Buch gehöre „augenblicklich zu den entbehrlichsten Gegenständen des täglichen Lebens. Man tanzt, man verbringt die Abendstunden am Radioapparat, im Kino“, schrieb Verleger Samuel Fischer 1926. Die Klage über die Krise des Buchhandels begleitet die Branche seit jeher. 

Zur Frankfurter Buchmesse 2017 frischte FAZ-Redakteurin Sandra Kegel die Debatte auf. Die Literaturkritikerin wollte ihre These am Dienstagabend in der Evangelischen Akademie wiederholen - wegen eines Todesfalls im engsten Familienkreis war sie verhindert.
FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert, der die Veranstaltung des Kulturamts moderierte, übernahm ihren Part: Ob der Buchhandel angesichts sinkender Verkaufszahlen in der Krise sei, wollte er von Heinrich Riethmüller wissen. 

Der Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sprach lieber von einer „Herausforderung“. „Buchhandlungen, die sich nicht verändern, verschwinden vom Markt.“ Der Markt konsolidiere sich angesichts von Amazon, sagte er. Siv Bublitz, Verlegerin im S. Fischer Verlag, führte vor den rund 250 Besuchern aus, der Umsatz im Buchhandel sei seit knapp zehn Jahren stabil, liege bei neun Milliarden Euro, und zwar, „weil die Preise der Bücher steigen“.

Seit 2012 sechs Millionen Leser verloren

Sie lege Wert auf die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Verlage. Die seien durch die Buchpreisbindung und die reduzierte Mehrwertsteuer ausreichend subventioniert. Literaturkritiker Martin Lüdke gab in der Runde den Kulturpessimisten. Unter den 90 000 Büchern, die jedes Jahr in Deutschland erschienen, sei nicht nur hochwertige Literatur, sondern seien auch Kochbücher und jede Menge „Schrott“.

Weil die Auflage von Büchern insgesamt sinke, würden die Autoren schlechter bezahlt. Jörg Sundermeier, Verleger des Verbrecher-Verlags, sagte indes, in Verlagsvorschauen würden Bücher zu oft als „Meisterwerk“ oder „brillant“ beschrieben.

Der Buchhandel habe seit 2012 laut einer Studie sechs Millionen Leser verloren, sagte Bublitz. „Diese Leser müssen wir zurückgewinnen.“ Aber wie? Indem die Buchhändler die Kunden direkt ansprächen, Sitzgelegenheiten anböten, Lesungen organisierten, sagte Riethmüller. 
Als die Fischer-Verlegerin darum warb, dass die Feuilletons ihre Buchbesprechungen mit einer klaren Bewertung versehen sollten, entgegnete Lüdke, dass wäre Werbung und damit das Ende der Literaturkritik. 

Aus dem Publikum meldete sich Verleger Vittorio Klostermann zu Wort: Das neue Urheberrechtsgesetz schwäche die wissenschaftlichen Verlage, weil Inhalte aus Büchern an Hochschulen kostenlos angeboten werden könnten. „Wir ziehen eine neue Generation von Studenten heran, die nicht mehr bereit ist, für Bücher Geld auszugeben.“ Auch das fordert den Buchmarkt künftig heraus. 

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