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Zuhälterprozess Hochsicherheit am Landgericht

Vor dem Landgericht hat sich bereits am Mittwochmorgen ein massives Polizeiaufgebot formiert. Nicht wegen des Terrors, sondern wegen einer Zeugin im Schutzprogramm.

Zuerst denken viele, es sei eine Reaktion auf Paris. Oder auf Hannover. Ist es aber nicht. Vor dem Landgericht hat sich bereits am Mittwochmorgen ein massives Polizeiaufgebot formiert. Bewaffnete Beamte kontrollieren die Einfallstraßen, die Zufahrt der Tiefgarage, stehen gut sichtbar vor den Eingängen des Gerichtsgebäudes E.

Vor allem aber vor der Tür des Gerichtssaals II, des allersichersten Hochsicherheitssaals, den die Frankfurter Justiz ihr Eigen nennen darf. Der dortige Prozess ist Ursache des Aufruhrs. Die wenigen Besucher werden strengstens kontrolliert, von ihren Ausweisen werden Kopien gemacht.

Ein 25 Jahre alter Mann muss sich dort wegen Zuhälterei und Menschenhandels verantworten. Die Anklage wirft ihm vor, seine Lebensgefährtin aus Rumänien nach Deutschland gelockt, durch Misshandlungen zur Prostitution gezwungen und ihr täglich die 300 bis 400 Euro Lohn abgenommen zu haben. Ähnliche Fälle werden wöchentlich vor den Frankfurter Gerichten verhandelt, meist ohne Hochsicherheit.

Angeklagter leugnet Tat

Des Rätsels Lösung: Das Opfer, das auch als Zeugin aussagen soll, ist im Zeugenschutzprogramm. Die näheren Hintergründe werden nicht genannt. Bekannt ist aber, dass das Bordell in der Taunusstraße, in dem die Frau zur Prostitution gezwungen worden sein soll, fest in der Hand der verbotenen Frankfurter Hells Angels ist. Von denen aber ist weit und breit keiner zu sehen.

Der Angeklagte leugnet die Tat. Mit der offenkundigen Strategie, die Kammer müdezuschwätzen, hält er in rumänischem Singsang einen stundenlangen Monolog, in dem es zu großen Teilen um Friseurbesuche seiner ehemaligen Lebensgefährtin geht. Und darum, dass er sie nicht auf den Strich geschickt habe, sondern sie das selbst unbedingt machen und er nicht stehlen wollte. Und darum, dass er sich in einer Autowerkstatt den Buckel krummgeschafft habe, um ihr Lotterleben zu finanzieren, während sie sich im Puff einen faulen Lenz gemacht habe. Verdroschen hätten sie ihre Zuhälter. Und sie habe immer wieder was mit anderen Männern gehabt.

Während all dessen wartet die programmgeschützte Zeugin in den Katakomben des Gerichts gut bewacht auf ihren Auftritt. Doch dazu kommt es am Mittwoch ob der Redseligkeit des Angeklagten nicht. Als das gegen Mittag endgültig klar ist, wird die Zeugin wieder weggeschickt. Mit ihr verschwindet das Polizeiaufgebot.

Was bleibt, ist ein Angeklagter, der redet. Und die Frage, ob der ganze Aufwand nicht vielleicht ein wenig zu viel des Guten war. Unter der Hand geben einige Juristen zu, dass man derzeit etwas nervös sei, und in der Tat geschah die Verlegung des Prozesses vom unsicheren Saal 18 in Saal II in buchstäblich letzter Minute.

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