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Zoo Frankfurt Zoo-Direktor schlägt Alarm

Im Frankfurter Zoo sind viele Anlagen uralt. Der neue Direktor Miguel Casares fordert rasche Neubauten – „sonst droht der Untergang“.

Zoo Frankfurt | 22. Dezember 2017
Frankfurt | 22.12.2017 Foto: peter-juelich.com (peter-juelich.com)

Knapp 100 Tage nach seinem Amtsantritt hat der neue Frankfurter Zoo-Direktor Miguel Casares Alarm geschlagen. Vor dem Römer-Kulturausschuss stellte er am Montagabend einen Drei-Phasen-Plan zum Neubau zentraler Zoo-Anlagen bis 2032 vor. Die bis zu 145 Jahre alten Gehege seien „hoffnungslos veraltet“ und müssten dringend ersetzt werden. Wenn nichts geschehe, so der 51-jährige Wissenschaftler, „wird der Zoo verkümmern, vielleicht sogar untergehen“.

Als Beispiele für betagte Bauten, die abgerissen werden müssten, nannte Casares die 65 Jahre alte Giraffen-Anlage, das 145 Jahre alte Nashorn-Gehege und das 56 Jahre alte Affen-Haus. Von den 25 Anlagen des Zoos seien 14 weit über 50 Jahre alt. „Wir stehen an einem kritischen Punkt“, sagte der Zoologe vor den Stadtverordneten und fügte hinzu: „Hier steht ein großer Name auf dem Spiel!“ 

„Ausgesprochen schwierige Arbeitsbedingungen“

Casares drängte auch auf eine neue, „attraktive“ Zoo-Gastronomie. Bis Januar oder Februar 2019 will er ein detailliertes Konzept für den Zoo der Zukunft vorlegen. Dabei soll die enge Zusammenarbeit mit der Zoologischen Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen. Aufgabe der Zoos seien heute mehr denn je die Erhaltung bedrohter Arten und der Schutz natürlicher Lebensräume. Neben der maroden Bausubstanz vieler Anlagen beklagte der Direktor die „ausgesprochen schwierigen Arbeitsbedingungen“ für die 175 Beschäftigten des Zoos.

In der ersten Phase der Neugestaltung zwischen 2018 und 2022 will Casares die Erneuerung der Gehege im „zentralen Flächendreieck“ des Zoos angehen. In der zweiten Phase sollen der Südwesten des Zoos mit Giraffen- und Nashorn-Haus, in der dritten Phase der Nordosten mit der Affenanlage folgen. Alle diese Gehege erfüllten die Vorschriften für eine moderne Tierhaltung längst nicht mehr. So müsse etwa eine Giraffen-Anlage ein 200 Quadratmeter großes Innengehege besitzen. Das in Frankfurt heute umfasse lediglich 112 Quadratmeter. 

 Einige Gebäude völlig marode 

In einem Rundgang hatte Casares vorher den Stadtverordneten den völlig maroden Zustand einzelner Gebäude vor Augen geführt. So besichtigten die Kommunalpolitiker etwa den beengten Keller des 145 Jahre alten Nashorn-Hauses, in dem es noch am Morgen zu einem Wassereinbruch gekommen war. Es gebe beständige Probleme auch mit der Stromversorgung, berichtete der neue Zoo-Direktor. Er zitierte Volker Mosbrugger, den Generaldirektor des Museums Senckenberg: „Wenn eine Art weg ist, ist sie weg.“ Zur Finanzierung eines ersten Zoo-Konzepts bis Anfang 2019 hat Casares die KfW-Stiftung mit Sitz in Frankfurt gewonnen.

Darüber hinaus forderte der Direktor „ausreichende finanzielle Mittel“ von der Stadt, ohne jedoch eine Summe zu nennen. Er appellierte direkt an die Stadtverordneten: „Wir brauchen umfangreiche Investitionen und dringend die Unterstützung der städtischen Gremien.“ 

Veränderungen - oder die Tiere müssen weg  

Die Kommunalpolitiker zeigten sich betroffen von dem, was sie gehört und gesehen hatten. „Das einzige Flusspferd und das letzte Nashorn wirkten trostlos“, sagte der kulturpolitische Sprecher der Grünen, Sebastian Popp. Wenn es nicht gelinge, die Bedingungen der Haltung dieser Großtiere „so schnell wie möglich zu ändern“, müsse man sich „von den Tieren verabschieden“.

Die Erneuerung des Zoos sei „nicht ohne eine Menge Geld“ machbar, fügte der Grüne hinzu. Die kulturpolitische Sprecherin der SPD, Renate Wolter-Brandecker, forderte eine „Grundsatzentscheidung“ zum Zoo. „Die Unterstützung in der Stadt für den Zoo ist außerordentlich groß, ich hoffe, beim Kämmerer auch“, so die SPD-Politikerin.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hielt sich nach dem Vortrag des Direktors auffällig zurück. Sie begrüßte es, dass die KfW-Stiftung die Erstellung eines Zukunftskonzepts bezahle. Die Verwirklichung eines neuen Zoos brauche „Zeit und Geld“.

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