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Zoo Frankfurt Spanische Zeiten im Zoo

Der neue Zoo-Direktor in Frankfurt Miguel Casares setzt auf Tiergesellschaften auf großen zusammenhängenden Arealen.

Dr. Miguel Casares | Zoo Frankfurt | 08.08.2017
Miguel Casares und der Ameisenbär Falin. Foto: peter-juelich.com (peter-juelich.com)

Der Mann ist furchtlos. Als die Frankfurter Rundschau ihn im August fotografieren wollte, ging er ohne Zögern auf ein sehr gefährliches Tier zu – den Ameisenbär Falin. Lachen Sie nicht. Ameisenbären haben so scharfe Krallen, man macht sich keine Vorstellung davon. Aber Falin und Miguel Casares kamen bestens miteinander aus. Was nicht weiter verwundert. Sie sind ja auch sehr verträgliche Wesen. Beide.

Ein Spanier also wird neuer Frankfurter Zoodirektor. Casares, 51, ist aber für die Tiere, für die Tierpfleger und für die Besucher schon ein Vertrauter: Er war seit September 2016 bereits Leiter der wissenschaftlichen Abteilung des Zoos und Stellvertreter seines Vorgängers Manfred Niekisch, der mit dem Jahreswechsel in den Ruhestand trat.

„Große Freude“

„Es ist eine große Freude, dass der Magistrat meinem Vorschlag gefolgt ist“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) am Freitag, als sie das seit Wochen gehütete Geheimnis lüftet. Casares’ Bewerbung habe besonders durch seine Expertise in der Zooplanung beeindruckt, seine Fachkenntnis auf vielen Gebieten, von den Schildkröten auf Galapagos bis zur aktuellen Elefantenforschung, auch menschlich habe er sehr überzeugt. „Und es ist ein sehr schönes Zeichen für die Internationalität der Stadt“, sagt Hartwig, „dass Sie sich entschieden haben, dauerhaft Ihre Kraft und Ihre Expertise hier einzusetzen.“

Casares arbeitete für Tierparks und Projekte in Madrid, Barcelona, auf den Kanaren, in Zürich, in Casablanca, vor allem entwickelte er ein vielbeachtetes Konzept für den Zoo von Valencia. „Da gab es einen winzigen kommunalen Zoo ohne Zukunftsperspektive“, berichtet er am Freitag noch einmal. Seit Casares seine Pläne verwirklicht hat, gibt es den Bioparc mit neuem Design, der besonders auf die Vergesellschaftung mehrerer Tierarten in einer Anlage setzt und auf unsichtbare Abgrenzungen innerhalb der Gehege. „Der Besucher hat das Gefühl, in die Anlage einzutauchen“, schildert er. Und das Gefühl, es gebe gar keine Trennung beispielsweise zwischen den Löwen, Giraffen und Antilopen. Natürlich gibt es sie, sonst wären die Löwen ja bald unter sich. Aber der Mensch bemerkt es nicht gleich.

Das Konzept dürfte auch bald in Frankfurt sichtbar werden. „Es wird die Besucher faszinieren und Emotionen wecken, das ist wichtig“, sagt Casares. „Es muss uns gelingen, die Herzen der Besucher zu erreichen und dabei den Arten- und Naturschutz im Fokus zu behalten.“ Die Chancen stünden gut; es gebe große Entwicklungschancen.

Das nötige Geld dafür muss die Stadtpolitik bereitstellen. Von einem neuen „Masterplan“ ist schon lang die Rede, analog zu dem 30-Millionen-Paket, das Vorgänger Niekisch bei seinem Beginn vor zehn Jahren vorfand. Das letzte Projekt aus jenem Paket, die neue Pinguinanlage, befindet sich gerade im Bau. Was danach kommt, die Vision vom künftigen Zoo, werde jetzt entwickelt, kündigt Stadträtin Hartwig an.

Größere Gehege im Südwesten und Nordosten des Geländes werden künftig wohl Tiergesellschaften beherbergen – und dass Elefanten wieder einziehen, ist nicht undenkbar, das sagte Miguel Casares schon 2017. Dass er nun Direktor in Frankfurt wird, ist auch eine Heimkehr. „Seit meiner Kindheit wollte ich immer mit Tieren arbeiten, sie haben mich immer fasziniert“, blickt er zurück. Daher habe er auch bald Praktikumsbewerbungen geschrieben, „und die erste Zusage, die ich damals bekam, schickte Richard Faust“ – der Frankfurter Zoodirektor. Also lernte Casares schon 1992 den kleinen Frankfurter Zoo kennen. „Wie sagt man? Der Täter kehrt immer zum Tatort zurück“, scherzt er. Mit dem neuen Chef wird sich auch der Ton im Zoo verändern. So gut die laute, zupackende Art zu Manfred Niekisch passte, so sehr unterscheidet sich sein Nachfolger von ihm.

Casares tritt leise auf und dezent. Aber man bekommt, wie beim Vorgänger, viel zum Nachdenken, wenn er etwa über die Aufgaben eines Zoodirektors spricht: „Wir müssen mit Menschen arbeiten, wir müssen mit Tieren arbeiten, wir müssen mit Menschen arbeiten, die mit Tieren arbeiten.“

Ob er sich in seiner Frankfurter Zeit schon so weit mit den Menschenaffen vertraut gemacht hat, dass sie ihn in ihr Rangordnungsgehabe einbinden? Drohgebärden? Casares schmunzelt. „Ich verhalte mich unauffällig“, sagt er, „damit sie mich nicht als Konkurrenz betrachten.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zoo Frankfurt

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