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Zoo Frankfurt Mit Fossa zurück ins Leben

Aufzeichnungen von einem wahrscheinlich außerkörperlichen Besuch im Tiergarten am letzten Tag des Sommers.

Gestatten, Fossa. Spezialgebiet: Paaren bis die Polizei kommt. Foto: Boeckheler

Es ist der wahrscheinlich letzte echte Sonnentag des Sommers. Da kann man auch an den Baggersee radeln. Muss man aber nicht. Im Zoo ist es klimatisch etwas anspruchsvoller. Dafür kann man Tiere gucken. Und was lernen fürs Leben nach dem Tode.

„Haben Sie Erinnerungen an ein früheres Leben?“, fragt ein Schild am Eingang. Dann ist man goldrichtig beim esoterischen Workshop im Zoo-Gesellschaftshaus. „Außerkörperliche Erfahrungen“ sind ebenfalls erwünscht. Gut ist auch, wenn man mit den Toten spricht. Oder die Toten mit einem selbst. Denn nach dem Seminar „ist im Anschluss ein Zoobesuch zu ermäßigtem Eintritt möglich“. Wer will das nicht.

Doch nicht jeder hat Erinnerungen an ein früheres Leben. Jimmi Hendrix hat's da besser. Der schreibt sich jetzt mit doppeltem M, wie die Tierpaten-Infowand am Zooeingang informiert, aber sonst hat sich wohl nicht viel verändert. Hendrix hat die Patenschaft für das „Spitzschwanz-Bronzemännchen“ übernommen. Da kann sich einer aber noch gut erinnern!

Ruhe! Malea redet

Im Raubtierhaus redet Tigermama Malea mit einer Toten. Zumindest macht die junge Dame mit weiß geschminkten Gesicht, den tiefschwarz gefärbten Augenringen und dem für die Jahreszeit zu warmen Gummimantel einen relativ toten Eindruck, der nur dadurch geschmälert wird, dass sie von Zeit zu Zeit an einem Dosengetränk namens „Monster“ nuckelt. Malea hockt auf einem Felsen und brüllt das tote Mädchen und eine Hundertschaft mehr oder weniger lebendiger Besucher beherzt an. Was für den Laien klingt wie das Geblöke eines schwachsinnigen Tieres, heißt auf Tigerianisch so: „Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Lebende und Tote. Sie haben sich am wahrscheinlich letzten echten Sonnentag des Sommers für einen Besuch im Tigerkäfig entschieden. Dafür spreche ich Ihnen meinen Respekt aus. Meine Söhne Taru und Asim bitte ich zu entschuldigen, sie tollen irgendwo draußen rum, wie sich das bei so einem Wetter auch gehört. Nebenan, im Zoo-Gesellschaftshaus, findet zur Zeit ein Seminar statt, in dem Sie ihre außerkörperlichen Erfahrungen mit Gleichgesinnten diskutieren können. Und nun noch eine Durchsage an unsere Analphabeten: Auf dem Schild an der Scheibe steht: ,Zum Wohl der Tiere bitte nicht mit Blitzlicht fotografieren.' Vielen Dank.“

Gut gebrüllt, Tiger. Malea verlässt ihren Brüllfelsen unter donnerndem Applaus in einem gleißenden Blitzlichtgewitter. Im Käfig nebenan schläft eine Fossa.

Kreischend durchs Geäst

Das ist nun interessant, denn Fossas schlafen nicht immer. Die Wildkatze aus Madagaskar ist, so steht's geschrieben, berühmt für ihre „lange Paarung (über eine Stunde), in der sich die Partner miauend und kreischend im Geäst fortbewegen“. Respekt!

Obwohl das die Fossa natürlich zu problematischen Nachbarn macht. Aber der Tiger ist heut' ja auch nicht gerade leise. Und die Fossa pennt. Wäre ohnehin nicht der richtige Ansprechpartner zum Thema außerkörperliche Erfahrungen.

Im Zoo-Gesellschaftshaus geht der eintrittsmindernde Workshop dem Ende entgegen, aber eigentlich ist das auch egal. Denn wenn es frühere Leben gibt, dann muss es auch spätere geben. Und wenn man schon wiedergeboren werden muss, warum nicht als Fossa? Die haben's gut. Sie haben – vom Mensch mal abgesehen – keine natürlichen Feinde und leben in echt auf Madagaskar, wo es viel Wasser gibt und der Sommer niemals aufhört und man sich also auch nicht ärgern muss, wenn man den wahrscheinlich letzten echten Sonnentag des Sommers aus Versehen im Tigerkäfig vergammelt hat.

Mit neuem Lebensmut geht es hinaus in die Freiheit, die den Mensch vom Zootier unterscheidet. Und wie einst Rex Gildo schmettert man ins Abendrot: „Ich grüß' mit meinem Sombrero, te quiero, ich hab' dich so lieb. Fossa! Fossa! Fiesta mexicana.“

Die Patenschaft für die Fossa hat übrigens Peter Sepp übernommen. Wir gratulieren.

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