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Zoo Frankfurt Abschied vom „König der Tiere“

Im Kaisersaal wird Zoodirektor Manfred Niekisch offiziell aus dem Amt entlassen. Der Nachfolger oder die Nachfolgerin wird im Januar bekanntgegeben.

Verabschiedung
Kulturdezernentin Ina Hartwig (links) und Manfred Niekisch bei der Verabschiedung im Kaisersaal des Römers. Foto: peter-juelich.com

Ein gern zitiertes Bonmot des Zoodirektors spielt im Borgori-Wald, der Frankfurter Menschenaffenanlage. Und weil es so schön ist, zitiert es beim stimmungsvollen Abschied im Römer am Mittwoch die Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Bei einem Zoorundgang mit Manfred Niekisch sei es geschehen, dass sich, wie so oft, ein Primat angriffslustig gegen die Glasscheibe warf, um dem Direktor zu zeigen, wer hier der Starke sei. Ein überaus erfolgreiches Verhalten, wie Niekisch dem wütenden Tier bescheinigt habe: „Er hat ja jedes Mal Recht behalten – ich bin jedes Mal weggegangen.“

Die Ehrengäste im Kaisersaal biegen sich vor Lachen. Alle sind sie gekommen, aus Stadtpolitik, befreundeten Zoos, Senckenberg, BioFrankfurt, von der Zoologischen Gesellschaft, die Spitzen aus Kultur und Stadtmarketing, und die meisten wird Niekisch später in seiner Dankesrede beim Vornamen nennen, so sehr ist der gebürtige Franke mit der Stadt verwachsen. Zunächst aber schmunzeln sie, als Hartwig den scheidenden Zoochef als „Frankfurter König der Tiere“ bezeichnet. Zehn Jahre stand er an der Spitze des Tierparks.

„Ende einer Ära“, sagt Hartwig und erinnert an die geistreichen und witzigen Führungen Niekischs, an die neuen Anlagen, die in seiner Ägide entstanden, an seine „Hauptantriebsfeder“, den Artenschutz. „Sie haben Frankfurt und den Zoo international vertreten und bekannter gemacht – dafür ganz herzlichen Dank“, sagt sie unter Beifall.

Antriebsfeder Artenschutz

Dem pflichtet Laudator Olivier Pagan bei, Präsident des Verbandes des Zoologischen Gärten und Direktor des Baseler Zoos. Von dort, aus Basel, kam der inzwischen zweitstärkste Mann im Frankfurter Zoo, der Silberrücken Viatu, und musste sich erst einmal das Vertrauen der Gorilladamen verdienen, was schließlich glückte. Solcherlei Beharrlichkeit attestiert Pagan auch dem scheidenden Kollegen: Zooführung heiße, Tiere zu schützen, aber vor allem, Menschen zu motivieren. „Die Anstrengung lohnt, den Homo urbanicus für den Naturschutz zu begeistern.“ Das sei Niekisch gelungen – dafür überbringt Pagan „Respekt, Anerkennung und unseren verbindlichsten Dank“ sowie eine Tüte Gebäck: „Basler Läckerli“.

Der Geehrte bedankt sich für all dies und dann beim früheren Kulturdezernenten Felix Semmelroth (CDU): „Für die Freiheit der Planung, die Sie mir gegeben haben.“ Mit den 30 Millionen Euro, die ihm die Politik gewährte, hat er vieles angestoßen, aber Niekisch wäre nicht Niekisch, wenn er zum Abschied auf weitere Forderungen verzichtete. Flusspferde, Nashörner, Paviane, Krokodile und Giraffen bräuchten dringend bessere Unterkünfte. Und ein Konzept für das Zoogesellschaftshaus müsse her, damit es endlich anständige Gastronomie gebe. Und mehr Tierpfleger könne der Zoo auch gebrauchen, um etwas Druck von den Kollegen zu nehmen.

Mit elf Hektar sei der Frankfurter Zoo klein, sagt Niekisch. Aber immerhin: „Hat jemand von Ihnen elf Hektar?“, fragt er in die Runde. Gelächter. „Der Zoo hat sie – und da kann man was draus machen.“ Wer als Nächster oder Nächste dieses Projekt weiterführen soll, entscheidet sich im Januar. Niekisch wird es mit Interesse verfolgen. An seiner Seite hat er dabei ein Grüngürteltier, das ihm die Umweltdezernentin und Wegbegleiterin Rosemarie Heilig (Grüne) zum Schluss überreicht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zoo Frankfurt

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