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Zonta Club Frankfurt II Rhein-Main „Die #Metoo-Bewegung war überfällig“

Katrin Lowitz spricht über das 100-jährige Bestehen der internationalen Frauenrechtsorganisation Zonta. Lowitz ist die Präsidentin des Zonta Club Frankfurt II Rhein-Main.

Lowitz
Zonta-Präsidentin Katrin Lowitz. Foto: Monika Müller

Am 8. November 1919 wurde die Frauenrechtsorganisation Zonta in Buffalo in den USA gegründet, heute beginnt somit ihr hundertstes Jahr. Inzwischen ist Zonta in 63 Ländern vertreten – in Frankfurt gleich mit zwei Clubs. Der Zonta Club Frankfurt II Rhein-Main lädt zum Auftakt der internationalen Jubiläumsfeiern zu einer Benefizveranstaltung ins Historische Museum ein. Im Mittelpunkt steht eine Führung durch die Ausstellung „Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht“.

Frau Lowitz, es gibt ein doppeltes Jubiläum: Was haben 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland und 100 Jahre Zonta gemeinsam?
Das doppelte Jubiläum ist reiner Zufall. Aber natürlich hat sich Zonta auch immer für das Frauenwahlrecht stark gemacht.

Wann wurde der erste Zontaclub in Deutschland gegründet?
Das war 1931 der Hamburger Club.

Was ist das Selbstverständnis von Zonta – sind die Clubs Bestandteil der Frauenbewegung oder gibt es einen eigenen Weg?
Selbstverständlich gehören wir zur Frauenbewegung. Viele Feministinnen waren in den USA schon ganz früh bei Zonta dabei. Es waren aber eher Frauen aus dem Bürgertum und insbesondere Frauen, die einer Erwerbsarbeit nachgegangen sind.

Es wurde also nicht die Revolution oder der Sozialismus gefordert, sondern ...
Bildung, Ausbildung, Förderungen zur Gleichstellung. Sehr früh hat Zonta Frauen mit Stipendien unterstützt.

Gibt es sichtbare Erfolge?
Zonta hat unglaublich viele Projekte regional und international unterstützt. Sowohl in der EU Kommission als auch bei der UN ist Zonta vertreten und besitzt konsultativen Status.

Das klingt nach traditioneller Lobby-Politik.
Ja. In den 30er Jahren gab es schon große Frauenkonferenzen, an denen Zonta mitwirkte. Wir sind auch bei der UN Women Konferenz vertreten und international sehr gut vernetzt. Das ist es, was mir so gefällt, dass man einen internationalen Einblick erhält.

In den USA sind bei den Midterms-Wahlen viele streitbare Frauen gegen Präsident Donald Trump angetreten. Wie politisch sind die deutschen Frauen?
Es kommt darauf an, in welchen Kreisen man sich bewegt. Wenn man viel mit Frauennetzwerken zu tun hat, entsteht der Eindruck, dass sich viele Frauen politisch engagieren. Wenn ich mich aus diesem Kreis herausbewege, sieht das anders aus. Da treffe ich viele Frauen, die sich im Status quo eingerichtet haben.

Ist Politik noch Männersache?
Wenn man sich die Zahlen ansieht: Ja. Im Bundestag sind die Männer mit 70 Prozent vertreten. Die machen auch die Gesetze, die für die Frauen gelten.

Aber wir haben doch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles.
Mich hat Angela Merkel schockiert, als sie beim G20-Gipfel sagte, sie sei keine Feministin. Diese Bezeichnung treffe eher auf Alice Schwarzer zu.

Sind Sie eine Feministin?
Auf jeden Fall. Feminist*in sein heißt doch nur, die Überzeugung zu vertreten, dass Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer.

Was halten Sie von der #Metoo- Bewegung?
Die war überfällig. Jede Frau, die es schafft, sich über sexuelle Belästigung, Handgreiflichkeiten oder Vergewaltigung öffentlich zu äußern, halte ich für mutig.

Und Frau Nahles?
Was mir bei ihr, unabhängig von Ihrer politischen Haltung auffällt, dass sie, anders als Frau Merkel, ein aggressives „männliches“ Auftreten hat und dass ihr das nicht verziehen wird. Wenn ein Mann so auftritt, wird es akzeptiert.

Von der großen Politik zurück nach Frankfurt. An welchen Projekten ist Zonta beteiligt?
Wir kümmern uns um das FeM-Mädchenhaus. Sehr lange haben wir das Bockenheimer Mädchenbüro unterstützt. Nun gibt es eine Neugründung, das Mädchenbüro Milena. Und wir haben immer mal wieder unterschiedliche Einrichtungen mit einer Spende bedacht, zum Beispiel den Frauentreff Ost.

Wird es Zonta in 100 Jahren noch geben?
Ich befürchte, dass es uns in 100 Jahren noch geben muss, weil Frauen auch dann noch immer nicht in allen Bereichen gleichberechtigt sein werden. Es würde schneller gehen, wenn sich mehr Frauen engagieren würden, aber Frauen leisten neben ihrem Beruf auch noch viel mehr Care-Arbeit in der Familie. Da bleibt kaum Zeit für ein ehrenamtliches Engagement.

Interview: Friederike Tinnappel

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