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Zirkus Protest gegen Zirkus in Frankfurt

Tierschützer rufen zum Prostest gegen den Zirkus Charles Knie auf, der ab heute in Frankfurt gastiert. Der Zoo ist Heimat für 100 Tiere, darunter Zebras, Kängurus und Lamas.

Zirkus Charles Knie
Guten Löwen gibt man ein Küsschen: Dompteur Alexander Lacey mit seinem Löwen Massai im Zirkus Charles Knie. Foto: Michael Schick

Massai fletscht die Zähne. Langsam beugt sich der Löwe zu dem Mann vor ihm. „Du bist ein guter Junge“, ruft der dem Tier zu, „los, gib mir einen Kuss.“ Am Vortag der großen Premiere wird im Zirkus Charles Knie fleißig geprobt. Bis Ende Juli werden Seiltänzer, Clowns und Dompteure die fünf Zelte auf dem Festplatz am Ratsweg füllen. „Der Zirkus ist immer noch das Theater des Volkes“, meint Zirkusdirektor Sascha Melnjak. Es gebe viel zu lachen, verspricht der 43-Jährige, „aber auch poetische und erotische Momente“.

Der Zoo ist Heimat für 100 Tiere, darunter Zebras, Kängurus und Lamas. Im Mittelpunkt der diesjährigen Tournee stehen aber die 13 Raubkatzen des Dompteurs Alexander Lacey. Er habe viele seiner Löwen und Tiger mit der Flasche aufgezogen, berichtet 42 Jahre alte Engländer, während er mit Cashmere schmust. Der Tiger liegt auf einer Plattform in der Mitte des Käfigs und reibt den Kopf an der Brust des Dompteurs. Viele Zuschauer seien beeindruckt von der engen Beziehung zwischen ihm und seinen Tieren. „Ich bin stolz wie ein Vater, wenn die Katzen einen neuen Trick lernen.“

Tierschützer kritisieren die Haltung von Wildtieren in Zirkussen regelmäßig. „Artgerecht ist nur die Freiheit“, sagte Jaqueline Herth-Sanders von Peta Darmstadt zur Frankfurter Rundschau. Die Tierschutzorganisation plant eine Kundgebung vor den Zelten des Zirkus am 20. Juli. Die Tierschützer setzen sich für ein Verbot aller Tiere in Zirkussen ein. Schließlich würden die Tiere „Hunderttausende Kilometer durch Europa gekarrt“, um dann in kleinen Manegen aufzutreten, sagte Herth-Sanders.

Der Zoo versucht die Vorwürfe mit Transparenz zu entkräften. An Vorstellungstagen könne sich jeder selbst ein Bild von den Tieren machen, sagte Sascha Melnjak. Die Pfleger hätten ein partnerschaftliches Verhältnis zu ihren Tieren. „Kein Tier wird gezwungen, etwas zu machen“, betonte der Zirkusdirektor. Im übrigen entstammten alle Tiere nicht der freien Wildbahn, „sondern sind seit Generationen in Zoos, Zirkusbetrieben oder Aufzuchtstationen zu Hause.“ Es gebe in der freien Wildbahn kaum noch Platz für bedrohte Raubtiere, stimmt ihm der Tiertrainer Lacey zu: „Deshalb können wir diese Tiere nur bewahren, wenn sie in menschlicher Obhut sind.“

Jaqueline Herth-Sanders von Peta Darmstadt lässt diese Argumentation nicht gelten. Sie will sich weiter gegen die Haltung von Zirkustieren einsetzen: „Tiere mit gebrochenem Willen – wer will das sehen?“

Der Zirkus Charles Knie gastiert bis zum 29. Juli auf dem Festplatz am Ratsweg. Premiere ist am Mittwoch, 11. Juli, um 16 und 20 Uhr. Von Donnerstag bis Dienstag ist das Programm während des Gastspiels um 16 und 20 Uhr zu sehen, sonntags gibt es statt der Abendvorstellung eine morgendliche Vorführung um 11 Uhr und eine Nachmittagsvorstellung um 15 Uhr.

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