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Zeugen gesucht Jutta Ditfurth mit Metallstange attackiert

Die Frankfurter Politikerin Jutta Ditfurth wird bei einer Fahrt im ICE niedergeschlagen. Nun werden Zeugen für den Angriff gesucht.

Jutta Ditfurth
Jutta Ditfurth in der Talk-Show Anne Will am 15. Januar 2012. Foto: Imago

Ihren Idealen bleibt Jutta Ditfurth treu – auch wenn sie jetzt mit starken Kopfschmerzen und Schwindel im Bett liegt und nicht aufstehen kann. Vom Angriff auf sie, der sie in diese Lage gebracht hat, gibt es keine Videoaufzeichnungen, weil die Waggons der Deutschen Bahn nicht überwacht werden. „Und das finde ich auch absolut richtig so“, sagt die Ökolinx-Stadtverordnete, die seit ihrer Zeit bei den Grünen die prominenteste Frankfurter Politikerin sein dürfte, am Dienstag im Gespräch mit der FR.

Angegriffen wurde Ditfurth am Freitagnachmittag im ICE von Frankfurt nach Freiburg. Durch ihre Zeugensuche auf Facebook und Twitter wurde die Attacke mit einer Metallstange nun öffentlich. Die Hintergründe sind völlig unklar und unverständlich – vor allem für Jutta Ditfurth selbst.

Zwei Schläge mit Metallstock auf den Kopf 

Fakt ist, dass sie am Freitag um 14.50 Uhr am Frankfurter Hauptbahnhof in den abfahrbereiten ICE eilte und den Zug gerade noch erwischte. „Drinnen war es unglaublich voll“, erinnert sie sich. Ditfurth muss im Gang stehen. Ihr fällt ein Mann auf – jung, hellhäutig, etwa 1,70 Meter groß, auf dem Kopf eine dunkelrote Pudelmütze. Er hat einen Metallstock dabei, die Politikerin hält ihn zunächst für sehbehindert. Doch das ist er nicht. Kurz nach der Abfahrt des Zuges schlägt er ihr mit der Stange völlig unvermittelt zweimal auf den Kopf.

Ditfurth sieht nur noch Sterne, sie sackt zusammen, andere Fahrgäste kümmern sich um sie. Die nächsten Minuten müssen surreal gewesen sein. Der Täter steht immer noch in ihrer Nähe. Ein Zugbegleiter, der von dem Vorfall erfahren hat, fragt Ditfurth, ob er die Polizei rufen soll. „Ja“, sagt Ditfurth nach ihrer Schilderung. Der Zugbegleiter fragt noch einmal. „Ja“, sagt sie. Wie sie weiter berichtet, kündigt der Zugbegleiter daraufhin an, dass er nun die Polizei rufen werde.

Das führe aber dazu, dass der überfüllte Zug in Mannheim länger halten müsse. „In dem Moment schauten mich alle um mich herum flehentlich an“, sagt Ditfurth. Damit der Zug nicht aufgehalten wird, sagt sie: „Wenn er sich bei mir entschuldigt, verzichte ich auf Polizei.“ Erklären kann sich die Politikerin ihr Vorgehen am Dienstag nicht mehr so recht. „Ich war nicht mehr handlungsfähig“, sagt sie.

Täter steigt in Mannheim unbehelligt aus

Der Täter habe sich dann mehr schlecht als recht entschuldigt und sei vom Zugbegleiter zu einem freien Sitzplatz gebracht worden, so Ditfurth. Auch sie selbst bekam einen Platz – und eine kalte Kompresse. In Mannheim stieg der Täter schließlich unbehelligt aus. Immerhin habe eine Zeugin mit ihm sprechen können. Auf die Frage, warum er Ditfurth niedergeschlagen habe, sagte er demnach, er sei sauer über eine vorangegangene Zugverspätung – und könne Ditfurth nicht leiden.

Ihren Vortrag über Antisemitismus hat die 66-Jährige am Abend gehalten – frei sprechend, denn ihr Manuskript konnte sie nicht mehr lesen. Auf dem kurzen Weg ins Hotel verlief sie sich. Mittlerweile wurde bei ihr eine Gehirnerschütterung festgestellt.

Körperliche Angriffe habe sie in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder erleiden müssen, sagt Ditfurth: „Von Frauenhassern, Nazis und Polizisten“ – aber nicht aus heiterem Himmel von einem Menschen, der ihr gänzlich unbekannt war. Die Politikerin möchte nun juristisch gegen den Mann vorgehen und sucht Zeugen des Angriffs. Mittlerweile hat die Bundespolizei die Ermittlungen aufgenommen. Unterdessen sagte ein Bahnsprecher der FR, der Vorfall sei ihm nicht im Detail bekannt. Bei der Frage, ob ein Zugbegleiter die Polizei ruft oder nicht, komme es allein auf den Willen des Fahrgastes an.

Auf Jutta Ditfurths Facebook-Seite wird der Vorfall mittlerweile hundertfach kommentiert. Zwischen Genesungswünschen finden sich auch unfassbar dämliche Einträge wie: „Da haben Sie aber Glück gehabt, dass er hellhäutig und deutsch war, sonst wäre es wohl ein Messer geworden.“

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