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Zero Waste Café in Frankfurt Erstes Café ohne Plastik in Frankfurt

Stoffservietten, Strohhalme aus Stroh, Zuckerstreuer aus Glas - Frankfurts erstes Zero Waste Café soll ohne Plastikmüll auskommen. Das Crowdfunding läuft noch bis Samstag.

Gastronomie in Frankfurt
Christine Müller, Franziska Geese und Jenny Fuhrmann (v.l.n.r.) von "gramm.genau" möchten ein Café ohne Plastikmüll eröffnen. Foto: Renate Hoyer

Einmalservietten, Plastikstrohhalme, diese abgepackten Kekse und Zuckertüten wird es auf gar keinen Fall geben. Stattdessen: Stoffservietten, Strohhalme aus Stroh, Zuckerstreuer aus Glas und hausgemachte Quiche, Kuchen und Kekse direkt frisch vor Ort von einer Konditoreimeisterin zubereitet. Das erste Frankfurter Zero Waste Café soll ein Kaffeehaus mit so wenig Müll wie möglich und ohne Lebensmittelverschwendung sein.

So der Plan. „Das Café soll von A bis Z einwegplastikfrei sein“, betont Jenny Fuhrmann. Sie ist Teil des vierköpfigen Teams von gramm.genau. Dazu gehören Franziska Geese, Christine Müller und Tamás Erdélyi. Es sei kein Verein, sondern eine Gmbh. 

Fuhrmann betont: „Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger, den Leuten sagen: Ihr dürft keinen Coffee-to-go-Becher aus Plastik verwenden!“ Wir wollen lieber Anregungen geben, wie man Müll vermeiden kann.“

In nur vier Wochen haben die Endzwanzigjährigen dank Crowdfunding das Startkapital gesammelt. 20 000 Euro. Und das, obwohl die Aktion noch bis Samstag (30. Juni) läuft. Das Crowdfunding geht aber noch weiter: Zweites Ziel sind 40 000 Euro. „Alles was jetzt noch gespendet wird, fließt in unsere Bildungsangebote für Kinder zum Thema Umwelt und in die Konzeption von Workshops für Erwachsene ein.“ Diese sollen auch im Café stattfinden. Von „Wie mache ich mein Deo selbst?“ bis zu Brotbackkursen oder Upcyling, also wie mache ich aus alten Zeitschriften eine hübsche Kette? 

Ohne dass sie für Werbung Geld ausgeben mussten, haben sie schon 1254 Abonnenten auf Instagram. „Die Leute mögen die Idee von einem plastikfreien Café“, so Fuhrmann. Noch sitzen sie im Gemeinschaftsbüro in Bockenheim, da ist auch ihr Lager. In der Küche steht nicht nur ein Holzregal, an dem man sich Müsli aus Glasspendern abfüllen kann, sondern auch große Edelstahlkannen, die an die Zeiten erinnern, wo man vom Bauern direkt die Milch in solchen Behältern abgefüllt bekommen hat. Denn schon jetzt beliefern sie in diesen Agenturen und Büros mit Müsli – eben plastikfrei. 

In Edelstahldosen verkaufen sie Snack-Boxen gefüllt mit Datteln, schokolierten Mandeln, Tropenfrüchten. „Im Dezember hatten wir außerdem unseren plastikfreien Lebensmittellieferdienst gegründet.“ Bestellen kann man als Frankfurterin oder Frankfurter im Onlineshop, geliefert wird es mit einem Lastenräderservice. „Auch ein Onlineshop kann nachhaltig sein.“ Es gibt ein Pfand auf Snackboxen oder es wird in einer wiederverwendbaren Verpackung geliefert, die man, wenn sie leer ist, wieder dem Lastenradfahrer mitgeben kann. Im Onlineshop kann man nicht nur Lebensmittel, sondern auch Deocreme im Glas, ein Stück Kokosshampoo statt Flüssigshampoo oder auch – der Bestseller – die Bambuszahnbürste kaufen.

All dies soll man dann auch im Café einkaufen können. „Während man gemütlich seinen Kuchen isst, kann man seinen Einkaufszettel bei uns abgeben und sich von uns Müsli oder Nudeln grammgenau in eigenen Behältern oder Pfandgläsern abfüllen lassen.“

Wichtig sei, dass es bedarfsgerechte Portionen geben soll. Falls doch etwas übrig bleibe, werde das Essen gespendet. 

Jenny Fuhrmann arbeitete bis vor kurzem  in der Entwicklungshilfe bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). „Christine und ich haben beide schon unsere Jobs aufgegeben und werden dann auch im Café arbeiten“, so Fuhrmann.
Der meiste Müll entstehe in Gastrobetrieben nicht im Café selbst, sondern bei der Anlieferung: „Ganz ohne Verpackung wird es auch bei uns nicht gehen. Aber wir versuchen, es so klein wie möglich zu halten. Bio-Kaffee wollen wir uns in Pfandbehältern liefern lassen, Mehl und Kakao in großen Papiersäcken.“ Und auch das Bio-Obst und Bio-Gemüse komme vom regionalen Lieferanten. Fleisch und Fisch werde es nicht geben. Die Einrichtung soll nicht neu gekauft werden: Ein kaputter Spiegel wird zum Mosaik, Obstkisten werden zum Regal oder alte Zaunlatten zu bunten Schildern. 

 Jetzt fehlt nur noch die passende Räumlichkeit. Fuhrmann: „Schon seit Wochen suchen wir in der Innenstadt, Bockenheim, Nordend, Sachsenhausen und Ostend. 60 bis 80 Quadratmeter soll es groß sein und irgendwie bezahlbar.“ 

 

 

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