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"Zero Emission Race" Elektrisch um die Welt

Die Michelstädterin Sandra Lust nimmt mit einem Elektroroller am „Zero Race“ des Schweizers Louis Palmer teil: 80 Tage lang geht es um die Welt.

19.08.2010 18:32
Jürgen Schultheis
Das koreanische Team des „Zero Race“ lüftet vorm Start in Hessen nochmal kräftig durch. Foto: Andreas Arnold (2)

In der Nacht zum Donnerstag ist Sandra Lust nachhause gekommen. Auf einem Vectrix-Roller, einem Hochleistungszweirad mit Elektromotor. Am Donnerstagmorgen fährt sie zusammen mit wunderlich anzusehenden Gefährten am Michelstädter Rathaus vorbei, hinüber zum Schenkenkeller. Die 38-Jährige hat nicht viel Zeit, obwohl zahlreiche Schulklassen und viele Schaulustige die zwei- und vierrädrigen Elektromobile bestaunen und das Interesse groß ist. „Zero Race“ heißt das Vorhaben, das der Schweizer Lehrer Louis Palmer organisiert hat und das nun in Michelstadt Station macht. Genf, Berlin, Moskau, Urumchi, Schanghai, Vancouver, Mexiko City, Cancun, Lissabon und Ende Januar 2011 dann wieder Genf. Das sind die Stationen des Null-Emissions-Rennens rund um die Welt, eine 30.000 Kilometer lange Strecke durch 16 Länder und 150 Städte. Wenn alles gut geht, wird Sandra Lust die erste Frau in der Geschichte sein, die die Welt mit einem Elektroroller umrundet hat.

Die Tour schrecke sie nicht, sagt die gelernte Chemikerin. Mit dem Motorrad ist sie häufiger schon in Kambodscha, Vietnam und West-China unterwegs gewesen. „Große Reisen lösen sich meist in Detailprobleme auf, die man bewältigen kann“, sagt die 38-Jährige mit einer Ruhe, die jeden Zuhörer überzeugen muss. Seit zehn Jahren arbeitet Lust in der Photovoltaik-Branche, sieben Jahre davon in der Industrie, und die Elektromobilität ist für sie die Fortentwicklung des Gedankens der Nachhaltigkeit. Zudem seien das Erdöl endlich und „und als Chemikerin sage ich, dass es viel zu schade ist, den wertvollen Rohstoff Öl zu verbrennen.“ Am Donnerstagvormittag steht die 38-Jährige im Hof vor dem Schenkenkeller, mitten im historischen Zentrum von Michelstadt, spricht mit ihren Eltern, die dort wohnen, nimmt eine Waffel und denkt vielleicht schon an die Tour, die Donnerstagmittag Station in Mainz gemacht hat und abends in Bonn ankommen sollte.

Am Samstag wird die Gruppe, die aus einem australischen, südkoreanischen, Schweizer und einem deutschen Team – eben Sandra Lust – besteht, von der belgischen Umweltministerin empfangen werden, Mittwoch nächster Woche nimmt sich ihr deutscher Kollege Norbert Röttgen eine halbe Stunde Zeit für die Zero-Race-Teams. Der Organisator des Rennens, Louis Palmer, hat vor zwei Jahren als erster Mensch die Erde mit seinem Solartaxi umrundet. In diesem Jahr fahren jene mit, die er im Verlauf seiner Tour getroffen hat – oder die ihn über seinen wunderbaren Film kennengelernt haben, der die globale Tour dokumeniert. Sven Lehmann, der Lebensgefährte von Sandra Lust, hat Palmer auf diesem Weg kennengelernt. Und als es darum ging, in diesem Jahr teilzunehmen, waren Lehmann, Lust und zwei weitere Freunde mit dabei.

Vor gut drei Wochen haben sie den Vectrix, der etwas mehr als 8000 Euro kostet, für die Tour umgerüstet: Die Nickel-Metallhydrid-Zelle, mit der die Maschine 60 Kilometer weit kommt, musste einem Lithium-Polymer-Akku weichen, mit der Lust immerhin 250 Kilometer fahren kann, ohne nachladen zu müssen. Ein Freund aus dem Erzgebirge, Andre Laugner, hat ein spezielles Batterie-Management entwickelt. „So haben wir den Roller ausgetrickst, der jetzt gar nicht weiß, dass da eine andere Batterie drinsteckt“, sagt die 38-Jährige. Sie fährt gerne Motorrad, sagt Sandra Lust, anders wäre die Teilnahme an einem solchen Rennen auch kaum vorstellbar. Aber es geht auch darum, zu zeigen, dass die fossilen Rohstoffe nicht als Brennstoffe genutzt werden sollten. Und wenn ein Roller schon um die Welt fahren kann, dann sollte es auch für den Alltag reichen, für die Fahrt ins Büro und zum Einkaufen. Vielleicht klappt es ja auch, dass demnächst mal eine „vernünftige Elektro-Reise-Enduro“ gebaut wird, überlegt Sandra Lust – und fügt an: „Das ist ein Appell an die Kollegen in Süddeutschland.“

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