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Zeitzeugin in Frankfurt Trude Simonsohn soll Ehrenbürgerin werden

Die Frankfurter Auschwitz-Überlebende Trude Simonsohn soll als erste Frau Ehrenbürgerin der Stadt werden. Die heute 95-Jährige setzt sich seit Jahrzehnten für Demokratie und Aufklärung ein.

Oberbürgermeister Peter Feldmann und Trude Simonsohn im Januar dieses Jahres an der Goethe-Universität. Foto: Peter Jülich

Die 95-jährige Auschwitz-Überlebende Trude Simonsohn soll nach dem Willen des Magistrats Ehrenbürgerin der Stadt Frankfurt werden. Die Stadtregierung habe beschlossen, der Stadtverordnetenversammlung einen entsprechenden Vorschlag zu machen, teilte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Freitag mit. Sollte das Stadtparlament dem Vorschlag zustimmen, bekäme die vielfach engagierte Simonsohn, die seit 1955 in Frankfurt lebt und bereits seit Mitte der 70er Jahre als Zeitzeugin vor Schülern und Jugendlichen auftritt, als erste Frau die höchste Auszeichnung, die von der Stadt verliehen wird.

Oberbürgermeister Feldmann sagte zur Begründung des Vorschlags, Simonsohn sei „eine große Freundin unserer Heimatstadt und eine unermüdliche Kämpferin gegen Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus“. Mit ihrem Einsatz für Demokratie und Aufklärung trage Simonsohn dazu bei, dass Frankfurt heute als weltoffene Stadt wahrgenommen werde, sagte Feldmann. „In ihren Berichten als Zeitzeugin stellt sie die Frage, welche Konsequenzen sich aus den Verbrechen des Naziregimes für das heutige Zusammenleben ergeben.“

Trude Simonsohn wurde 1921 in Olmütz im heutigen Tschechien als Tochter einer liberalen jüdischen Familie geboren. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht durfte sie keine Berufsausbildung machen, weil sie einer zionistischen Jugendorganisation angehörte. Ihre Eltern und andere Angehörige wurden in deutschen Konzentrationslagern ermordet, Simonsohn wurde in das Ghetto Theresienstadt und danach ins Vernichtungslager Auschwitz verschleppt. Im Mai 1945 erlebte sie in Merzdorf, einer Außenstelle des Konzentrationslagers Groß-Rosen im heutigen Polen, ihre Befreiung durch die Rote Armee.

Nachdem sie und ihr Ehemann, den sie in Theresienstadt kennengelernt hatte, zunächst daran gedacht hatten, nach Israel auszuwandern, kam Simonsohn über Hamburg nach Frankfurt, wo sie sich im Vorstand der Jüdischen Gemeinde engagierte. Seit den 70er Jahren tritt sie als Zeitzeugin auf und berichtet von ihren Erfahrungen in den Konzentrationslagern. Dabei legt sie stets Wert auf die aktuelle politische Bedeutung der Erinnerung. In einem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau im vergangenen März sagte sie etwa, dass der Aufstieg der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ (AfD) ihr Angst mache. Zum 71. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz im vergangenen Januar betonte sie in einer Rede, die Beschäftigung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus dürfe nicht nachlassen, weil sonst die Gefahr einer Wiederholung drohe: „Was man nicht aufarbeitet, ist man gezwungen zu wiederholen.“

Für ihr Engagement wurde Trude Simonsohn bereits in der Vergangenheit mehrfach ausgezeichnet. Seit 1993 ist sie Trägerin der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt, 2010 erhielt sie in der Frankfurter Paulskirche den Ignatz-Bubis-Preis verliehen. Im vergangenen Frühjahr wurde mit mehreren offiziellen Veranstaltungen ihr 95. Geburtstag gefeiert. Dabei hatte der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, die Frage aufgeworfen, warum sie noch nicht Ehrenbürgerin der Stadt sei. Die Idee hatte zuvor schon Helga Dierichs aufgebracht, die Mitglied im Verein der Bildungsstätte ist.

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