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Zeilgalerie Ausverkauf in der Zeilgalerie

Neben MyZeil zu bestehen ist schwer. In der Zeilgalerie sind die Umsätze niedrig und die Mieten hoch, deshalb verschwinden dort langsam die Geschäfte. Die Zukunft des Einkaufszentrums ist offen.

Seit gestern hat der neue Flagship-Store von Fossil auf der Zeil geöffnet. Foto: christoph boeckheler*

Am 16. August ist Schluss. Souvenir-Frankfurt verlässt die Zeilgalerie. Nach drei Jahren in dem 1992 eröffneten Einkaufszentrum geben die Andenkenjäger ihren Laden auf. Mit dem neuen Eigentümer konnten sie sich nicht über die Miethöhe einigen. Judith Hartnack und ihre beiden Mitstreiter suchen nun einen neuen Standort, an dem sie Überbleibsel aus untergegangenen Frankfurter Gebäuden, wie dem Henninger-Turm oder dem Degussa-Bau, verkaufen können. „Wir wollen auf jeden Fall in der Innenstadt bleiben“ sagt Hartnack.

Jeans Inn, das Frankfurter Traditionsgeschäft, das erst im Frühjahr von der Konstablerwache in die Zeilgalerie gezogen war, musste bereits am 28. Juli die Segel streichen: Insolvenz. Nach 40 Jahren ging Eigentümer Roland Baader pleite. „Letzten Sommer wollte ich mich eigentlich schon zur Ruhe setzen“, erzählt er. Doch seine Kunden und der damalige Interimsmanager der Zeilgalerie, Gerd Schüler, hätten ihn dazu überredet, weiterzumachen.

Baader ließ sich breitschlagen und eröffnete im März in der Zeilgalerie eine große Ladenfläche. „Bis Ende April waren die Umsätze in Ordnung.“ Jedoch nur, weil die Preise reduziert gewesen seien. Ab Mai seien die Umsätze dann total eingebrochen. „Ich habe versucht, die Miete ab August zu mindern, aber die Besitzer ließen nicht mit sich reden.“ Auch unter den übrigen Ladeninhabern ist die Stimmung verhalten bis schlecht. Öffentlich beklagen will sich niemand. Jedoch besitzt keiner einen Mietvertrag über das Jahr 2015 hinaus. Die fehlende Planungssicherheit trübt die Aussichten für die Ladenbesitzer. Außerdem klagen sie über zu wenige Kunden in dem gut 11 000 Quadratmeter kleinen Einkaufszentrum.

Alles scheint möglich

Nun sprießen die Spekulationen: Abriss, Zusammenlegung mit MyZeil – alles scheint möglich. Es heißt, Kaufhof wolle sich vergrößern. Wohin, wenn nicht in Richtung Zeilgalerie? In Maklerkreisen gilt selbst ein Abriss des Gebäudes mit anschließendem Neubau als wirtschaftliche Variante.

Die Besitzer äußern sich hierzu allerdings nicht. Man erarbeite derzeit ein neues Konzept, heißt es bei der RFR Holding, die die Zeilgalerie 2013 von der IFM Immobilen AG erworben und im Frühjahr 2014 beträchtliche Anteile weiterverkauft hatte. Auch Kaufhof will die Gerüchte nicht kommentieren. Eins aber ist gewiss: Die Zeilgalerie ist ein problematisches Pflaster.

Das unter dubiosen Umständen vom skandalumwitterten Baulöwen Jürgen Schneider erbaute und 1992 eröffnete Einkaufszentrum – Schneider hatte die Banken mit fantastischen Flächenangaben geködert und sich so Millionenkredite ergaunert – macht schon lange Schwierigkeiten.

Als die IFM Immobilien AG den schmalen Glasbau 2008 für 50 Millionen Euro erwarb, lag die Immobilie brach. Leerstand, Sex- und Ein-Euro-Shops prägten das Bild. So versuchte es die IFM mit einem vielfältigen Angebot. Individuelle, verspielte Geschäfte, wie Souvenir-Frankfurt sollten der Zeilgalerie ein ganz eigenes Gesicht geben. Für leere Flächen wurden Zwischennutzer gesucht, die mit sogenannten Nutzungsvereinbarungen geworben wurden. Reale Mieten stellten diese Beträge nicht dar. Die Minigolfbahn Minds on Minigolf, kleine Schuhläden wie Sneakerking und Designershops zogen nach. Der Rapper Hassan Annouri eröffnete einen Tattoo-Laden. Außerdem investierte der neue Besitzer elf Millionen Euro in das Gebäude. Prunkstück ist seither eine top-moderne LED-Fassade, die allerdings kaum genutzt wird. In sich schlüssig war das Konzept jedoch nicht. Der Orion-Sexshop besetzt nach wie vor eine prominente Fläche, Kosmetiksalons fehlen ebenfalls nicht.

Zu den Gründen des Verkaufs äußert sich IFM nicht. Über die Verkaufssumme wird geschwiegen. Allerdings teilt IFM mit, dass das Unternehmen ein Projektentwickler, kein Bestandshalter sei und „die Marktverhältnisse für einen Verkauf günstig“ gewesen seien. Auch diese Aussage lässt Raum für Spekulationen. Sah die IFM einfach keine weitere Perspektive für die Zeilgalerie? Verkaufte sie das Haus auf dem Höhepunkt?

Fakt ist: Seit Anfang des Jahres geht es wieder bergab. Standen im Frühjahr vier Ladenflächen leer, sind es jetzt fünf, wenn Souvenir-Frankfurt geht sechs. Der Ausverkauf wird wohl weitergehen.

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