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Zeil lebt auf Shoppen in Flagship-Stores und Billigketten

Die Zeil zieht wieder an. Fossil eröffnet eine Filiale im ehemaligen Hako-Haus und die Modekette Mango befindet sich jetzt mit ihrem größten Geschäft Europas hier.

Auf der Zeil ist immer was los. Foto: christoph boeckheler*

Der rote Teppich ist ausgerollt. Er führt in den neuen Flagshipstore des amerikanischen Unternehmens Fossil. Am Freitag hat der Laden auf rund 800 Quadratmetern an der Zeil 123, direkt an der Hauptwache, eröffnet. Große Schaufenster in der hellen Fassade geben den Blick frei auf Taschen, Uhren und Accessoires. Dort, wo jahrzehntelang das Schuhgeschäft Hako mit der roten Kult-Kinderrutsche ansässig war, steht nun ein neues Büro- und Geschäftshaus. Nach gut einem Jahr Bauzeit ist das Gebäude fertiggestellt. Von den sechs Etagen sind die oberen vier für Büros vorgesehen. Die Drogeriekette „dm“ hat das Haus bereits Ende Juni bezogen.

Miriam Lauterbach schaut neugierig in den neuen Laden. „Endlich ist das Baugerüst weg, das hat die Fußgänger sehr behindert.“ Das neue Gebäude mit den geschwungenen Kanten gefalle ihr gut. Sie fände es toll, wenn dort noch ein Café mit Außengastronomie einziehen würde. An gemütlichen Einkehrmöglichkeiten fehle es auf der Zeil. Tatsächlich ist geplant, auf der Fläche zu den E-Kinos Gastronomie mit einem Außenbereich einzurichten.

Doch Fossil ist nicht die einzige Neueröffnung. Gerade erst zog die spanische Modekette Mango in die ehemaligen Räumlichkeiten des Herrenausstatters Pohland neben Douglas auf die Zeil. Hier steht nun die größte Filiale Europas.
Auf 3000 Quadratmetern gibt es Mode für Damen, Herren und Kinder. Rund 120 Mitarbeiter sollen hier einmal arbeiten. Noch hängen Stellengesuche an der Fassade. Die andere Mango-Filiale auf der Zeil bleibt weiterhin bestehen.

Kunden wühlen nach billiger Kleidung

Freitags ist die Zeil am Vormittag gut besucht. Nach neuesten Erhebungen der Gesellschaft für Konsumforschung liegt die Straße wieder auf Platz vier der belebtesten Einkaufsmeilen Deutschlands. Vor wenigen Monaten belegte sie nur Rang 10. Nicht wenige tragen bereits die ersten Tüten in der Hand, die von erfolgreichem Shopping zeugen.

Ayse Özcan (17) und ihre Freundinnen verschnaufen am Brockhausbrunnen, mit knallpinken Kringeln von Dunkin’ Donut in der Hand. „Ich finde die Zeil toll, hier gibt es viele verschiedene Geschäfte.“ In Stuttgart, wo sie herkämen, sei das Angebot viel geringer. Tüten von Primark haben sie bereits in der Hand.

Seitdem die irische Textilkette Primark ihren zweiten Laden auf der Zeil eröffnet hat, sieht man die braunen Papiertüten mit der türkisen Schrift überall in der Innenstadt. Schon vormittags drängen sich mehr Teenager als in allen anderen Geschäften zwischen den Kleiderständern. Auf den 4000 Quadratmetern, wo es nach Plastik und unechtem Leder riecht, wühlen Kunden nach billiger Kleidung und Accessoires.

Auf einer der runden Bänke in der Mitte der Zeil ruhen sich auch Frankfurter Gert Hassenteufel und seine Frau Helga (beide 73) aus. „Ich bin nicht gern auf der Zeil, es ist mir zu hektisch und zu laut.“ Länger als eine Stunde halte er es nicht aus. Und das nur morgens und keinesfalls am Wochenende. Der Bornheimer ist lieber auf der Berger Straße unterwegs. „Dort ist es heimischer und gemütlicher.“

Auf den Nebenstraßen ist wenig los

So geht es auch Maximiliane P., die sich bereits wieder auf ihr Fahrrad schwingt. „Ich mag die Zeil nicht.“ Hier gebe es nur Ketten und Standardläden. Die Straße habe kein Flair, die Architektur sei hässlich. Sie bummele nicht, sondern besorge nur das, was sie brauche und verschwinde wieder. „Ich gehe lieber ins Einkaufszentrum Skyline Plaza im Gallus, da wohne ich.“ Dort sei das Drumherum netter und die Läden immer schön leer.

Schieben sich auf der Zeil die Massen, ist in den Nebenstraßen meist wenig los. Im nächsten Jahr will sich die Stadt um ihre Umgestaltung kümmern. Im MA, dem Büro- und Shoppingkomplex an der Stephanstraße, ist kaum ein Kunde zu sehen. Das Mode- und Beauty-Geschäft „Lieblings“ musste wegen Insolvenz schließen. Einen Nachfolger gibt es jedoch schon: die britische Möbelkette Habitat.

Im Herrenmodengeschäft Crestline im MA steht Geschäftsführer Roland Gleis zwischen Anzügen und bunten Shirts. Fast genau vor einem Jahr seien sie hier eingezogen, erzählt er. „Natürlich sind wir nicht so hochfrequentiert wie die Läden auf der Zeil.“ Selbst viele Frankfurter würden die Geschäfte hier nicht kennen. „Wir müssen noch mehr werben.“ Er sei allerdings optimistisch. Die Kunden, die den Weg zu ihnen fänden, seien begeistert – und Mundpropaganda sei doch die beste Werbung.

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