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World Club Dome in Frankfurt Feiern trotz Terror

Drei Tage genießen die Fans des World Club Dome im Frankfurter Waldstadion die Musik und die DJs aus aller Welt. Auch Sven Väth ist zurück in Frankfurt.

World Club Dome 2017
Oben wird der Takt vorgegeben und auf den Tanzflächen tobt die Party. Foto: Rolf Oeser

Sonntagabend, Stadionbad, Sven Väth ist zurück. In Frankfurt, wo alles angefangen hatte, wo er einst berühmt wurde und wo sie ihn dann irgendwann schlicht „der Papa“ nannten. Mal eine Grimasse ins Publikum, dann die Hände hoch, dann mit der Platte wedeln. Ein Techno-DJ bei der Arbeit, er macht das ganz unaufgeregt, denn er macht das schließlich seit 35 Jahren.

Im Publikum machen sie Videos von ihm, feiern ihn und seine Musik, tanzen, trinken, rauchen. Viele mit freiem Oberkörper, die Sonne ist gerade hinter den Baumwipfeln… „Hey! Was schreibst du da? Lass mich auch mal was schreiben.“ Der junge Mann malt vier Buchstaben: „Pepp“. Nein, er brauche keine Amphetamine (auch „Pep“ genannt), er verkaufe auch nichts. „Ist mir einfach gerade so eingefallen.“

Schreibe das Wort auf, das dir als erstes in den Sinn kommt. Hier die Ergebnisse des Publikums von Sven Väth: Spaß, Happy/fun, awesome, ficken, Liebe, Party, Gras, dancen, garnix, Papa, geil, feiern, Kacke, Brüste, Apfel, Musik, Kopf, Freude, Techno Sven Väth, alte Schule, gordan gogoni, since 1981, Balkan Offenbach, Herz (gemalt), Sonne, Liebe, Penis.

Es ist der letzte Festivaltag beim World Club Dome. Einigen ist anzusehen, dass sie drei Tage gefeiert haben. Von Freitag bis Sonntag sind nach Angaben des Veranstalters mehr als 140 000 Menschen auf das Stadiongelände gekommen, bis zu 45 000 am Tag. Zehntausende haben gleichzeitig im Waldstadion mit internationalen Stars elektronischer Musik gefeiert. Während in der Arena vor allem „Electronic Dance Music“ (EDM) zu hören ist, legen die DJs im Stadionbad Tech-House und Techno auf. Bereits am Freitag spielten Hardwell und Afrojack ihre Shows im Stadion, am Samstag waren Robin Schulz, Dimitri Vegas & Like Mike und Steve Aoki dran.
Samstagnacht, Waldstadion. Auf der Bühne steht Deadmau5 (ja, mit einer fünf am Ende geschrieben). Sein Markenzeichen: Er spielt mit einer Mausmaske auf dem Kopf. Aber da müssen die Besucher auf den hinteren Rängen bei seinem Auftritt schon sehr genau hinschauen, um das zu erkennen. Der Veranstalter Big City Beats hat über die gesamte Breite des Spielfeldes im Waldstadion eine Wand aus Boxen und LED-Flächen aufbauen lassen, eine groß dimensionierte Licht-und-Schall-Maschine. Und irgendwo war da auch noch ein DJ-Pult. Und davor eben der kanadische DJ mit der Mausmaske.

Sarah und Marlen sind gerade dabei, die Deadmau5-Show mit Fotos zu dokumentieren. Beide sind 23 Jahre alt, beide aus der Wetterau. Sie sind zum dritten Mal gemeinsam beim World Club Dome. Sie wissen, dass am Tag zuvor das Festival „Rock am Ring“ in der Eifel wegen des Verdachts eines Terroranschlags unterbrochen wurde. „Es sollte stärker kontrolliert werden“, sagt Marlen, die wie ihre Freundin Sarah lieber nicht mit Nachnahmen in der Zeitung stehen will. Sie seien am Eingang nur grob abgetastet worden und in ihren Taschen habe auch niemand genau nachgeschaut, moniert sie.

Ob sie Angst haben? „Man hat das schon im Hinterkopf“, sagt Marlen, Angst habe sie aber keine. „Ich verdränge das“, sagt ihre Freundin. Etwa eine Stunde nach dem Auftritt von Deadmau5 am Samstag sterben in London Menschen bei einem Anschlag.

„Sehr oft hatten wir an den drei Tagen Beschwerden darüber, dass die Leute zu lasch kontrolliert worden seien“, berichtet Sascha Schwetschenau, der Einsatzleiter der Polizei beim World Club Dome. Das habe man so aus den Vorjahren noch nicht gekannt.

Insgesamt seien die Besucher „wachsam“ gewesen, auffällige Gegenstände seien ihnen gemeldet worden. Größere Zwischenfälle sind dem Einsatzleiter bis zum Sonntagabend nicht bekannt. „Aus polizeilicher Sicht ist es eine ruhige und friedliche Veranstaltung“, sagt Schwetschenau.
Big City Beats hatte vor der Veranstaltung mitgeteilt, der Schutz der Besucher habe „höchste Priorität“, und „sehr intensive und gründliche Eingangskontrollen“ angekündigt.

Am Sonntag laufen Polizisten teils mit Maschinengewehr über das Festivalgelände. Während Sven Väth seine Platten spielt, sitzt Lea Schlosser mit zwei Freundinnen in einiger Entfernung zur Bühne auf dem Rasen des Stadionbades. „Die Sicherheitskontrollen geben einem schon ein Gefühl von Sicherheit“, sagt die 22-jährige Frankfurterin. Ihre Freundin Stephanie Klemm berichtet in dem Zusammenhang von einer „Miniexplosion“ am Freitag. Die sei Teil der Show im Waldstadion gewesen. „Viele Leute haben sich da mega erschreckt“, berichtet die 23-Jährige.

Vom Anschlag in London in der Nacht zuvor wollen sich die drei Frauen das Festival am Sonntag nicht vermiesen lassen. „Frech“ finden sie aber die Getränkepreise sowie das Pfandsystem. Ein Bier (0,4 Liter) kostet beim World Club Dome 4,30 Euro. Dazu kommen 1,50 Euro Pfand für einen Plastikbecher; die Pfandmarken gelten immer nur am selben Festivaltag, weshalb am Sonntag auf dem Boden vor Getränketheken nicht mehr gültige Pfandmarken vom Vortag herumliegen.
„Love is in the air“, ruft Sven Väth Sonntagabend am Ende seines Auftritts beschwörend seinen Fans zu. Stunden zuvor hatte er bereits über Facebook in Reaktion auf den Anschlag in London mitgeteilt: „Eins ist klar, niemand kann uns stoppen.“

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