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Women's March in Frankfurt „Die Muschi schlägt zurück“

Rund 2100 Menschen haben am Samstag in Frankfurt bei einem „Women's March? für die Rechte von Frauen und Minderheiten demonstriert. Auch wenn es keine Anti-Trump-Demo war, fiel immer wieder sein Name.

Women's March in Frankfurt. Foto: Monika Müller

Pussy strikes back“, steht in pinker und schwarzer Filzstiftfarbe auf einem der Demo-Schilder. Übersetzt heißt das so viel wie „Die Muschi schlägt zurück“. „Das ist meine Antwort auf Donald Trumps Satz: ‚Grab her by the pussy‘ also ‚Greif ihr an die Muschi‘“, sagt Verena Franke aus Gießen. Die 44-Jährige findet es erschreckend, dass er als US-Präsident damit so ein „widerliches, sexistisches Verhalten gegenüber Frauen legitimiert, statt ein Vorbild zu sein“. Sie ist eine von laut Polizeiangaben rund 2100 Teilnehmern des „Women’s March Frankfurt“, die am Samstag durch die Innenstadt gelaufen sind.

„Das ist hier aber keine Anti-Trump-Demonstration“, betont Micaela Leon, eine der vier Frankfurter Initiatorinnen. Zwei von ihnen sind gebürtige US-Amerikanerinnen, die anderen beiden Deutsche. Leon selbst hat als Deutsche lange in New York gelebt und ist besorgt wegen des wachsenden Populismus in den USA und Europa. „Wir setzen uns für die Rechte aller Minderheiten ein. Frauenrecht ist Menschenrecht.“ So sei die Demo auch ein Kampf für die Gleichberechtigung von Flüchtlingen, Schwarzen, Homosexuellen oder Menschen mit Behinderung.

Der vom Frauenreferat unterstützte „Women’s March Frankfurt“ ist so etwas wie die kleine Schwester des „Women’s March on Washington“ (D.C.), der auch heute stattfindet und bei dem laut Veranstalter eine halbe Million Menschen gekommen sind. Eine der beiden amerikanischen Initiatorinnen ist die pensionierte Rechtsanwältin Teresa Shook, die den „Women’s March“ kurz nach dem Sieg Trumps plante, weil sie so schockiert war, „dass ein Mann mit derartigen Ressentiments eine Wahl gewinnen konnte“. In München, Heidelberg und Berlin gingen jeweils mehrere Hundert Menschen auf die Straße. Weltweit waren nach Angaben der Veranstalter Proteste in rund 150 Städten außerhalb der USA geplant.

Von der Alten Oper über die Zeil bis zum Römer geht es tatsächlich im Marschierschritt – und nicht wie bei vielen anderen Demos in gefühlter Slow Motion – vorwärts. Die meisten Teilnehmer sind weiblich, aber auch ein paar Männer laufen mit. Wie der Brite Ben (31), der in Frankfurt mit seiner amerikanischen Verlobten lebt. „Natürlich bin ich für Gleichberechtigung von Frauen. Da bin ich auch als Mann in der Pflicht.“ Die meisten Schilder oder Demo-Rufe sind auf Englisch: „No means no“ („Nein bedeutet Nein“) und „Hear our voice“ („Hör unsere Stimme“) rufen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer wieder. Die Demo ist friedlich: Seifenblasen und Trommeln für die Gleichberechtigung.

Stefanie (37) aus Frankfurt ist mit ihrer Bekannten Alessandra (29) aus Luxemburg hier. Stefanie sagt: „Uns ist bewusst, dass wir hier in Europa als weiße Frauen privilegiert gegenüber anderen Frauen auf der Welt sind.“

„Immer wieder Sprüche“

Aber auch hier sei Sexismus ein großes Thema: „In Frankfurt muss ich mir immer wieder widerliche Anmachsprüche von Männern anhören. Neulich sagte einer zu mir: ‚Willst du auf meinem Schwanz sitzen?‘“ Außerdem sagt sie, hätten Männer in der Berufswelt „immer automatisch die Vorschusslorbeeren“. „Und wenn man sich als Singlefrau bewusst gegen das Konzept ‚Mann und Kinderkriegen‘ entscheidet, muss ich mich immer noch rechtfertigen. Das nervt.“

Alessandra aus Luxemburg betont: „Frauen müssen alles leisten: Gut aussehen, gut im Bett sein, ihren Job toll machen, Autoreifen wechseln und dabei noch am besten Highheels tragen. Und das ist dann immer noch nicht genug.“ Cordula (29) aus Frankfurt sagt: „Ich fühle mich als homosexuelle Frau diskriminiert: Wieso darf ich keine Kinder adoptieren?“

Zwei Stunden dauert der „March“, eine Frau trägt „Hello-Kitty“-Ohrenschützer gegen die Kälte. Dann folgen Reden am Römerberg. Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sagt, dass in Zeiten, wo Populisten wie Trump die Welt regierten: „Wir leider wieder auf die Straße gehen müssen: Gegen Sexismus und für unsere Gleichberechtigung.“

Viele US-Amerikanerinnen, die in Frankfurt leben, sind ebenfalls gekommen. „Ich bin gerade für drei Jahre nach Frankfurt gezogen und was meine Freunde aus den USA berichten, ist erschreckend. Viele Männer verlieren seit Trumps Wahl den Respekt vor Frauen. Immer mehr trauen sich und greifen Frauen tatsächlich in den Schritt“, erzählt Tenly Smith (53).

Und auch wenn es keine offizielle Anti-Trump-Demo ist, fällt immer wieder sein Name. Auf einem Schild steht: „Fuck Trump.“

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