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Wohnungsmarkt Mieter Makler bestellt, Makler bezahlt

Bei Wohnungsvermittlungen sollen künftig nicht mehr Mieter, sondern Vermieter den Makler bezahlen. Die Pläne der Politik stoßen bei den Frankfurter Mietervereinen auf Zustimmung. Makler bezeichnen die Pläne dagegen als "kurzsichtig". Einen nennenswerten Schaden für ihr Geschäft fürchten sie in der Region mit ihren hohen Mieten aber nicht.

Wohnraum in Frankfurt ist und bleibt begehrt und teuer. Foto: Peter Jülich

Wer in Frankfurt und Umgebung eine provisionsfreie Wohnung sucht, braucht in der Regel einen langen Atem. Die rund 2100 Suchtreffer für Mietwohnungen in der Stadt, die etwa das Onlineportal Immobilienscout 24 anzeigt, schrumpfen auf gut 500 Angebote, sobald der Suchende das Häkchen „provisionsfrei“ setzt. Das könnte sich bald ändern, denn die neue Bundesregierung hat kürzlich im Koalitionsvertrag die Absicht verankert, das Geschäft mit Wohnungsvermittlungen neu zu regeln. Demnach müsste künftig nach dem „Bestellerprinzip“ derjenige die Maklergebühren zahlen, der den Makler beauftragt hat.

Bislang lassen Vermieter die Courtage für die von ihnen beauftragten Makler häufig vom Mieter zahlen. Bei zwei Monatsmieten plus Mehrwertsteuer seien das „sehr hohe Kosten bei ohnehin hohen Mietpreisen“, sagt Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins Frankfurt. Er begrüßt die Pläne der großen Koalition als „Schritt in die richtige Richtung“. Es sei „aus Mietersicht nicht einsehbar, dass derjenige, der eine Wohnung anpreist, seinem Mieter die Vermittlungskosten aufdrückt“. Das Bestellerprinzip werde zu einer „deutlichen Entlastung“ der Mieter führen, gerade in Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet.

Vermieter könnten Kosten umlegen

Eine Sichtweise, die Makler als kurzsichtig zurückweisen. Stephan Schlocker, Sprecher und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Immobilienverbands Deutschland (IVD) Region Mitte mit Sitz in Frankfurt bezeichnet die Absichtserklärung der Bundesregierung als „bedauerlich“ und „populistisch“. Das Bestellerprinzip werde dazu führen, dass „Vermieter die Provisionskosten auf die Mieter umlegen“, etwa in Form erhöhter Kaltmieten.

Rolf Janßen vom Mieterschutzverein widerspricht dieser Einschätzung. Es sei ja umgekehrt auch nicht so, dass Vermieter es in ihre Mietkalkulation einbezögen und Preise senkten, sobald Mieter Courtage zahlten. Auch Jürgen Lutz vom Verein Mieter helfen Mietern hält solche Mietsteigerungen für unwahrscheinlich. In Frankfurt werde ohnehin bereits „die Obergrenze der Mieten ausgereizt“. Lutz hofft nun auf eine Formulierung des Gesetzgebers, die keine „Schlupflöcher“ lasse für Maklerverträge, in denen Mieter bei Wohnungsbesichtigung unterschreiben müssten, dass sie Auftraggeber seien.

Fehlender Wohnraum bleibt Hauptproblem

Während in einer kürzlich vom Immobilienportal Immonet erstellten Umfrage unter Maklern drei Viertel der Befragten befürchten, dass Vermieter ihre Immobilien künftig in Eigenregie vermarkten, sieht Makler Schlocker keine existenzbedrohende Situation für sein Gewerbe. Dafür sei der Bedarf an rechtlicher Beratung in Mietvertragsfragen zu hoch. „Wir befürchten keine Einbrüche des Maklergeschäfts.“ Die Erfahrungen auf dem Markt mit Gewerbeimmobilien hätten gezeigt, dass Maklerleistungen trotz Bestellerprinzips in Anspruch genommen würden.

Und: „Wer uns als Makler bezahlt, ist uns relativ egal.“ Schlocker kritisiert zudem, dass das eigentliche Problem steigender Mietpreise aufgrund fehlenden Wohnraums durch eine Neuregelung des Vermittlungsgeschäfts nicht gelöst werde. Helge Ziegler, juristischer Vorstand vom Bundesverband für die Immobilienwirtschaft (BVFI) in Frankfurt sagt zudem, dass abzuwarten bleibe, wie die Koalition das Bestellerprinzip gesetzlich regele. Es sei nicht gesagt, „dass am Ende nur der Vermieter zahlt“ und so das Maklergewerbe Schaden nehme. Schließlich beauftragten auch Mieter Makler, zudem seien Regelungen denkbar, bei denen Mieter und Vermieter sich die Maklerkosten teilten.

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