Wohnungsmangel in Frankfurt Studierende ohne Wohnung

Der Mangel an Wohnungen in Frankfurt verschärft sich drastisch. Einzelne private Wohnheim-Anbieter verlangen mehr als 700 Euro für Mikro-Appartement.

Wohnungssuche an einer Pinnwand der Uni: Es gibt Momente im Leben, an die möchte man nicht erinnert werden. Fotograf: Andreas Arnold

Die Wohnsituation für die knapp 62.000 Studierenden in Frankfurt hat sich zum Beginn des neuen Semesters noch einmal drastisch verschlechtert. Unter den 91 deutschen Universitätsstädten mit mehr als 5000 Studierenden ist die Lage nur in München noch prekärer. Dies ist das Ergebnis einer umfassenden empirischen Untersuchung, die am Montag das Moses Mendelssohn Institut (MMI) in Berlin in Kooperation mit dem Immobilienportal WG-Gesucht.de vorgelegt hat.

Auf dem sogenannten „Anspannungs-Ranking“ der deutschen Großstädte ist Frankfurt im Vergleich zum Vorjahr um vier Plätze nach oben gerückt und unter anderem an Köln, Hamburg und Stuttgart vorbeigezogen. Als Durchschnittspreis für ein WG-Zimmer in Frankfurt ermittelten die Fachleute 460 Euro im Monat. Noch im Jahre 2013 hatte er bei 400 Euro gelegen.

Instituts-Direktor Stefan Brauckmann bestätigte im Gespräch mit der FR, dass einzelne private Wohnheim-Anbieter in Frankfurt in der Spitze mehr als 700 Euro für Mikro-Appartements verlangten. „Einige Projekte werden als studentisches Wohnen vorgestellt, tatsächlich aber an Berufstätige vermietet.“

Zum Vergleich: In den neunzehn Universitätsstädten, in denen die Lage am entspanntesten ist, also etwa in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern oder im niedersächsischen Wolfenbüttel, kostet ein WG-Raum nur 262 Euro im Durchschnitt. Der Durchschnittspreis für alle untersuchten Universitätsstädte liegt bei 349 Euro.

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) reagierte mit Betroffenheit auf die neuesten Daten. „Das wundert uns nicht, aber es freut uns nicht, im Gegenteil“, sagte Josefs Sprecher Mark Gellert. Die Stadt versucht seit 2013, mit einem besonderen finanziellen Förderprogramm den Bau von Wohnheimplätzen für Studierende anzukurbeln. Bisher mit wenig Erfolg: Für die 62 000 Studierenden in der Stadt gibt es bisher nur 4300 Plätze in Wohnheimen.

Die Stadt setzt sich jetzt zum Ziel, „bis zum Jahre 2020 zusätzlich 1000 Wohnheimplätze zu schaffen“. Frankfurt stehe mit den anderen Universitäten in Deutschland „im Wettbewerb um die klügsten Köpfe“, so Gellert.

Um zusätzliche Anreize für private Bauherren zu schaffen, sind die städtischen Förderrichtlinien gerade erst im Juli noch einmal verändert worden. Aber tatsächlich vermag das Planungsdezernat gegenwärtig nur zwei Projekte zu nennen. An der Ginnheimer Landstraße entstehen 180 Wohnheimplätze, Bauherr ist das Studentenwerk. Am Unterweg im Nordend will der Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden ein Gebäude mit 57 Wohnheimplätzen errichten.

Allein das Projekt an der Ginnheimer Landstraße fördert die Stadt mit 5,7 Millionen Euro. Für das Bauvorhaben am Unterweg fließen noch einmal 680 000 Euro. Die Stadt stellt interessierten Bauherren eine zentrale Bedingung, um gefördert zu werden: Die monatliche Warmmiete für ein Zimmer darf nicht mehr als 350 Euro betragen. „Diese Miete halten wir für Frankfurt für angemessen“, urteilt Gellert.

In die Untersuchung, die es jetzt zum vierten Mal gibt, gingen 23 verschiedene Faktoren ein. Dazu zählen die Mieten für ein WG-Zimmer, das Immobilien-Angebot in der jeweiligen Stadt, die Entwicklung der Zahlen von Studierenden und Erstsemestern sowie die Alterstruktur in einer Kommune.

Das Institut ermittelte, dass Wohnheime in der unmittelbaren Nähe des Campus bei den Studierenden gar nicht so beliebt sind. Das gelte in Frankfurt etwa für den Riedberg weit außerhalb des Stadtzentrums. „Die Leute wollen lieber in einer zentralen Lage wohnen, wo es bessere Infrastruktur-Angebote gibt.“

Neben Frankfurt und dem negativen Spitzenreiter München zeigen noch Köln, Hamburg und Stuttgart eine fast vergleichbar angespannte Wohnungssituation. Stefan Brauckmann, Direktor des Moses Mendelssohn Instituts, sagte dazu: „Während München in Sachen des schwierigen Wohnungsmarktes für Studierende lange Zeit eine absolute Sonderstellung hatte, machen diese jetzt auch in anderen Städten ähnliche Erfahrungen.“

Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, die Studierenden könnten ihre Unterkunft „oft nur mit Extra-Einnahmen wie Eltern-Zuschüssen oder Jobs“ finanzieren. Das Institut fordert „zusätzliche Angebote auf dem Wohnungsmarkt in spürbarem Umfang“. Sie seien „dringend notwendig, um die Situation zu entschärfen“.

Brauckmann spricht offen aus, dass Bundesländer und Städte alleine nicht in der Lage seien, Abhilfe zu schaffen. Bundesweit, so hat es das Institut ausgerechnet, fehlen etwa 300 000 Kleinwohnungen für Studierende. „Die öffentliche Hand kann die Beträge nicht aufbringen, die notwendig wären, um diese Defizite auszugleichen“. Ziel müsse sein, zumindest für zehn Prozent der Studierenden Wohnheimplätze bieten zu können – das ist der bundesweite Durchschnitt. In Frankfurt beträgt die Quote lediglich sieben Prozent.