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Wohnsituation Anwohner sind besorgt

Die dichte Bebauung am Sachsenhäuser Berg sorgt bei Anwohner für Missfallen, vor allem das dadurch steigende Verkehrsvorkommen. Für mehr als 2000 Menschen soll das Quartier die neue Heimat werden.

Langjährige Anwohner fürchten zusätzlichen Verkehr. Foto: christoph boeckheler*

Wie eine Wand aus Beton ragen entlang des Hainer Wegs die neuen Wohnblocks auf. Vier, fünf, sechs Stockwerke hoch. Eine große Werbetafel preist das künftige Leben im Grünen, von dem noch nicht viel zu sehen ist. Noch stehen die Häuser erst im Rohbau, der erste Abschnitt des Quartiers rund um den ehemaligen Henninger-Turm am Sachsenhäuser Berg. 2000 Menschen sollen einmal hier leben in 800 Unterkünften.

Es ist ein Paradebeispiel für das neue, verdichtete Wohnen, an das sich Frankfurt gewöhnen soll. Die Stadt wächst rasant, hat wohl schon die Marke von 715 000 Einwohnern überschritten. Und die Menschen sollen deshalb näher zusammenrücken – das ist das Credo der schwarz-grünen Stadtregierung, aber auch von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Am Hainer Weg lässt sich studieren, was das bedeutet: Die Wohnblocks stehen tatsächlich dicht, zwischen den Häusern bleibt nicht viel Platz.

Unter den Anliegern, die zum Teil seit Jahrzehnten hier am Berg leben, in ihren Villen, eingebettet in viel Grün, sorgen die künftigen Nachbarn schon jetzt für Unruhe. Sie stehen vor den Rohbauten und schütteln die Köpfe: „Das ist einfach zu eng“, sagt die Pensionärin Ingrid Wollmann, die am Sachsenhäuser Berg aufgewachsen ist und seit 1948 hier wohnt. „Es ist zu dicht“, assistiert Thomas Hallstein, der am Wendelsweg lebt und das neue Quartier seit den ersten Plänen 2008 kritisch begleitet.

Im idyllischen Garten des 55 Jahre alten Computer-Fachmanns sammeln die protestierenden Anwohner sich um einen runden Tisch. Und rechnen vor: 2000 neue Nachbarn, das bedeute nach dem statistischen Durchschnitt der Motorisierung in Deutschland 1056 zusätzliche Automobile. „Der Hainer Weg schafft das unmöglich“, kritisiert Inge Schmalz, die seit 1973 hier lebt. Als einziges Nadelöhr und Verbindung zur Darmstädter Landstraße bleibe die schmale Geleitsstraße. „Die Darmstädter Landstraße ist schon heute in den Hauptverkehrszeiten völlig überlastet, ein einziger Stau“, klagt Hallstein. Inge Schmalz sieht auch voraus, „dass künftig alle Straßen hier zugeparkt werden.“ Die städtischen Planer verweisen beruhigend auf den Bebauungsplan Nr. 847 „Rund um den Henninger Turm“ aus dem Jahre 2009. „Da ist die Verkehrsproblematik abgearbeitet worden“, sagt Volker Meisinger-Persch, Referent von Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne).

Bauherr des neuen Wohnviertels ist der 35-jährige Daniel Hopp, Sohn des Milliardärs Dietmar Hopp. Der von ihm berufene Projektleiter Jörg Janson weist die Befürchtungen der Anwohner zurück: „Wir schaffen ausreichend Parkfläche.“ Unter allen Wohnblocks gebe es Tiefgaragen. Am neuen Henninger-Hochhaus entstehe zusätzlich ein Parkdeck mit 400 Stellplätzen.

Empfohlen wurde im Bebauungsplan 2009 zur Erschließung des neuen Wohnviertels, die westliche Geleitsstraße „zwischen der Darmstädter Landstraße und dem Hainer Weg für einen Zweirichtungsverkehr“ zu öffnen. Der Ortstermin zeigt, dass dies inzwischen geschehen ist. Die Belastung auf dem Hainer Weg sei zu Zeiten der Henninger-Brauerei „um ein Vielfaches höher“ gewesen, so Projektleiter Janson.

Doch den protestierenden Bürgern geht es um mehr. „Die Stadt hat dem Investor Zugeständnisse gemacht, aus reinen Gründen der Kapitalmaximierung“, sagt Hallstein. Zu dem 27 Hektar großen Bebauungsplan-Gebiet gehört der zwei Hektar große Park samt der Villa, in dem der frühere Besitzer der Henninger-Brauerei, Bruno H. Schubert, bis zu seinem Tod 2010 lebte. Noch im Bebauungsplan von 2009 wird die Villa, ein Beispiel der Nachkriegs-Moderne der 50er Jahre, als „denkmalrechtlich geschützt“ bezeichnet. Noch am 31. Juli 2009 hatte auch der Ortsbeirat 5 den „Erhalt des Parks der Villa Schubert in seiner jetzigen Form“ gefordert. Mittlerweile hat die Stadt dem Abriss des Gebäudes zugestimmt. Im Park sollen hochwertige „Stadtvillen“ mit lukrativen Eigentumswohnungen entstehen.

Die Anwohner führen den Besucher zu den Villen Wendelsweg 72 und 74, ebenfalls aus den frühen 50er Jahren. Sie sollen, sagt Thomas Hallstein, zugunsten einer Zufahrtsstraße zu den künftigen „Stadtvillen“ abgerissen werden. Beide Häuser gehörten bereits der Actris GmbH des Investors Hopp. Das bestätigt auch Projektleiter Janson. Ob die Häuser aber abgebrochen würden und die neue Straße gebaut werde, sei nicht sicher: „Es gibt verschiedene Varianten.“

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