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Zoo-Passage Angst vor Verdrängung

Rund 500 Mieter der Zoo-Passage befürchten ihre Wohnungen zu verlieren. Einige sprachen deshalb im Ortsbeirat vor. Der Eigentümer widerspricht den Vorwürfen, Reparaturen am Haus zu verschleppen.

Zoo-Passage
Rund 500 Menschen wohnen in den 200 Wohnungen. Einige haben im Ortsbeirat vorgesprochen. Foto: Michael Schick

Bewohner der Zoo-Passage an der Hanauer Landstraße / Ecke Friedberger Anlage befürchten, dass sie aus ihren Wohnungen im Ostend verdrängt werden sollen. Sie sorgen sich, dass Mieterhöhungen auf sie zukommen und massive Bauarbeiten. Rund 20 Mieter besuchten die jüngste Sitzung des Ortsbeirats 4. „Wir fühlen uns in unserer Existenz bedroht“, sagte Heidi Ivangs-Kariuki, die nach eigenen Angaben für 80 Mieter sprach.

In den mehr als 200 Wohnungen der Zoo-Passage leben rund 500 Menschen. Im Erdgeschoss gibt es Einzelhandel und Gastronomie. Zudem hat dort das Internationale Theater seinen Sitz.

Die Liste der Vorwürfe der Mieter ist lang. „Mehrfach ist die Heizung im vergangenen Winter abgestellt worden“, sagte Ivangs-Kariuki. „Auch das Wasser – und das ohne Hinweis.“ Notwendige Reparaturen, etwa am Aufzug, würden verschleppt, wodurch vor allem alte und behinderte Bewohner Probleme hätten. Arbeiten in den Wohnungen würden oft von den Hausmeistern abgelehnt oder hätten lange Wartezeiten. In manchen Wohnungen gebe es Baumängel, etwa Schimmel.

Dem widerspricht der Eigentümer, der namentlich nicht genannt werden möchte, vehement. Die Vorwürfe seien „an den Haaren herbeigezogen“. So sei die Heizungsanlage im Herbst 2017 für 250 000 Euro komplett erneuert worden. „Dabei wurde darauf geachtet, dass eine Grundversorgung stets gegeben war.“ Strom oder Wasser seien nicht willkürlich abgestellt worden. Allenfalls bei Notfällen, etwa bei Rohrbrüchen und Kurzschlüssen, würden die Leitungen abgedreht.

TÜV-Prüfungen dokumentiert

Nicht richtig sei, dass die Aufzüge Probleme bereiteten. Sie seien sehr gut gewartet. „Alle Wartungen und TÜV-Prüfungen sind dokumentiert.“ Dass es bei Reparaturen zu kurzen Stilllegungen komme, liege in der Natur der Sache und sei nicht anders zu machen. Sowie sich Mieter wegen Schäden in ihren Wohnungen an die Hausmeister wendeten, „wird sich unverzüglich darum gekümmert“, auch bei Schimmel. Dass es bei 207 Wohnungen einmal zu Wartezeiten komme, lasse sich nicht ganz verhindern. Anliegen könnten Mieter zudem in regelmäßigen Sprechstunden äußern. Allerdings werde das Angebot kaum wahrgenommen.

Sorgen bereitet den Mietern der Zoo-Passage auch, dass die Bindung der Sozialwohnungen Anfang 2019 nach 30 Jahren auslaufen. Sie befürchten, dass dann die Mieten um die maximal zulässigen 15 Prozent steigen werden – und dann erneut alle drei Jahre. Zudem habe ein Mitarbeiter des Eigentümers angekündigt, dass ab 2020 Sanierungsmaßnahmen anstünden, die weitere Mieterhöhungen mit sich brächten. Auf eine Anfrage der Mieter beim Amt für Wohnungswesen wurde ihnen schriftlich mitgeteilt, dass eine Verlängerung der Sozialbindung mit kommunalen Mitteln der Stadt nicht möglich sei.

Der Eigentümer der Zoo-Passage bestätigte, dass die Mieten ab Januar nach dem Ende der Sozialbindung um 15 Prozent angehoben werden. „Eine darüber hinausgehende Erhöhung wird es nicht geben.“ Auch seien aktuell keine Baumaßnahmen im Wohnungsbereich geplant.

Jürgen Ehlers von der Nachbarschaftsinitiative Nordend, Bornheim, Ostend unterstützt die Mieter. Er geht davon aus, dass sie verdrängt werden sollen, damit die Wohnungen anschließend neu vergeben werden können. Auf die Mieter kämen Mieterhöhungen, Dreck und Krach zu. „Irgendwann ziehen die Leute aus, wenn sie die Nerven verlieren.“ Er forderte den Ortsbeirat auf, dem Eigentümer genau auf die Finger zu schauen.

Der Ortsbeirat könne sich „in privatrechtliche Dinge schlecht einmischen“, sagte SPD-Chef Darius Shafiei. Dennoch werde das Gremium versuchen, den Mietern zu helfen. Denkbar sei etwa, dass die Stadt mit dem Eigentümer verhandele, so Volker Marx von Die Linke, „dass die Sozialbindung verlängert wird“.

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