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Wohnungsmarkt Weniger Zwangsräumungen

Die Zahl der Mieter, die in Frankfurt aus ihren Wohnungen geworfen werden, sinkt. Die Stadt führt diese positive Entwicklung auf eine zentrale Beratungsstelle zurück. In ihr können sich Menschen, die von einer Räumungsklage betroffen sind, beraten lassen.

Die Notunterkunft: Hier kommen Menschen unter, die ihre Wohnung verloren haben Foto: Rolf Oeser

Die Zahl der Zwangsräumungen von Mietwohnungen in Frankfurt geht zurück. Wie das Sozialdezernat der Frankfurter Rundschau auf Nachfrage mitteilte, wurden bis Ende Oktober dieses Jahres 371 Wohnungen zwangsweise geräumt. Im vergangenen Jahr hatte die Zahl noch bei 511 und 2012 noch bei 808 gelegen. Im Jahr 2011 waren sogar 964 und 2010 insgesamt 986 Wohnungen vom Gerichtsvollzieher geräumt worden. Auch die Zahl der gerichtlich terminierten, letztlich aber nicht vollzogenen Räumungen ist rückläufig: Bis Ende Oktober dieses Jahres gab es insgesamt 651 festgelegte Räumungstermine, im vergangenen Jahr waren es noch 961 und 2012 noch 1447 gewesen.

Die Stadt führt die positive Entwicklung darauf zurück, dass Mieter, die mit ihrer Miete im Rückstand oder bereits von einer Räumungsklage betroffen sind, seit August 2012 in der zentralen Stelle „Hilfe zur Wohnungssicherung“ beraten werden, die im Sozialrathaus Gallus angesiedelt ist. Während die Hilfe für bedrohte Mieter früher dezentral in allen Sozialrathäusern geleistet worden sei, kümmerten sich im Sozialrathaus Gallus nun 28 Mitarbeiter ausschließlich darum, „den Verlust der Wohnung zu verhindern“, sagte Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), der FR. Weil das Team nicht mehr „von anderen Aufgaben absorbiert“ sei, könne den Betroffenen effektiver geholfen werden.

Auch die Stadt profitiert

Schon bei der Einrichtung der Beratungsstelle vor zwei Jahren habe man gehofft, die Zahl der Zwangsräumungen durch die Zentralisierung und die Verbesserung von Arbeitsabläufen senken zu können, sagte Skotnik. Jetzt sehe es so aus, als habe das Projekt Erfolg. Neben der besseren Hilfe für die Betroffenen sei es auch für die Stadt einfacher und günstiger, die Mieter beim Verbleib in ihrer Wohnung zu unterstützen: Eine Notunterkunft und eine neue Mietwohnung zu finden, sei allemal aufwendiger.

Das wichtigste Mittel zur Abwendung einer Zwangsräumung ist Geld. Die meisten Räumungen haben mit angehäuften Mietschulden zu tun. Um die Vermieter säumiger Mieter von einer Kündigung und einer Klage abzuhalten, können Kommunen die Mietschulden der Betroffenen übernehmen. Das Sozialdezernat hat dafür bis Ende Oktober dieses Jahres 3,1 Millionen Euro ausgegeben. Diese Zahl liegt etwa auf dem Niveau der vergangenen Jahre: 2013 hatte die Stadt 3,73 Millionen Euro für die Übernahme von Mietschulden aufgewendet, 2012 insgesamt 3,42 und 2011 rund 3 Millionen.

Jürgen Lutz, Vorstandsmitglied von Mieter helfen Mietern, sagte der FR, die Zusammenlegung der Berater in einem Team sei „natürlich sinnvoll gewesen“. Von Zwangsräumungen erfahre sein Verein aber nur in Ausnahmefällen, sagte Lutz. „Menschen, die in diese Notlage gekommen sind, werden zumeist nicht Mitglied im Mieterverein.“

Durch die Diskussion um ein „Recht auf Stadt“ haben Zwangsräumungen in den letzten Jahren bundesweit zunehmend Aufmerksamkeit erfahren, in Berlin und Hamburg wurden bereits Räumungen durch Proteste behindert oder sogar verunmöglicht.

Hilfe zur Wohnungssicherung finden Betroffene aus ganz Frankfurtim Sozialrathaus Gallus in der Rebstöcker Straße 8. Termine unter 069 / 21 23 81 89.

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