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Wohnungsbau Quartier für 2000 Menschen

Statt der Siemensstadt plant die Stadt auf dem derzeit ungenutzten Areal ein neues Wohngebiet. In Bockenheim soll südlich der Rödelheimer Landstraße ein Quartier entstehen, in dem das Wohnen dominiert. Die Pläne sollen bald den Bürgern vorgestellt werden.

Die Flächen südlich der Rödelheimer Landstraße liegen zum Teil brach. Foto: Sascha Rheker

Vor zehn Jahren war der Katzenjammer im Römer groß. Denn die „Siemensstadt“ gehörte damals zu den Renommierprojekten der Frankfurter Stadtregierung – und Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hatte mit dem Vorstand des Welt-Konzerns Siemens über das 600 Millionen Euro teure Vorhaben verhandelt. In Bockenheim, südlich der Rödelheimer Landstraße, wollte Siemens seinen Traditionsstandort erheblich ausbauen – und dazu noch einige Wohnungen errichten.

Doch das Unternehmen zog das „Projekt 343 West“ zurück – unter anderem wegen finanzieller Probleme. Seither ging auf dem rund 30 Hektar großen Areal nicht mehr viel: Siemens sitzt noch immer an der Rödelheimer Landstraße, ansonsten gibt es kleinere Gewerbetriebe und einige Wohnhäuser. Die Flächen sind untergenutzt, liegen zum Teil brach. Das soll sich jetzt ändern.

Neuer Kurs der Planer

Im Zeichen des Wohnungsmangels in Frankfurt schlagen die städtischen Planer einen neuen Kurs ein. Statt der „Siemensstadt“ haben sie ein Quartier entworfen, in dem das Wohnen dominiert. Bis zu 900 Wohnungen für 2000 Menschen sollen auf dem Gelände zwischen Ludwig-Landmann-Straße, Rödelheimer Landstraße und Kasernenstraße gebaut werden. Im Römer-Planungsausschuss am Montag, 20. Januar, stellt Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) den Entwurf vor. „Wir gehen fast auf Start zurück“, sagt Cunitz-Sprecher Mark Gellert.

Eine wichtige Voraussetzung für die Zukunft: Siemens ist nach Darstellung des Planungsdezernats bereit, seinen Standort an der Rödelheimer Landstraße „mittelfristig“ zu räumen, also im Verlauf von fünf Jahren. Siemens-Sprecher Peter Lehnert bestätigt: In einer Machbarkeitsstudie wird derzeit untersucht, ob und wie die 1000 Beschäftigten der Niederlassung in der Siemens-Filiale in Niederrad untergebracht werden können. Dort gebe es bisher 300 Konzernangehörige. Lehnert: „Siemens hat zu viel Platz.“

Die Zukunft in Bockenheim: Ein „zentrales Band“, zusammengesetzt aus öffentlichen Grünflächen, öffentlichen Plätzen und sozialer Infrastruktur, soll in der Mitte das Gelände durchziehen. Nördlich und südlich davon sind Wohnblocks mit autofreien Innenhöfen geplant. In der Mitte des Quartiers, an der Ecke Rödelheimer Landstraße /Birkenweg, ist ein großflächiger Einzelhandel vorgesehen. Stichstraßen führen künftig in das Gebiet hinein. Eine geschlossene Bebauung schließt das Viertel nach Westen hin zur Ludwig-Landmann-Straße ab. Die Gebäude entlang der Straßen dürfen eine Höhe von fünf Geschossen nicht überschreiten. Im Inneren des Quartiers sollen die Wohnhäuser nur drei bis vier Etagen haben. Die Verkehrsflächen der Morsestraße werden ausgebaut, die Straße wird mit der Ludwig-Landmann-Straße verbunden.

Betriebe sollen umziehen

Doch auch für Büros und nichtstörendes Gewerbe soll weiter Raum sein. Von den 28,5 Hektar des gesamten Areals entfallen 27,4 Prozent auf Wohnungsbau, 20,7 Prozent auf Gewerbeflächen, 18,2 Prozent sind Mischgebiete, in denen beides möglich ist. Für das öffentliche Grün und die neuen Plätze bleiben 5,9 Prozent. Ein kleiner Anteil von 1,4 Prozent ist für Kerngebietsflächen reserviert, in denen nur gewerbliche Produktion möglich ist. Die öffentlichen Verkehrsflächen, vor allem Straßen, umfassen 23,9 Prozent, 2,5 Prozent entfallen auf Bahnanlagen.

Mindestens zwei Kitas gehören zur Infrastruktur des Wohngebietes. Sie werden im zentralen Grünstreifen untergebracht. Die Stadtregierung hat diesen Bebauungsplan 834 „Südlich Rödelheimer Landstraße“ bereits beschlossen, jetzt haben im Planungsausschuss die Stadtverordneten das Wort.Die städtischen Planer hoffen, dass neben Siemens „einzelne Betriebe“ im Laufe der nächsten Jahre noch das Gelände verlassen und umziehen. Gespräche, die von der Stadt mit den Unternehmen geführt worden sind, „legen diese Vermutung nahe“. Dann könnten weitere drei Hektar für den Bau von Wohnungen gewonnen werden. Das „zentrale Band“ in der Mitte des Quartiers würde dann um weiteres öffentliches Grün wachsen.

Gewerbebetriebe, die nicht verlagert werden können, will die Stadt in das neue Viertel „integrieren“. Bei drei Betrieben werden Probleme gesehen: Die Schleifscheibenfabrik Burka Kosmos mit ihren „Geruchsemissionen“ sowie zwei Speditionen, von denen „erhöhte Schallemissionen“ ausgingen. Die nahe S-Bahn-Strecke zwischen Westbahnhof und Rödelheim mit ihrem Lärm stellt nach Einschätzung der Planer das künftige Wohngebiet „nicht grundsätzlich in Frage“. Die Stadt verspricht „eine genauere Prüfung anhand des städtebaulichen Entwurfs“.
So schnell wie möglich will die Kommune ihre Vorstellungen auch den Bürgern bei einer Versammlung präsentieren.

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