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Wohnungsbau in Frankfurt Es fehlt an Wasser

Die Pläne für den neuen Frankfurter Stadtteil an der A 5 alarmieren die Schutzgemeinschaft Vogelsberg. Sie fordert eine „sichere und ökologisch vertretbare Wasserversorgung“ für die künftigen Bewohner.

Hier soll der neue Stadtteil entstehen
Die Skyline am Horizont, die A5 vor der Tür: Hier soll der neue Stadtteil entstehen. Foto: Christoph Boeckheler

Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) hat scharfe Kritik an den Frankfurter Plänen für einen neuen Stadtteil an der Autobahn 5 geäußert. Frankfurt setze „seine Politik des möglichst ungebremsten Wachstums fort“. Dies gehe zu Lasten des Umlandes mit seinen kleinen Städten und Dörfern. Mindestens 25 000 Menschen sollen dort einmal leben. Am Dienstag setzte sich die heftige Debatte um das geplante riesige Quartier fort.

Wenn Frankfurt nicht sicherstelle, die 12 000 Wohnungen aus eigener Kraft mit Wasser zu versorgen, könne das Regierungspräsidium den Plänen nicht zustimmen, sagt SGV-Sprecherin Cécile Hahn. Als „Grundvoraussetzung“ für die Frankfurter Baupläne nennt die Schutzgemeinschaft eine „sichere und ökologisch vertretbare Wasserversorgung“. Die aber sei mit den aktuellen Systemen künftig nicht mehr machbar.

Die Probleme der Wasserbeschaffung für das Rhein-Main-Gebiet hätten sich in den zurückliegenden Jahren erheblich verschärft. Immer weniger neues Grundwasser bilde sich. „Ernsthaft darauf reagiert haben Frankfurts Obere darauf bislang nicht.“ Dieses Verhalten entspreche nicht den gesetzlichen Vorgaben. Frankfurt müsse als Grundlage für alle Planungen den Nachweis erbringen, „dass die Stadt die neuen Baugebiete langfristig sicher und selbst mit Wasser versorgen kann“.

Frankfurt müsse in Zukunft zunehmend eigene Ressourcen nutzen. Dies geschehe jedoch nicht. So wäre es zum Beispiel ein Leichtes gewesen, im direkt am Fluss gelegenen Maintor-Viertel die WC-Spülungen mit Mainwasser zu versorgen. Doch trotz aller Aufforderungen der SGV zum Verzicht auf Trinkwasser seien die städtischen Ämter nicht willens gewesen, die entsprechende Infrastruktur zu schaffen. „So fließt kostbares Grundwasser durch die Toiletten“, sagte Hahn am Dienstag.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt begrüßt dagegen den geplanten neuen Stadtteil. Ebenso das geplante interkommunale Gewerbegebiet im Frankfurter Osten.

IHK lobt „ersten Schritt“

„Das sind Schritte zum Zusammenwachsen der Region und die richtige Antwort auf die Herausforderungen“, sagt Matthias Gräßle, der Hauptgeschäftsführer der IHK. Er nennt die Wohnungsbaupläne im Frankfurter Norden allerdings lediglich einen „ersten Schritt in die richtige Richtung“. Die aktuelle Unterversorgung mit Wohnraum, gerade für Fachkräfte, werde damit nicht beseitigt, sondern „nur partiell gelindert“.

Sehr positiv bewertet die IHK das Versprechen der Stadt, zunächst die notwendige Verkehrsinfrastruktur zu schaffen – und dann erst mit dem Wohnungsbau zu beginnen. Es brauche eine Verlängerung der U-Bahn-Linie 6, eine neue Station der S-Bahn-Linie 5 und die Regionaltangente West der Bahn. „Versäumnisse wie im Europaviertel“ sollten vermieden werden. Dort sind die Wohnungen schon bezogen, während der U-Bahn-Anschluss noch gebaut wird.

Die Kammer fordert einen neuen Gesamtverkehrsplan für Frankfurt. Er müsse dem Wachstum von Bevölkerung und Verkehr Rechnung tragen. Weil Frankfurt nicht beliebig erweiterbar sei, brauche es das interkommunale Gewerbegebiet mit Maintal. Die Stadt solle den Mut aufbringen, auch mit anderen Nachbargemeinden die Zusammenarbeit voranzutreiben. Die IHK fordert von der Stadt auch den gezielten Ankauf von Flächen, auf denen Gewerbe angesiedelt und Wohnungen gebaut werden könnten.

Auch an der politischen Basis vor Ort im Frankfurter Norden wird weiter diskutiert. Die Grünen im Ortsbezirk 7 stimmen dem neuen Stadtteil grundsätzlich zu. „Es gibt aus grüner Sicht keine Fläche mehr in Frankfurt, deren Bebauung ökologisch unbedenklich wäre“, sagte Miriam Dahlke, die Sprecherin der Stadtteilgruppe, der FR. Die Grünen stellen sich vor, dass Brücken über die A5 die beiden Teile des künftigen Wohnquartiers verbinden.

Die Bürger für Frankfurt (BFF) sehen in der Zustimmung der Grünen „eine umweltpolitische Bankrotterklärung der Partei“. Hier werde ein Grundwasserschutzgebiet bebaut.

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