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Wohnen in Frankfurt Wochenlang ohne Gas und Wasser

In der Wohnung einer 80-Jährigen aus Frankfurt gibt es seit Wochen weder Gas noch Wasser. Die Stadt kritisiert die Eigentümerin dafür scharf. Die weist alle Vorwürfe zurück.

Wasserhahn
Wasserhahn (Symbolfoto). Foto: dpa

In ihrer Wohnung gibt es kein Wasser mehr und auch kein Gas. Das Mehrfamilienhaus im Frankfurter Nordend, in dem die 80 Jahre alte schwerbehinderte Frau lebt, wird saniert. Die Wohnungen sollen veräußert werden. 70 Prozent seien bereits verkauft, heißt es auf einer Homepage, die die Wohnungen im Haus an der Schleiermacherstraße bewirbt. Dieses gehört der MM&M10 Holding Immobilien und Grundbesitz GmbH.

Inzwischen wohnen nach Angaben von Rechtsanwältin Astrid Peuser, die die Frau vertritt, nur noch diese und ihr Untermieter in dem Haus in Nähe der Berger Straße. Seit Beginn der Arbeiten im März herrsche dort unerträglicher Lärm. Seit Gründonnerstag gebe es nun weder Gas noch Wasser, teilt sie der Frankfurter Rundschau mit. Kochen und sich waschen könnten die beiden nur noch mit Wasser aus Kanistern, die der Untermieter kaufe.

Die Situation sei sehr belastend, sagt dieser der FR. Besonders schlimm sei, dass er der Frau, die er pflege, nicht helfen könne.

Das Planungsdezernat bestätigt auf Anfrage der Frankfurter Rundschau, dass es in dem Haus kein Wasser und kein Gas mehr gibt. Das städtische Amt für Wohnungswesen habe nach einem Hinweis bei einem Ortstermin am 25. April festgestellt, dass die Versorgungsleitungen im Keller des Hauses gekappt seien, sagt Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Es sei aber möglich, den Anschluss wiederherzustellen.

Das Amt habe die Eigentümerin des Hauses daraufhin aufgefordert, die Gas- und Wasserzufuhr wieder zu gewährleisten. Weil diese der Aufforderung nicht nachgekommen sei, habe man nun eine Ersatzvornahme eingeleitet. Ein Handwerker werde in den kommenden Tagen den Anschluss wiederherstellen, sagte Gellert. Die Kosten dafür werde die Stadt der Eigentümerin in Rechnung stellen.

„Es kann nicht sein, dass Menschen in ihrer Wohnung für solch eine lange Zeit Gas und Wasser vorenthalten wird“, sagt Gellert im Gespräch mit der FR. „Die Art und Weise, wie die Eigentümerin vorgeht, verurteilen wir scharf.“

Die Rechtsanwaltskanzlei der Eigentümerin bestätigt, dass in dem Mehrparteienhaus nicht mehr die Möglichkeit besteht, Wasser und Gas zu nutzen. Das Rohbauunternehmen habe aufgrund eines Versehens die notwendigen Leitungen vollständig entfernt, „statt die zu diesem Zeitpunkt lediglich beabsichtigte kurzfristige Versorgungsunterbrechung vorzunehmen“, heißt es in einem Schreiben an die Frankfurter Rundschau.

Die Mandantin habe allerdings „alles in ihrer Macht Stehende getan, um der Mieterin aus ihrer misslichen Lage zu helfen“. So habe sie etwa der Mieterin eine Ersatzwohnung zum selben Mietzins angeboten, in der sie leben könne, bis die bisherige Wohnung wieder zur Verfügung stehe. Diese Wohnung befinde sich in besserer Lage, sei 90 Quadratmeter groß und sei ebenerdig zugänglich. Alle durch den Umzug entstehenden Kosten trage die Eigentümerin.

Der Umzug habe allerdings nicht erfolgen können, da sich die Eigentümerin „seit April 2017 erheblichen, ungerechtfertigten und in der Höhe vollkommen maßlosen Geldforderungen des Untermieters ausgesetzt sieht“, teilt die Kanzlei mit.

Die Rechtsanwältin der Mieterin bezeichnet diese Darstellung auf Anfrage der FR als „völlig unzutreffend“. Sie habe eine Forderung in Höhe von 40 000 Euro gestellt – diese allerdings für ihre Mandantin.

Peuser bestätigt, dass in Vergleichsverhandlungen von einem Umzug der Mieterin und des Untermieters in eine andere Wohnung der Eigentümerin die Rede war. Sie bezweifelt allerdings, dass beide nach Abschluss der Arbeiten dann wieder in ihre derzeitige Wohnung einziehen könnten.

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