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Wohnen in Frankfurt Studentenbuden verzweifelt gesucht

Studierende, die in Frankfurt eine Bleibe suchen, haben ein Problem. Es gibt viel zu wenige Wohnheimplätze in der Stadt. Und die privaten Mikroapartments, die überall entstehen, sind zu teuer.

Studieren in Frankfurt
Das Angebot an Zimmern für Studierende ist auch an den schwarzen Brettern alles andere als üppig. Foto: Andreas Arnold

Noch riecht es ein wenig nach Baustelle im „The Flag“, das früher mal das Philosophicum war. Die Flure des privaten Wohnheims in Bockenheim wirken steril. Ab 590 Euro kann sich ein Student eines der zwischen 26 und 33 Quadratmeter großen Mikroapartments mieten; wer es etwas geräumiger mag, hat ab 680 Euro die Möglichkeit, ein 34 bis 41 Quadratmeter großes Zimmer zu beziehen. Ein kleiner Teil der Apartments kostet 350 Euro.

„Meine Eltern zahlen mir das Zimmer“, sagt eine BWL-Studentin, die aus dem Aufzug steigt. Ob sie hier während des gesamten Studiums bleibe, wisse sie nicht, aber jetzt sei sie erst einmal froh, überhaupt eine Unterkunft zu haben. Ein junger Mann schließt die Tür zu seinem Apartment auf. Er studiere dual, sagt er, deshalb könne er sich die Wohnung leisten.

250 Euro Wohnpauschale zahlt das Bafög-Amt. Ein durchschnittliches WG-Zimmer kostet in Frankfurt allerdings 460 Euro. Deutlich günstiger ist es in einem der Wohnheime des Studentenwerks, wo es Zimmer ab etwa 200 Euro gibt – doch die Warteliste für einen der begehrten Plätze liegt zurzeit bei rund 1500 Studenten. An den öffentlichen Hochschulen Frankfurts sind mehr als 60 000 Studierende eingeschrieben, doch nur für 4200 gibt es Wohnheimplätze.

Dass etwas geschehen muss, ist Uni und Stadt klar – sonst ziehen immer mehr junge Leute lieber in Hochschulstädte mit günstigeren Mieten. Im Sommer vorigen Jahres haben sich Stadt, Studentenwerk und die städtische Wohnungsgesellschaft ABG vorgenommen, bis 2020 gemeinsam 1000 Wohnheimplätze zusätzlich zu schaffen. Ziel ist es, jedem zehnten Studenten einen Platz anbieten zu können. Geschehen ist seitdem nicht besonders viel.

Fertigstellung dauert

Dieses Jahr will die städtische Wohnungsgesellschaft ABG zwar mit dem Bau von Studierendenwohnungen in der Ginnheimer Platensiedlung beginnen. Bis dort 200 Studierende für Mieten von 350 Euro im Monat eine Bleibe finden, wird es nach Angaben von ABG-Chef Frank Junker aber 2019 oder 2020. Frühestens in zwei Jahren dürften auch die Wohnungen an der Zuckschwerdtstraße in Höchst fertig werden, in die etwa 80 Studenten einziehen könnten. Vom Sommersemester 2018 an könnten 50 Studierende in Wohnungen leben, die die ABG gerade an der Hahnstraße in der Bürostadt Niederrad hochziehen lässt. Noch nichts ist an der Siesmayerstraße passiert, wo Stadt und Land 100 Plätze schaffen wollten. Es sei „grauenhaft“, dass diese nicht zu Potte kämen, kritisiert Eric Erdmann vom Studentenwerk im Gespräch mit der FR.

Zwar investieren Projektentwickler angesichts vergleichbar hoher Renditen viel Geld in private Wohnheime wie die Häuser der Marke „The Flag“ in Bockenheim und an der Adickesallee – also große Anlagen aus Mikroapartments, die Studenten, teils aber auch Berufspendler ansprechen sollen. Doch die möblierten Zimmer sind zum größten Teil sehr teuer. Pünktlich zum Sommersemester ist beispielsweise das „Bed & Brains“ im Mertonviertel fertiggeworden. Trotz Warmmieten ab 555 Euro für eine 21 Quadratmeter große möblierte Wohnung und ab 730 Euro für die 28-Quadratmeter-Einheit sind 70 Prozent der 273 Apartments bereits vermietet. Zum Wintersemester wird ein privates Wohnheim der Marke „Headquarter“ an der Galluswarte fertig. Die 166 möblierten Apartments sollen für 450 bis 750 Euro Miete warm pro Monat zu haben sein.

Stadt und Studentenwerk verfolgen die Entwicklung kritisch. Bei den Wohnanlagen aus Mikroapartments, die derzeit in großem Umfang entstehen, handele es sich nicht um das, was sich die Stadt unter Studentenwohnheimen vorstelle, sagt Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Bewusst rechne man die dort entstehenden Zimmer, die für die meisten Studenten unbezahlbar seien, nicht in die Statistiken ein. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ganze Quartiere mit Boardinghäusern schaffen“, warnt Josef. Eric Erdmann wirft den Investoren gar vor, das Wort „Studentenwohnheim“ zu missbrauchen. Deren Angebote könne sich kaum ein Student leisten.

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