Lade Inhalte...

Wohnen in Frankfurt Römer-Koalition muss Rückgrat zeigen

Der wirtschaftliche Druck privater Investoren auf die Kommunalpolitik in Frankfurt ist hoch. Ob die Stadt beim Thema Stadtentwicklung diesem widersteht, hängt von der Koalition im Römer ab. Ein Kommentar.

27.12.2017 11:29
Stadtentwicklung in Frankfurt
Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) will einen neuen Hochhaus-Rahmenplan für die Stadt. Foto: Renate Hoyer

Anderthalb Jahre ist Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) jetzt im Amt. Und es zeigt sich, dass er tatsächlich an den bestehenden Verhältnissen in der fünftgrößten deutschen Stadt etwas ändern will. Schon bald nach seinem Amtsantritt hatte er angekündigt, dass bei neuen Wohnquartieren 30 Prozent der Unterkünfte öffentlich gefördert sein müssten. So soll dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Frankfurt begegnet werden.

Sowohl Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wie auch Josef können sich vorstellen, diesen Anteil weiter zu erhöhen, auf bis zu 50 Prozent. Dieser Kurs bringt stets von neuem Konflikte mit den Bauherren.

In dieses Szenario passt jetzt auch die Ankündigung Josefs, der Spekulation mit immer neuen lukrativen Hochhäusern in Frankfurt einen Riegel vorschieben zu wollen. Ein neuer städtischer Hochhaus-Rahmenplan: Das ist der Versuch des Politikers, bei der städtebaulichen Entwicklung Frankfurts das Heft des Handelns wieder in die Hand zu bekommen. Das Primat der Politik wieder durchzusetzen.

Der früheren Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und dem damaligen Planungsdezernenten Edwin Schwarz (CDU) war die Steuerung des städtebaulichen Prozesses zusehends entglitten. So wuchs etwa das Bürohochhaus Taunusturm höher als eigentlich geplant. So konnte ein steriles, weder städtebaulich noch architektonisch überzeugendes Quartier wie Maintor entstehen. Auch beim Nachfolger von Schwarz, bei Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne), gab es Sündenfälle. Der gewichtigste ist die sehr große Verdichtung mit vier Hochhäusern auf engstem Raum, die Cunitz auf den ehemaligen Grundstücken der Deutschen Bank an der Junghofstraße zuließ. Dieses Milliardenprojekt „Four“ soll zwar die erhoffte Belebung des Bankenviertels bringen, aber der Preis, der dafür städtebaulich und beim Stadtklima gezahlt wird, ist hoch.

Kann es Josef tatsächlich besser machen? Der wirtschaftliche Druck privater Investoren auf die Kommunalpolitik ist hoch. Derzeit sind es Hochhäuser mit Luxuswohnungen, die einen noch höheren Profit versprechen als Bürotürme. Schwierige Verhandlungen mit der Stadt, die über das Planungsrecht gebietet, sind zu erwarten.

Dabei ist der Planungsdezernent auf den politischen Rückhalt der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen angewiesen. Dieses Bündnis präsentiert sich oft schwach und zerstritten. Ob es nun tatsächlich beim zentralen Thema Stadtentwicklung das gefragte Rückgrat zeigt, muss abgewartet werden.

Der Einsatz lohnt sich: Es geht um nichts weniger als die Lebensqualität der Menschen in den nächsten Jahrzehnten in Frankfurt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen