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Wohnen in Frankfurt Mietpreise in Frankfurt jenseits von Gut und Böse

Wie findet man in Frankfurt eine bezahlbare Bleibe? Wohnungssuchende diskutieren mit Politikern und Projektentwicklern.

Wohnen in Frankfurt
Bald werden in Frankfurt mehr als 750 000 Menschen wohnen. Foto: Peter Jülich

Herr Popp sucht eine Wohnung. Und das nicht erst seit gestern. Genau genommen würde er seit drei Jahren gerne umziehen. Seine Familie ist größer und seine bisherige Wohnung zu klein geworden. Herr Popp möchte „nicht in eine Trabantenstadt“. Am liebsten würde er in Bornheim bleiben. Die Kinder turnen bei der TG, die Familie verbringt im Sommer sehr viel Zeit im Günthersburgpark. Nur so langsam glaubt Herr Popp nicht mehr, dass seine Wünsche in Erfüllung gehen. Es sei nicht so, dass es keine Angebote gebe. Die seien schon vorhanden, auch in Bornheim. „Aber preislich liegt das jenseits von Gut und Böse.“

Es waren die Geschichte des Bornheimers und die Erfahrungen einer Lehrerin aus Fechenheim, der es ganz ähnlich geht, die die Diskussion über das Wohnen in Frankfurt am Dienstagabend lebendig machten. Die Stadt Frankfurt und der Veranstalter Heuer Dialog hatten eingeladen – in ein Gebäude an der Junghofstraße, das demnächst abgerissen werden soll. Der Projektentwickler Jürgen Groß, der ebenfalls auf dem Podium saß, bebaut das gesamte Deutsche-Bank-Areal neu. Neben Büros und Gastronomie entstehen auch 600 Wohnungen. Nicht nur hochpreisige, ein Teil davon wird öffentlich gefördert. Doch derartige Projekte sind gut gemeint, aber letztlich bestenfalls ein Anfang. Darin waren sich alle im Saal einig.

Wie also soll Herr Popp eine Wohnung finden? Wirklich weiterhelfen konnte ihm auch Planungsdezernent Mike Josef (SPD) nicht, der aber zumindest den Vorwurf zurückwies, Frankfurt sei nur eine Stadt für Singles. Im Gegenteil: Es gebe einen Zuzug von Familien.

Immer wieder kam die Sprache auf die hohen Mieten in Frankfurt. Immer wieder verwiesen Josef und auch Groß auf die Bereitschaft, geförderte Wohnungen zu bauen. Nur: „Damit wir Wohnungen fördern können, muss es sie erst einmal geben“, sagte der Planungsdezernent. Unbedingt müsse weitergebaut werden. Auch Bund und Land seien bei der Suche nach Flächen gefordert.

Vor allem aber dürfe Wohnungsbau nicht immer teurer werden, sagte Groß. Die Baukosten seien in den vergangenen Jahren immens gestiegen – vor allem durch gesetzliche Anforderungen, etwa in der Energieeffizienz.

Derweil sprach Rolf Janßen, Geschäftsführer des Mieterschutzvereins, von der Angst der Mieter, eine einmal gefundene Wohnung wieder zu verlieren. Wohl deshalb spiele die unlängst eingeführte Mietpreisbremse in der Beratung kaum eine Rolle. Die Menschen wollten es nicht auf einen Rechtsstreit mit dem Vermieter ankommen lassen.

Am Ende des Abends hatte Herr Popp immer noch keine Wohnung gefunden. Immerhin wusste er aber, dass Politiker und Projektentwickler seine Probleme kennen und verstehen. Den Eindruck, dass ihm dieses Wissen weiterhilft, machte er nicht.

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